"Alles ganz verrückt"

Die ödp singt und rappt am Aschermittwoch

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Zu den findigen Ideen des politischen Trios Dr. Philipp Jedelhauser, Helmut Hitscherich und Michael Hofer (v.l.) gehörte auch die, die Basilika wegen des (natürlich gutachterlich festgestellten) instabilen eiszeitlichen Aufschüttungshügels unter den Türmen einfach ganz abzureißen. „Damit wäre auch das Problem mit der Stadtbibliothek im Stadtpark gelöst, denn ohne Basilika könnte man die Bibliothek so hoch bauen wie man will, weil dann ja nichts mehr zum Verdecken da wäre.“

Kempten – Beim Politischen Aschermittwoch der ödp nahmen die drei Kemptener Stadträte Michael Hofer, Dr. Philipp Jedelhauser und Helmut Hitscherich sowie der Kreisrat und ödp-Landtagskandidat Michael Finger in Gedichten, Gstanzln und Gesang Missstände und Fragwürdiges in Bundes-, Landes und Stadtpolitik kritisch unter die Lupe. Der Refrain, der sich durch den ganzen Abend zog lautete dabei: „Wer blickt da noch durch und wer kommt da noch mit, wenn man‘s recht bedenkt, dann ist das alles ganz verrückt.“

Bei ihren Rundumschlägen brachten Hofer, Jedelhauser und Hitscherich Kemptener Themen in Form eines bissigen Dreiergesprächs aufs Tapet. Dazu gehörte die grassierende, aber häufig nur teure und nutzlose Gutachteritis“ („Naja, Gutachter nimmt sowieso niemand mehr ernst“) ebenso wie „die große Gesichtswahrung“ bei der langwierigen Standortsuche für den Rettungshubschrauber Christoph 17 oder auch der im Raum stehende Abriss historischer Gebäude auf dem Sparkassenareal. „Im Abreißen alter Gebäude ist Kempten unschlagbar“, befand Jedelhauser. Ohne die Zivilcourage engagierter Anwohner, die „gerade noch rechtzeitig“ auf die umfangreichen Baudenkmäler in diesen Häusern aufmerksam gemacht hätten, „hätte die Sparkasse wohl klammheimlich das ganze kleinteilige Viertel plattgemacht und so einen Riesenklotz wie Galeria-Kaufhof oder Reischmann hingebaut.“

Politischer Aschermittwoch Kempten/Oberallgäu 2018 in Bildern

SPD Kempten © Kustermann
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
SPD Kempten © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
SPD © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Gesang bei der ÖDP © Stodal

 A propos Bauen: Die Funkenwiese tauften die Drei wegen der geplanten Bebauung mit zum Teil siebenstöckigen Gebäuden in „Klein Manhattan“ um. Hier habe die CSU „eine Führungsrolle gehabt, dass dort auf dieser freien Wiese gebaut werden muss und dafür gesorgt, dass die Sozialbau das übernimmt.“ Nach Anwohnerprotesten fordere ebendiese Partei nun, die Bevölkerung künftig besser einzubinden – was „die Schlauberger“ jetzt im Zusammenhang mit der Breslauer Straße, in der die BSG Wohnungen bauen wollte, auch gemacht hätten. Nachdem Anwohner moniert hatten, dass aufgrund der Baumaßnahmen ein Bolzplatz wegfiele, wurde das Projekt auf Eis gelegt. Hitscherichs Frage: „Wäre das auch passiert, wenn man mit der Sozialbau dieses Vorhaben hätte umsetzen wollen?“, konterte Hofer mit einem lakonischen: „Du glaubst doch wohl nicht an den Osterhasen.“

Zum Thema Stadtpark ersannen die Ratsherren ein Gleichnis vom Ochsen und Stier. „Was haben eigentlich die Kemptener Sparkasse und die Saatkrähenkolonie im Stadtpark gemeinsam? - Sie sorgen dafür, dass die neue Stadtpark-Gestaltung in gewisser Hinsicht ein Grünzonen-Verzwergungsprojekt wird.“ Da hätten auch „die vielen Planungsbüros nicht mehr herausholen können“, denn „bei den einschränkenden Vorgaben für einen Landschaftsplaner war das etwa genauso, wie wenn man einen Tierarzt beauftragen würde, einen kastrierten Ochsen in einen Zuchtstier umzurüsten.“

 Zur vieldiskutierten Frage nach dem künftigen Standort der Bibliothek postulierte Hofer: „Also ich hoffe, der OB hält dann sein Wort.“ Schließlich habe dieser gesagt: „Entweder Zumsteinwiese oder gar nicht.“ „Das wäre toll“, so Hofer weiter, „ dann käme endlich die Option Orangerie doch noch zum Zuge.“

Seine rheinländischen Wurzeln zeigte der Vorsitzende der ödp Oberallgäu/Kempten in einem auf Kölsch vorgetragenen, bitterbösen Gedicht über den Labor-Affen Joko („Dä U-Aap“) während Michael Finger rappend mit Markus Söder, dem „Fresh Prinz aus Franken“ abrechnete: „Bin der Wolf, der in Bayern sein Opfer sucht wie die Mücke am Abend das Blut“, hieß es da. Und weiter: „Ich hab einiges in Planung, darauf könnt ihr Gift nehmen, denn ich lüg gern in meinem Leben“ (…) „Prinz Söder zementiert Bayern für das neue Jahrtausend“ (…) „Muss mir ständig neue Lifte kaufen, weil ich meinen Alpenplan nicht mehr find‘“ (…) „Ich scheiß auf die Klimabilanz, ich drück auf die Tube, rock die Bude – jeder Öko wird sauer wie ‘ne Gurke, wenn ich durchstarte.“ (…) Wir wollen kein Stress riskieren, nur unser bayerisches Revier markieren, damit alle kapieren, dass wir, die CSU, existieren!“

Sabine Stodal

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