Lokalpolitisches Derblecken beim nachgeholten Politischen Aschermittwoch der ÖDP

Kabarett mit Lokalkolorit

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(v.l.) Dr. Philip Jedelhauser, Michael Hofer und Helmut Hitscherich, die drei UB/ÖDP-Stadträte, setzten sich in ihrem Kabarettprogramm „Je suis…“ humorvoll  mit der aktuellen politischen Lage der Stadt Kempten auseinander.

Kempten – Aus Rücksicht auf die Opfer des Bahnunglücks von Bad Aibling verzichteten die politischen Parteien im Februar größtenteils auf ihren Politischen Aschermittwoch (der Kreisbote berichtete). Nun, einige Wochen später, wurde dieser unter anderem von der ÖDP nachgeholt. „Bolitkabarett, Blasmusik und Bockbier“ wurde von der ÖDP für den Abend angekündigt und… geliefert.

Als „Ehrengast“ hatte sich die ÖDP-Kempten ihren Sonthofener Parteifreund und Kreisrat Micheal Finger eingeladen, der die rund 30 Gäste des Abends mit einem selbst gereimten Rap unterhielt. In seinem Sprechgesang setzte er sich kritisch mit dem politischen Wirken der Christsozialen auseinander und beäugte äußert genau die Personal- und Filialpolitik der Allgäuer Sparkassen. Sein ganz besonderes Fett bekam bei Finger der bayerische Finanzminister Markus Söder ab.

Das eigentliche Kabarett aber boten die drei Stadträte der UB/ÖDP selbst. Dr. Philip Jedelhauser, Helmut Hitscherich und Michael Hofer traten an, um in einer Art kabarettistischen Rundumschlag lokalpolitische Rivalen zu derblecken. Zuvorderst traten die drei in ihren Ausführungen aber für eine grundsätzliche Meinungsfreiheit ein, die sie in Anspielung auf die abgesagte AfD-Veranstaltung im Stift auch politischen Gegnern zubilligten. Ihr ganzes Programm titulierten sie mit dem französischen Satz „Je suis…“, einer Anspielung auf die Trauerreaktion nach der Ermordung der Redaktion des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ durch islmamistische Terroristen. Themen waren wie erwartet die Flüchtlingskrise und der nun beschlossene neue und alte Hubschrauberstandort für „Christoph 17“ in Durach. Spott schütteten die drei Laienkabarettisten über allzu viel politische Korrektheit beim Thema Flüchtlinge aus, äußerten Zweifel an der Zuverlässigkeit des „Kalifen“ Erdogan bei der Lösung selbiger Krise und stellten noch einmal die „unabhängige Gutachtertis“ bei der Standortwahl für „Christoph 17“ in Frage. Kritikwürdig befanden die drei ÖDP-Stadträte auch das Verhalten mancher CSUler bei der Frage um die Verlängerung der Nordspange in der Halde Nord. Hier warfen sie so manch einem der CSU-Stadträte einen Salto-Rückwärts vor und trieben Spurensuche, ob der Gründe eines solchen Verhaltens im Katasteramt der Stadt Kempten.

Blick zurück und nach vorn 

Dann warfen die Stadträte den Blick auf der Bühne in die Zukunft und beschrieben Kemptens goldene Ära als Tourismusmagnet, so wie es im Video „Kempten 2013-touristische Vision“ betrieben wird. Amüsiert malten sie, Bezug nehmend auf dieses Werbevideo, die Zukunft Kemptens mit „Gondelbahn über der Stadt, Stationen mit interaktiven Videotheken, Elektrotaxis und -bussen und Family-Bike-Hotels“ auf. Die Realität mit einer überlasteten Stadtbibliothek, einem nur noch eingeschränkt nutzbaren Kornhaus und einer verfallenden Burghalde „sehe freilich anders aus“, so die drei Kabarettisten im Stift. Da falle es auch nicht weiter ins Gewicht, wenn nun das Beginenhaus, Kemptens ältestes Gebäude, einen kostenfreien Fassadenanstrich durch Lehrlinge der Malerinnung erhalten würde.

Natürlich wurden nochmals die Verantwortlichen rund um den Allgäu Airport ordentlich derbleckt. Fehlen durften selbstverständlich auch nicht die Hinweise auf das „überdimensionierte Bauvorhaben Regionalbahn Kempten-Oberstdorf“ mit einer Schienenführung bis zur ZUM oder Ausführungen zur „Knochentheorie“ zur Einkaufsstadt Kempten. Hier attestierte Hitscherich Altbürgermeister Dr. Ulrich Netzer sogar prophetische Fähigkeiten. Dieser habe schließlich schon vor zehn Jahren über eine entstehende „Fressmeile“ im Norden Kemptens an der Residenz orakelt. Immer wurden die Gespräche der drei Stadträte von Gesangseinlagen unterbrochen, melodisch unter anderem nach Reinhard May und inhaltlich derart: „Über den Wolken muss die Frechheit wohl grenzenlos sein. Mit vielen Schulden und Borgen, kann man sich da versorgen. Und dann wird, was für den Bürger bedrohlich erscheint, plötzlich nichtig und klein.“

Jörg Spielberg

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