"Der Söder Markus"

Traditionelles Derblecken der Freien Wähler

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Kempten – Nach der Wahl ist vor der Wahl. Das zeigte sich vortrefflich beim Politischen Aschermittwoch, zu dem die Freien Wähler am Mittwochabend in den „Meckatzer Bräu-Engel“ eingeladen hatten. Vollzählig erschien die Stadtrat-Equipe, die im gut gefüllten Wirtshaus ein pikant gewürztes „Stadträte-Kabarett“ mit scharfem Nachgang servierte. Für die musikalische Umrahmung sorgte Alfons Kennerknecht am Akkordeon, frisch gezapftes Starkbier kredenzte unter anderem Kemptens 2. Bürgermeisterin Sibylle Knott.

Den Anfang machte Stadtrat Alexander Hold, der sich in diesem Jahr als Landtagskandidat aufstellen ließ. „Deutschland steht still“, diagnostizierte Hold und bescheinigte der SPD und FDP nach Sondierungsverhandlungen in Endlosschlaufe Regierungsunfähigkeit. Im Weißen Haus sitze ein ahnungsloser Präsident, aber auch in Deutschland betrete nach „Selbst Schulz“ eine weitere „Lichtgestalt“ die politische Bühne. Der Söder Markus. 

Dem unterstellt Hold, die „Ankündigungspolitik“ in guter alter christsozialer Tradition fortzusetzen und benannte hierzu Beispiele aus der politischen Praxis. 1000 neue Stellen für die Polizei möchte Söder schaffen, 500 davon im Bereich Grenzschutz, aber „…obliegt nicht dieser der Bundeshoheit?“, fragt Hold und malt einen Grenzkonflikt zwischen deutschen und bayerischen Grenzschützern aus. 2031 Gemeinden gibt es in Bayern, rechnet Hold vor, 2000 neue Wohnungen will die neu von Söder geschaffene Wohnungsbaugesellschaft „Bayern Heim“ schaffen. Die Eingabe zur Schaffung einer solchen Gesellschaft durch die SPD hatte Söder noch 2017 barsch abgewiesen, vielmehr hätte sich der designierte bayerische Ministerpräsident dadurch hervorgetan 32.000 landeseigene Wohnungen über die Bayerische Landesbank verkauft zu haben. 

Politischer Aschermittwoch Kempten/Oberallgäu 2018 in Bildern

SPD Kempten © Kustermann
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Freie Wähler © Spielberg
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
Bei der CSU. © Tröger
SPD Kempten © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
SPD © Kustermann
SPD Kempten © Kustermann
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei der FPD © Weidle
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Bei den Grünen in Sulzberg. © Brock
Gesang bei der ÖDP © Stodal

Allein in München fehlen nach Expertenmeinung 100.000 Wohnungen, so Hold. Auch die im Koalitionsvertrag festgesetzte Zahl von bundesweit 8000 neuen Stellen im Pflegebereich wurden von Hold in Bezug gesetzt zur Anzahl von Pflegeeinrichtungen im Bundesgebiet: 13.000.

Schall und Rauch

Das „Lieblingsthema“ der CSU blieb durch den ehemaligen Staatsanwalt Hold auch nicht unerwähnt. In der Immigrationspolitik möchte die CSU ein neues Landesamt für Asyl und Abschiebungen erschaffen. Dahinter wittert Hold Methode. Ähnlich wie beim neu geplanten Landesamt für Pflege sieht der Stadtrat in beiden Ämtern eher Entsorgungsstätten für altgediente Par-

teifreunde der Christsozialen. „Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise sind neue Richterstellen zur Abschiebung von Nöten, nicht mehr Bürokratie durch mehr Entscheider. Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Vollzugsdefizit“, so der Landtagskandidat der FW. Hold nahm auch die neu geschaffenen „Ministerien für Heimat“ unter seine Narrenlupe und fragte sich, was Söder unter Heimatschutz versteht. 

Die Eindämmung des Flächenfraßes im Freistaat kann es nicht sein, denn diesem hatte Söder durch die Novellierung des Landesentwicklungsprogramms LEP 2017 noch Vorschub geleistet, so Hold. „Wir versprechen euch alles“, so fasste Hold das Programm des politischen Konkurrenten zusammen und brachte mit der Einführung des Digitalfunks bei der bayerischen Polizei ein weiteres Beispiel. Alles sollte demnach besser werden, in der Realität aber funktioniert der Digitalfunk oftmals nicht. Nachdem eine Milliarde Euro in diesen investiert worden seien, werde jetzt noch einmal nachgelegt und die Polizei mit iPhones ausgestattet, um unter anderem Fotos mailen zu können.

Lokalteil

Für die humoristische Beurteilung der lokalen Politik traten andere ans Mikrofon. Knott, Hans-Peter Wegscheider, Hans Knoll, Dieter Zacherle und Dr. Dr. Robert Wiedenmann sprachen über den Stadtpark, das Bauloch, die Halde Nord, Heiligkreuz, Kaffeebecher, die neue Stadtbibliothek und den vergangenen Weihnachtsmarkt mit der „Kempten-Hütte“, die Zacherle als „Lattaverschlag“ bezeichnet. 

Gemeinsam mit Schatzmeisterin Elfriede Bretag machte sich dieser dann in Versreim über so Manches und Manchen lustig: „Ob Bund, ob Land, es isch egal, steht die Grüne Groll zur Wahl“ oder „Alle Bauten stehen still, wenn‘s dr‘ Hagemeier will“. Alle, die am Abend vor das Mikrofon traten, kamen am Ende zur Überzeugung: „Diese Politik macht Kabarettisten arbeitslos.“

Doch konnte niemand in die Nacht verabschiedet werden, ohne zuvor dem Mann gehuldigt zu haben, der für so viele Lacher wie niemand zuvor in der deutschen Politik gesorgt habe. Der Mann, der als selbsternannter Außenminister und Gründungsvater der „Vereinigten Staaten von Europa“ in die Weltgeschichte eingehen wollte, wird mit dem Lied verabschiedet: „Ach Martin, ach, wärst du doch in Würselen geblieben!“

Jörg Spielberg

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