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Polizei vermeldet niedrige Fallzahlen und eine hohe Aufklärungsquote für das Jahr 2021

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Von: Hildegard Ulsperger

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Stellten den regionalen Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West für das Jahr 2021 vor: Leitender Kriminaldirektor Michael Haber und Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner, Polizeipressesprecher Dominic Geißler (re.) leitete die Pressekonferenz.
Stellten den regionalen Sicherheitsbericht für das Jahr 2021 vor: Leitender Kriminaldirektor Michael Haber und Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner, Polizeipressesprecher Dominic Geißler (re.) leitete die Pressekonferenz. © Foto: Ulsperger

Kempten/Schwaben – Die Kriminalstatistik 2021 des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West weist mit 35.235 Straftaten nicht nur die niedrigsten Fallzahlen auf, sondern dokumentiert zugleich, dass im Berichtsjahr mit 74 Prozent die höchste Aufklärungsquote seit Gründung des Präsidiums im Jahre 2008 zu Buche stehen.

Bereinigt um die Delikte, die unter das Ausländerrecht fallen, welche nur von Nichtdeutschen begangen werden können, beläuft sich dieser Wert auf 32.301.

Das entspricht einem Rückgang um 10,9 Prozent, schlüsselte Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner das Zahlenmaterial. Zwar seien die Fallzahlen auch im Lichte der Corona-Pandemie zu betrachten, dennoch sei dieser Trend erfreulich. Er werde allerdings nicht so bleiben, prognostizierte die Polizeipräsidentin, die zusammen mit dem Leitenden Kriminaldirektor Michael Haber am Mittwoch die regionale Kriminalstatistik vorstellte.

Die 2.080 Beamten und Beamtinnen im Präsidiumsbereich haben, so Strößner, „wieder 365 Tage rund um die Uhr, oft unter erschwerten Bedingungen, hervorragende Arbeit geleistet“. Auch die Bevölkerung habe zu dem guten Ergebnis beigetragen, denn: „Die schönen Ermittlungserfolge hängen auch damit zusammen, dass wir sehr viele Bürgerinnen und Bürger haben, die die Polizei mit Hinweisen unterstützen.“ Im vergangenen Jahr wurden an die 123.000 Einsätze abgearbeitet.

Allzeittief bei der Häufigkeitszahl

Aussagekräftiger als die Fallzahlen zur Sicherheit in einer bestimmten Region ist die Häufigkeitszahl (HZ). Dies ist die Zahl der bekanntgewordenen Straftaten pro 100.000 Einwohner und bemisst in einem Gebiet, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, Opfer einer Straftat zu werden. Hier steht im Schutzbereich Schwaben Süd/West der Wert bei 3.568 und befindet sich auf einem Allzeittief. Bereinigt um die Ausländerdelikte liegt die HZ bei 3.271. Was einem Rückgang von 11,2 Prozent entspricht. Der Rückgang, so Strößner, steht sicherlich auch im Zusammenhang mit der Pandemie und „dem fast schon Erliegen des öffentlichen Lebens“. Dies sah auch Michael Haber so.

Insbesondere die Straftaten im Freien unter Alkoholeinfluss gingen bis zu 50 Prozent zurück, da Gaststätten geschlossen waren, sowie Veranstaltungen ausfielen. Obwohl bestimmte Einsatzanlässe aufgrund der Pandemiebekämpfung weggefallen sind, sei der Arbeitsanfall bei der Polizei keinesfalls zurückgegangen, präzisierte es der Polizeichef. Es habe lediglich eine Aufgabenverschiebung stattgefunden. 2020/21 gab es 471 Veranstaltungen mit 34.300 Teilnehmern, die im Corona-Bezug standen.

Straßen- und Gewaltkriminalität rückläufig

Rückgänge gab es sowohl bei der Straßen- als auch bei Gewaltkriminalität. Die Straftaten auf der Straße verringerten sich von 5.510 auf 4.541 Fälle, was einem Minus von 17,6 Prozent entspricht. Bei der Gewaltkriminalität, darunter fallen u.a. Mord und Raub, sank die Zahl der Delikte von 1.480 auf 1.103. Die Aufklärungsquote bei diesem Deliktphänomen ist mit 90 Prozent überdurchschnittlich hoch, was sicherlich darauf zurückzuführen sei, dass Täter und Opfer häufig eine gemeinsame Vorbeziehung haben.

Der Anteil der Gewalttaten an der Gesamtkriminalität liegt laut Haber bei 3,1 Prozent. Bei den Taten auf der Straße handele es sich häufig um Sachbeschädigung, besonders an Kraftfahrzeugen. Außerdem waren es vermehrt Fahrraddiebstähle. Ebenfalls nach unten zeige der Pfeil bei der Einbruchskriminalität. Eine Entwicklung, die sich auch bei der Anzahl von Wohnungseinbrüchen fortsetzt. Von den registrierten 114 Einbrüchen blieb es bei der Hälfte beim Versuch. Für Haber ein Indiz, dass der Einbau von Einbruchssicherungen zunimmt. Auch hier habe das Infektionsschutzgesetz seinen Anteil, denn Ausgangsbeschränkungen und Homeoffice hielten Menschen vermehrt in ihren eigenen Räumen.

Tatmittel Internet

Sorgen, so Haber, mache man sich im Präsidium wegen der Zunahme von Internet-Strafdaten, häufig auch aus dem Ausland heraus. Die Delikte, wie Verbreitung kinderpornografischer Schriften, Warenkreditbetrug, Cybermobbing und Hassrede beschäftigen die Polizisten stark.

Trotz erschwerter Bedingungen konnte die Polizei voriges Jahr 41 Präventionsveranstaltungen in Schulen durchführen und Jugendlichen die strafrechtlichen Konsequenzen für den unreflektierten Umgang mit den elektronischen Medien darlegen. Stetig wachse, beklagte Haber, auch das Cybercrime, also die Computersabotage, Datenveränderung, aber auch die Infizierung mit Erpressungstrojanern. Seine Appell für die Schadensminimierung: IT-Infrastruktur auf dem aktuellen Stand halten, räumlich getrennte Datensicherung einhalten, keine Preisgabe persönlicher Daten am Telefon beziehungsweise im Internet.

Polizei warnt vor Freigabe des Cannabis-Konsums

Gegenüber 2020 sanken bei der Rauschgiftkriminalität die Fallzahlen ebenfalls. Der Rückgang lag bei 9,8 Prozent, spiegelt nach Haber jedoch nicht die Wirklichkeit. Denn die hohen Mengen sichergestellten Rauschgifts lassen einen anderen Schluss zu. Auch müssten die Pandemiebeschränkungen mit in Betracht gezogen werden. „Wir gehen deshalb nicht davon aus, dass die Rauschgiftkriminalität tatsächlich abgenommen hat“, stellte Haber klar.

Vehement spreche man sich seitens des Präsidiums gegen die Legalisierung von Drogen aus. Den Konsum von Cannabis hält man für gesundheitsgefährdend; er führe unter anderem zum Verlust von Konzentrations- oder Gedächtnisleistungsfähigkeiten. „Wir sind auch der Meinung, dass es ein falsches Signal wäre, weil es zu einer sinkenden Hemmschwelle bei jungen Menschen führt, Cannabis zu konsumieren.“ Haber sieht die Gefahr, dass die Zahl von Unfällen unter Drogeneinfluss ansteigt. Bereits jetzt stelle man solche Tendenzen fest.

Mehr Sexualdelikte

Auch bei den Sexualdelikten sei kein Rückgang erkennbar, das Gegenteil treffe zu, so Haber. Der Anstieg liegt hier bei 26,4 Prozent. Vielfach handele es sich um die Verbreitung pornografischer Schriften. Auffallend ist: der Anteil von Kindern und Jugendlichen als Tatverdächtige. Befragungen zeigten, dass eine unreflektierte Nutzung des Smartphones gepaart mit den jugendtypischen Entwicklungen (Gruppenzwang, Neugier) ursächlich sei. Die Kommunikation erfolgt über Messengerdienste. Erfreulich sei der Rückgang bei Vergewaltigung. Dieser liegt bei rund 50 Prozent.

Problem Callcenterbetrug

Zur Chefsache erklärt hat Dr. Claudia Strößner den Callcenterbetrug, der nach wie vor Schwerpunkt bei Betrugsdelikten sei. Der Gesamtschaden liege bei rund 900.000 Euro. Man rechne weiterhin mit hohen Fallzahlen. Anfang 2022 verzeichne man bereits sechs vollendete Taten.

Anrufe erfolgen aus Callcentern im Ausland bei ausgesuchten Opfern, sehr oft bei Senioren. Von den 681 der Polizei bekannten Fällen waren sechs erfolgreich. Im Jahr 2020/2021 hat man seitens Polizeipräsidiums eine weitere Präventionskampagne gestartet und bereitet eine weitere vor. Sobald man erkenne, dass in einer Region vermehrt entsprechende Anrufe auflaufen, werde a) das engere Umfeld (Pflegedienst, Bank, Taxiunternehmen) der potenziellen Geschädigten sensibilisiert und b) die Öffentlichkeitsarbeit hochgefahren. Die Bekämpfung des Callcenterbetrugs habe sich ein Stück weit zu einem Alleinstellungsmerkmal des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West entwickelt, so die Polizeipräsidentin.

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