Weniger Gewalttaten – mehr Verkehrsunfälle

Polizeiinspektion Kempten zieht Bilanz für das Jahr 2019

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Bei 155 Unfällen wurden 149 Radfahrer verletzt. Davon trugen 72 keinen Helm. Daraus folgt der dringende Appell von Polizeioberrat Marcus Hörmann: „Vor dem Aufstieg aufs Fahrrad – Helm aufsetzen!“

Kempten – Gewalt, Raub und Diebstahl – Verkehrsunfälle mit Personen- und Sachschäden.

All diese angst- und sorgenmachenden Begleitumstände des Lebens sind in normalen Zeiten mehr oder weniger stark in unserem Alltag präsent. Derzeit beherrscht aber ein Virus unser tägliches Leben und all das, was zu diesem Leben dazu gehört. Und so musste auch die für März geplante jährliche Pressekonferenz der Polizeiinspektion (PI) Kempten zur Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik 2019 um zwei Monate verschoben werden. Insgesamt zeigt sich ein durchwegs positives Bild der Sicherheitslage in Kempten und Umgebung.

Polizeioberrat Marcus Hörmann stellte die Polizeiliche Kriminalstatistik für die Region Kempten und Umlandgemeinden vor, die insgesamt ein durchweg positives Bild der Sicherheitslage im nördlichen Oberallgäu vermittelt. Eine Kennzahl für diese Lagebeurteilung ist die Kriminalitätshäufigkeitsziffer (KHZ). Dieser Wert gibt an, wie viel Straftaten pro 100.000 Einwohner bekannt geworden sind. Während dieser Wert auf Landesebene im Jahr 2019 4.615 (im Jahr 2016: 6871) betrug, ist der entsprechende Vergleichswert für den Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West 3964 (2016: 4498). 

Im Zuständigkeitsbereich der PI Kempten liegt die KHZ mit 3180 (2016: 4272) noch niedriger. Diesen „historisch niedrigen Wert“ führt Polizeioberrat Hörmann auf den intensiven Fahndungsdruck und die positiven Nebenwirkungen des Zusammenlebens im ländlichen Raum zurück. Auch die hohe Aufklärungsquote von 73,5 Prozent – von 4474 polizeilich bekannten und registrierten Straftaten wurden 3288 aufgeklärt – mag auf potenzielle Täter eine abschreckende Wirkung haben. 

Weniger Gewaltkriminalität – Mehr Körperverletzungsdelikte

Für den Bereich Gewaltkriminalität (Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub und schwere Körperverletzung) konnte die Kemptener Polizei einen deutlichen Rückgang von 263 im Jahr 2018 auf 170 Straftaten im zurückliegenden Jahr verzeichnen. 

14 Prozent weniger Straftaten gab es im Bereich der Straßenkriminalität (Sachbeschädigung und Schmiererei). Allerdings bewegt sich diese Deliktsgruppe auf hohem Niveau: 752 Straftaten. Weniger erfreulich zeigt sich die Entwicklung bei den Körperverletzungen auf Straßen und Plätzen: Hier stieg die Zahl der Straftaten auf 49. „Nicht selten ist hier der Faktor Alkohol im Spiel“, so Hörmann in seiner Analyse. Ladendiebstähle, Fahrraddiebstähle und Wohnungseinbruchsdiebstähle werden der Kategorie Eigentumsdelikte bzw. Diebstahlkriminalität zugeordnet. Hier wurden im Zuständigkeitsbereich der PI Kempten im zurückliegenden Jahr 1072 Straftaten registriert, 124 weniger als im Jahr davor. Die sieben Autodiebstähle konnten die MitarbeiterInnen der Kemptener Polizei zu 100 Prozent aufklären. Zwei Täter konnten die PolizeibeamtInnen auf frischer Tat schnappen. Die zwei finanzierten mit Autoaufbrüchen ihren Lebensunterhalt. 64 Fahrzeugaufbrüche konnten ihnen nachgewiesen werden. Dafür wurden sie zu Haftstrafen von sechs bzw. sieben Jahren verurteilt. 

Mehr Verkehrsunfälle, dabei weniger Verletzte In und um Kempten herum wurde die Polizei im Berichtsjahr zu 3726 Verkehrsunfällen hinzugerufen. Das sind 197 mehr als ein Jahr zuvor. Diese Zunahme steht in direktem Zusammenhang mit der gestiegenen Einwohnerzahl und den höheren Zulassungszahlen bei Kraftfahrzeugen. Im Gegensatz zur Entwicklung der Zahlen bei Verkehrsunfällen nahm die Anzahl der verletzten Personen im Straßenverkehr ab: Von 776 im Jahr 2018 auf 672 im Folgejahr. 

Unverändert blieb die Zahl der tödlichen Unfälle: Vier. 155 Verstöße durch Fahrten unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss wurden mit einem Bußgeld oder einer Geldstrafe geahndet. Hörmann betonte, dass im Allgäu der Straßenverkehr auch weiterhin stark kontrolliert werde. „Neben der Fahrtüchtigkeit der Fahrzeugführer werden wir ein weiteres Augenmerk auf die Ablenkung der Fahrzeugführer durch die Benutzung von elektronischen Geräten legen“ so Hörmann in seinem Ausblick auf das Jahr 2020. Einen eindringlichen Appell richtete der Kemptener Polizeioberrat an alle Radfahrer: „Auch wenn es keine gesetzliche Helmpflicht gibt, ein Fahrradhelm kann bei einem Unfall oder Sturz Kopfverletzungen reduzieren oder gar vermeiden.“ 

Michael Schropp

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