Alt-OB Dr. Ulrich Netzer behält die Kemptener Stadträte auch weiterhin fest im Blick

Kein Entrinnen mehr

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OB Thomas Kiechle (li.) und der Kemptener Künstler Horst Heilmann (re.) sind mit dem entstandenen Portrait ebenso zufrieden wie der portraitierte Alt-OB Dr. Ulrich Netzer (Mitte) selbst.

Kempten – Im Wortsinn „bildlich“ verfolgen die einstigen Kemptener Bürgermeister August Fischer, Albert Wehr, Dr. Georg Volkhardt, Dr. Otto Merkt und Adolf Horchler die Geschehnisse im großen Sitzungssaal des Rathauses noch heute. Vor rund zehn Jahren wurde beschlossen die Galerie mit ihren Portraits fortzuführen.

Es folgten 2006 Portraits von Altoberbürgermeister Dr. Josef Höß und 2007 von dessen Nachfolger Dr. Wolfgang Roßmann, die zu malen Horst Heilmann, „weit über die Grenzen der Stadt hinaus renommierter Kemptener Künstler“, so OB Thomas Kiechle, beauftragt worden war. Da der Platz im Sitzungssaal knapp geworden war, haben sie ihren Platz im Vorraum neben der Eingangstür zum Saal gefunden. Seit vergangenem Freitag haben sie ein gewichtiges Gegenüber: Altoberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, 18 Jahre lang Kemptens Stadtoberhaupt, wurde nun auch von Heilmann auf Leinwand verewigt.

In den 1970ern sei die Portraitgalerie mit den ehemaligen Oberbürgermeistern eingestellt worden, erinnerte sich der Geehrte schmunzelnd, dass er mit dem Vorschlag die Tradition wieder aufleben zu lassen erst gezögert habe, nicht zuletzt, „weil ich wusste, das könnte mich auch mal treffen“. Aber vor allem sei für die Stadtentwicklung der gesamte Stadtrat verantwortlich und für ihre Gestaltung „alle Bürger zusammen“. Also warum solch ein Bild aufhängen? Vielleicht, weil der OB „Repräsentant ist“ und die Menschen Zeitabschnitte an Bildern und Gesichtern fest machten. Das Ergebnis das der für ihn einzig dafür in Frage gekommenen Künstler Heilmann hier präsentierte, nannte er einen „gelungenen Wurf“, voller „Klarheit“. Heilmann erinnerte sich im vergangenen Herbst 100 Fotos von Netzer geschossen zu haben und dabei jemandem begegnet zu sein, der offen war, interessiert und freundlich. Entstanden sei das Gemälde dann auch nicht anhand einer Fotografie, sondern aus einer Collage von Fotos, „die ich dafür ausgewählt habe“, weil sie einzelne bestimmte Merkmale Netzers besonders typisch zeigten.

Das entstandene Bild „ist ein Dokument meines bildnerischen Denkens und Handelns“ geworden. Und in der Tat blickt ein typischer Netzer – heckt er vielleicht gerade wieder etwas aus? – auf die Tür des Sitzungssaales. Eigentlich verfolgt einen sein Blick. So meinte er zu den anwesenden Fraktionsvorsitzenden und Vertretern der Verwaltung auch spitzbübisch, dass es ihm natürlich eine besondere Freude sei, „dass ihr meinem Blick nun nicht mehr entrinnen könnt“.

Von der „kleinen Blasmusikbesetzung“ der Kemptener Stadtkapelle gab es zur musikalischen Untermalung noch einen quasi Bonus. Da Netzer keinen Empfang zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen Jahr gewollt hatte, spielten sie das Geburtstags-Ständchen dazu eben jetzt – vier Tage nach seinem 61. Geburtstag ja trotzdem passend – und Kiechle formulierte seinen damals nur schriftlich überbrachten „Respekt für ein beeindruckendes Schaffen und die hohe Wertschätzung Ihres außerordentlichen Engagements für die Entwicklung der Stadt“.

Christine Tröger

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