Positiver Bericht zum Seniorenpolitischen Gesamtkonzept

Viele Projekte in den Kemptener Quartieren

+
Madita Lang (li.) und Cordula Amann, Expertinnen in Sachen Seniorenpolitik, die eine mehr theoretisch, die andere mehr praktisch

Kempten – Wie ist es um das Seniorenpolitische Gesamtkonzept der Stadt Kempten bestellt?

Cordula Amann, die die Projekte koordiniert und überblickt, konnte zu den Anlaufstellen in verschiedenen Stadteilen Positives berichten. So wird diese Stelle in Sankt Mang/Ludwigshöhe von der Diakonie getragen und für fünf Jahre staatlich gefördert. 

In Kempten-Ost sind zwei Stadtteilmanager in Vollzeit eingestellt worden. Die bereits laufende „Superseniorenarbeit“ in Kempten-Nord/Thingers wird weiter unterstützt und mit bestehenden Einrichtungen, wie dem Kempodium in Kempten-Süd, wird gedeihlich zusammengearbeitet. 

„Es tut sich was in der Altenarbeit“, lautete Amanns Botschaft. Unter dem Titel „Nicht vergEssen“ wird es ab 20. September dieses Jahres im Altstadthaus eine von der Stadt mitfinanzierte Fotoausstellung der Fotographenmeisterin Angie Ehinger geben. Sie hat zehn Menschen porträtiert, die trotz eines arbeitsreichen Lebens im Alter auf Lebensmittelpakete der Malteser angewiesen sind. Rückblickend wurde von der Aktionswoche „Zuhause daheim“ berichtet, vom Beratungsvormittag zum Thema „Im Alter zuhause wohnen“, von einer Kinästhetik-Schulung zum Erlernen effektiver Bewegungen und vom gut besuchten, anrührenden Nachmittag mit einem Clown der Ravensburger Clownschule, der „Beziehungspflege mit Humor“ vormachte. 

Die gezielte Förderung einer bürgerschaftlich engagierten Nachbarschaftshilfe – Stichwort „MitMenschen Kempten“ – soll Ehrenamtliche motivieren, Leuten ohne Pflegegrad in Alltagsdingen unter die Arme zu greifen. Als Kooperationspartner in den Quartieren könnten z.B. Geschäfte gewonnen werden. Dieses vom Sozialministerium geförderte und auf zwei Jahre befristete Projekt soll in Kempten-Mitte-Süd beginnen, eine neue Kraft soll bei der Aufbauarbeit helfen. Damit aber die aus reiner Hilfsbereitschaft gespeiste „ganz normale Nachbarschaftshilfe“ dabei nicht geschwächt wird, was Bürgermeister Josef Mayr zurecht befürchtet, soll die Entwicklung dieser mutigen Sache genau beobachtet werden. Als künftige Führungskraft in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft hat Madita Lang für ihre Masterarbeit an der Hochschule eine Sozialraumanalyse Kempten Nord durchgeführt und davon berichtet. Schwerpunkt war die Frage nach den sozialen Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner von 65 Jahren und älter. Mit 9,3 Prozent war der Rücklauf der 900 verteilten Fragebögen enttäuschend gering, während sich die Einzelinterviews mit Experten und Expertinnen als sehr hilfreich erwiesen haben. Dabei stellte sich heraus, dass Innenbereich und Außenbereich von Kempten-Nord (dazu gehören Hirschdorf, Zollhaus, Neuhausen) getrennt zu betrachten sind. Im Kernbereich sind Nahversorgung und Verkehrsanbindung zufriedenstellend, im Randbereich dagegen mangelhaft. 

Fazit: Quartiersarbeit erforderlich! „Alleinsein muss niemand“, stellte Oberbürgermeister Thomas Kiechle fest und appellierte an die Eigenverantwortung auch der alten Menschen, die bestehenden Angebote zu nutzen. Zum ÖPNV, dem Dauerthema, Dauerproblem und Dauerauftrag, gab Kiechle zu bedenken, dass ein Durchbruch grundsätzlich nur mit einschneidenden Konsequenzen an anderer Stelle zu haben ist. Für die Menschen in den sechs Kemptener Altenheimen da sein, ihnen zuhören und sie spirituell begleiten, das ist die Aufgabe von Ursula Liebmann-Brack, Pastoralreferentin der katholischen Kirche, und von Klaus Dotzer, dem Pfarrer der evangelischen Kirche. Sie boten Einblicke in die Altenheimseelsorge und vermittelten den Eindruck eines hochengagierten, bestens eingespielten ökumenischen Teams. „Was soll das mit den Konfessionen, wir glauben doch alle an den einen Gott“, sagen die meisten Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch die Angehörigen und Pflegekräfte. 

Was Liebmann-Brack an ihrer Arbeit besonders schätzt, ist, dass sie tatsächlich Zeit zum Zuhören hat – und nicht nur so tun muss. Beide freuen sich über die stets gut besuchten Gottesdienste in den Heimen, stellen fest, dass der Glaube für viele immer noch eine starke Säule darstellt und Rituale als hilfreich empfunden werden. Einmal jährlich bieten sie einen Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen an, ebenso Vorträge für alle, die ehrenamtlich oder beruflich mit alten Menschen zu tun haben, sie organisieren sogenannte „Oasentage“ für Pflegekräfte und bedanken sich am „Tag der Pflege“ persönlich und mit einer Karte bei ihnen. Weil die Akzeptanz der Gottesdienste für Menschen mit Demenz nicht gegeben war und die Zielgruppe nicht erreicht wurde, pausiert dieses Angebot bis auf Weiteres. Lothar Köster, der als Beauftragter für Senioren und Heime die Sitzung leitete, zollte Dotzer und Liebmann-Brack großen Respekt für ihre kompetente und von hohem persönlichen Engagement getragene Tätigkeit. Fortsetzung folgt – die nächste Sitzung des Seniorenpolitischen Beirats ist für November anberaumt. 

Elisabeth Brock

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Aus dem Bachtelweiher wird so schnell wohl kein Badegewässer
Aus dem Bachtelweiher wird so schnell wohl kein Badegewässer
Architekturstudentin nimmt Stiftsbleiche ins Visier
Architekturstudentin nimmt Stiftsbleiche ins Visier
Erstklassige Weiterbildung mit WBS TRAINING in Kempten.
Erstklassige Weiterbildung mit WBS TRAINING in Kempten.

Kommentare