"Weniger ist nicht mehr, aber besser"

Kirchen, Stadt und Landkreis laden ein zum "Ökumenischen Energiefasten"

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Für die Aktion „Ökumenisches Energiefasten“ haben die Klimaschutzmanager der Stadt Kempten und des Landkreises Oberallgäu gemeinsam mit Vertretern der beiden christlichen Kirchen sieben humorvolle Postkarten mit Tipps zum Energiesparen und einer klimaschonenden Lebensweise entwickelt.

Kempten – „Das Fasten ist eine gute christliche Tradition. Dabei geht es weniger um Verzicht, als vielmehr darum, frei zu werden für anderes.“ So formuliert es Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der die Presse zu einem Gespräch über das von der Stadt Kempten, dem Landkreis Oberallgäu und den beiden großen christlichen Kirchen initiierte „Ökumenische Energiefasten“ eingeladen hatte.

Die ursprüngliche Idee zum „Energiefasten“ hatten die Klimamanager der Stadt Kempten und des Landkreises Oberallgäu. Entsprechend der 40-tägigen Fastenzeit sollten Bürger angeregt werden, in dieser Zeit nicht nur leibliche Genüsse zu reduzieren, sondern sich bewusst auch energiesparend und klimaschonend zu verhalten. Die beiden Dekane, Jörg Dittmar von der evangelisch-lutherischen Kirche, und Dr. Bernhard Ehler von der römisch-katholischen Kirche, waren begeistert über die geplante Aktion und schlossen sich dem Vorhaben an. Herausgekommen sind sieben humorvolle Postkarten mit einfachen Tipps zum Energiesparen und für eine klimaschonende Lebensweise. Diese werden in Kirchen und Gemeindehäusern ausgelegt. Die Leser der Karten sollen dazu angeregt werden über das Energiesparen im Alltag zu sprechen und selbst aktiv zu werden. Rund 15.000 Karten im DIN A6 Postkartenformat wurden bei der Druckerei Uhl-Media in Bad Grönenbach „emissionsarm und klimaneu-tral“ gedruckt.

Wertvolle Tipps

Die Postkarten geben unter anderem die Anregung, einmal auf das Bügeln zu verzichten, nicht Neues zu kaufen, sondern Altes zu reparieren, zu Fuß zu gehen und unverdorbene Lebensmittel nicht wegzuwerfen. Zwischen Aschermittwoch und Karfreitag soll das Thema Energie- und Ressourcenverbrauch in den Fokus gerückt werden und ganz bewusst die ein oder andere alltägliche Gewohnheit hinterfragt und überdacht werden. Mittels der Karten können sich interessierte Personen registrieren lassen. Diese erhalten dann für die Dauer der Fastenzeit über einen Newsletter Tipps und Anregungen für eine nachhaltige Lebensweise. Automatisch nehmen diese Personen an einer Verlosung teil und haben die Möglichkeit ÖPNV-Tagestickets oder Allgäu-Walser Fan Cards zu gewinnen.

Jeder kann helfen

Während der Pressekonferenz zeigten Ehler und Dittmar, dass ihnen das Thema auch ganz persönlich wichtig ist. „Auch Papst Franziskus beschäftigte sich ausführlich in der Umweltenzyklika „Laudato si“ mit der ökologischen Krise und legte auf biblischer Grundlage basierend ein Konzept zur ganzheitlichen Ökologie vor“, so Ehler und führt fort: „Es muss jetzt etwas geschehen, denn schon bald könnte die Existenz der Menschheit gefährdet sein.“ Dittmar empfiehlt das Thema nicht „sauertöpfisch“ anzugehen, mahnt aber auch, keine Zeit zu verlieren. „Wir lernen aktuell, dass wir nicht die strahlenden Vorbilder in puncto Umweltschutz sind. Das sehen wir unter anderem an der Diesel-Affäre oder an der Tatsache, dass unser getrennter Plastikmüll nur zur Hälfte recycelt wird, zu großen Teilen aber auch verbrannt oder nach Fernost verschifft wird“, so der Dekan.

Alle Diskutanten des Pressegesprächs sind sich einig, nur der Einzelne kann durch Bewusstseinsveränderung dazu angeregt werden, sich umweltfreundlicher und klimaschonender zu verhalten. So möchten die beiden Dekane die Postkartenaktion auch über den Religionsunterricht in die Schulklassen tragen. Auf die Frage was die Kirche selbst in puncto Energiesparen tut, verweist Dittmar darauf, dass die Evangelisch-Lutherische Kirche versucht, alle anstehenden Neubauten nachhaltig in Passivhausbauweise oder gar als Nullenergiehäuser zu realisieren. „Wir sind da dran“, sagt ein optimistisch gestimmter Dekan, der ganz zur Freude seiner Frau daheim auch schon mal die Waschmaschine selbst repariert. Kiechle beschloss die Runde und versprach zum Städtetag nach Lübeck nicht das Flugzeug, sondern die Bahn zu nehmen.

Jörg Spielberg

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