Präsentation des Kunstwerks für den Dachser-Kreisel verläuft ohne Diskussion

Ein weiterer Schritt "Auf dem Weg"

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Sind der Realisierung des Kunstwerks am Dachser-Kreisel einen Schritt näher gekommen: (v.li.) Dachser-Chef Bernhard Simon, die beiden Künstler Christian Hörl und Gerhart Kindermann mit OB Thomas Kiechle. Im Hintergrund ist die Abbildung einer der drei Stelen zu sehen.

Kempten – Kunst polarisiert wohl doch nicht immer. Zumindest was die geplanten drei jeweils 20 Meter hohen Stelen aus gestapelten Kuben als „Tor“ zur Stadt am Dachser-Kreisel betrifft, herrscht offensichtlich auch seitens der Kemptener Bevölkerung Konsens.

Wie berichtet möchte der Logistiker Dachser die nördliche Stadteinfahrt aufwerten, wie es sich der damalige OB Dr. Ulrich Netzer bereits beim Bau des neuen Verwaltungsgebäudes des Unternehmens gewünscht hatte, und das Kunstwerk der Stadt schenken. Um auch der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben, war das Modell mit Plänen und Beschreibungen nun zunächst im Kemptener Rathaus ausgestellt worden. Vergangenen Donnerstag präsentierte Firmenchef Bernhard Simon zusammen mit den beiden Künstlern Christian Hörl und Gerhart Kindermann sowie OB Thomas Kiechle in der Schrannenhalle für alle Interessierten das Kunstwerk „Auf dem Weg“. Gekommen waren vor allem Mitarbeiter aus der Verwaltung, ein paar Stadträte und Architekten, unter die sich eine überschaubare Anzahl interessierter Bürger mischte. Die erwartete Debatte, wie sie zum Beispiel einst die „Wolke“ auf dem Platz vor dem Theater ausgelöst hatte, blieb aus.

Es sei ein „bemerkenswerter Vorgang“, dass ein Unternehmen so etwas zur Verfügung stellt, merkte die gebürtige Kemptenerin und Kunsthistorikerin Birgit Höppl an, durch deren gezielte Moderation kaum eine Frage zu dem „spannenden Projekt“, das es so „zumindest in ganz Bayerisch Schwaben nicht gibt“, offen blieb. Bislang sei Kempten „mit innovativer Kunst nicht gerade übersät“, begrüßte sie, dass die Kunst hier „eingeladen“ wurde. Mit den beiden Künstlern Hörl und Kindermann seien „zwei Profis am Werk“, die situationsbedingtes Arbeiten ebenso wie künstlerisches und handwerkliches Können mitbrächten. Bei Vorlage ihres Entwurfs im Hause Dachser „haben wir festgestellt, dass er die Erwartungen vollkommen sprengt“, erinnerte sich Hörl erfreut über die Reaktion von Simon, es weiterzuverfolgen. Hörl betonte, dass es keinesfalls eine Werbeskulptur für Dachser werde – „das kann’s nicht sein, das soll’s nicht sein, das darf’s nicht sein“. So stünden die „selbstbewusst aufstrebenden Stelen“ für die an diesem Abend nicht nur von ihm sehr positiv gezeichnete Entwicklung der Stadt Kempten und passe auch zur Firma Dachser.

Auch die Stadt muss einen Beitrag zum Kunstwerk leisten: sie wird für das Fundament – und später auch für den Unterhalt des aus wetterbeständigem, zum Teil farbig lackiertem Metall gefertigten Kunstwerk – zuständig sein. Wie der damit befasste Kemptener Dipl.-Ing. (FH) Gerhard Pahl anmerkte, sei die zwölf Meter tiefe „Fundamentierung nicht ganz so einfach“, da zum einen hier „früher die Iller geflossen ist“ und zum anderen „viele Leitungen auf der Verkehrsinsel liegen“. Die stärkste Beanspruchung werde, so Pahl, vom Wind ausgehen. Deshalb sollen die lotrecht stehenden Stelen „dynamisch etwas schwingen“. Kein Problem für die Stelen sah Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann, sollte – zum Beispiel durch die diese Woche in Betrieb gehende Nordspange – eine zweispurige Fahrbahn innerhalb des Kreisels notwendig werden.

Kiechle wertete das Kunstwerk als „große Chance“, auch das langjährige Anliegen der Stadt, Kunst im öffentlichen Raum zu fördern, voranzubringen. Als Stadttor sei es zudem ein „Zeichen des Willkommens“, das der Stadt ein „einladendes Gesicht“ gebe. Dafür hat man sich bei Dachser schon im Vorfeld Gedanken dazu gemacht, „wie wir nicht nur allein das Unternehmen darstellen, sondern wie es an diesem sensiblen Ort das Stadtbild mitprägt“, erklärte Simon. Nun hoffe er, dass sich Kiechles Vision bewahrheite und es ein „Anziehungspunkt“ werde. Es solle als „Wegweiser“ verstanden werden, der auch auf die Stadt „neugierig macht“. Er räumte ein, die „kritischsten Auseinandersetzungen innerhalb der Familie“ geführt zu haben, schloss sich aber der Vermutung Hörls an, dass das Kunstwerk noch „Gesprächsstoff zur Genüge“ bieten werde, sobald es stehe. Im Sommer 2016 soll es laut OB in die Umsetzung gehen. Zuvor müssen noch der Vertrag geschlossen sowie das Genehmigungsverfahren durchlaufen werden und der Stadtrat seinen Segen geben.

Christine Tröger

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