Ausstellung im Börsensaal

"Bescheiden aber ehrgeizig"

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Die Darstellung menschlicher Skurrilitäten in feiner Mischung aus Heiterkeit und Ernst, historische Stadtansichten von Kempten und vieles mehr begeistert schon bei der Ausstellungseröffnung zum künstlerischen Leben von Siegfried Sambs zahlreiche Besucher.

Kempten – Über 800 Werke seines Vaters Siegfried Sambs (1912-2001) habe er in den letzten Wochen und Monaten fotografiert und sortiert, noch längst nicht alle, und „immer wieder waren Dinge dabei, die ich selbst noch nie gesehen hatte“.

So schilderte der Sohn Reinhard Sambs die Vorbereitungen zur aktuellen Ausstellung „Wen die Muse küsst... – Das künstlerische Leben des Siegfried Sambs“ jetzt bei der Eröffnung im Börsensaal des Kemptener Kornhauses. Die Ausstellung wurde vom Verein Freunde der Kemptener Museen (fkm), der laut Vorsitzender Margarete Gradmann „immer wieder Künstler der letzten 100 Jahre vorstellt“, um daran zu erinnern wer hier alles gelebt und gearbeitet habe, feierlich eröffnet.

Als bescheiden und anspruchslos, „aber ehrgeizig“ beschrieb der Sohn seinen aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Vater, für den „Zeichnen und Malen immer Liebhaberei war, nie Existenzgrundlage“. Als seine „große Schwäche“ bezeichnete er rund 9000 (!) Bände an Kunst-, Geschichts- und Kunstgeschichtsbüchern, die überall im Haus untergebracht gewesen seien. Und auch davon erzählte er, dass der damals 27-jährige Vater gleich „am ersten Kriegstag eingezogen wurde“ und erst sechs Jahre später zurückgekommen sei. Das Zeichenzeug habe er aber immer dabei gehabt und, wie auch immer, „die Bilder haben die Kriegszeit makellos überstanden“. Mit moderner, abstrakter Kunst habe sein Vater so gar nichts anfangen können und das in seinen Bildern auch hin und wieder thematisiert. Prompt sei er bei den Festwochen-Ausstellungen nicht mehr genommen worden, meinte Reinhard Sambs augenzwinkernd.

Seine Welt waren die Karikaturen, die humoristisch-satirischen Fingerzeige auf das menschelnde Leben, aber auch alte Stadtansichten von Kempten, die er in Form von mehreren Serien hinterlassen hat. Wie fkm-Vorstand Dr. Werner Scharrer im Rahmen der Eröffnung darlegte, ist Sambs dabei eher ein „recht hintersinniger, stiller Beobachter menschlicher Unzulänglichkeiten“ gewesen, der „seine Beobachtungen, Erfahrungen, Einwände und Einsichten nicht in hämischer Verbalität, sondern mit zeichnerischer Leichtigkeit, schier spielerisch heiter in Bildern“ umzusetzen verstand. Scharrers Ermunterung „es darf gelacht werden und es soll gelacht werden“ nachzukommen dürfte beim Gang durch die Ausstellung wohl kaum jemandem schwer fallen. Zu pointiert sitzt der gekonnte Strich von Sambs und trifft immer wieder den Nagel auf den Kopf; seien es gesellschaftliche Geschehnisse – mit vielen erstaunlich aktuellen Themen wie Rauchverbot, Schuldenkrise, Umweltzerstörung oder auch die moderne Kunst; seien es die kleineren und größeren Lebensskurrilitäten, dargestellt in einer feinen Mischung aus Sarkasmus, Ironie und Humor, in Ausgewogenheit von Heiterkeit und Ernst.

Auch zahlreiche Illustrationen der von Alfred Weitnauer veröffentlichten „Allgäuer Sprüche“ sind in der Ausstellung zu finden, Portraits, Buchillustrationen sowie Beispiele aus dem Fundus seiner kaum erhaltenen ersten künstlerischen Leidenschaft, der Bildhauerei, und vieles mehr.

Der Querschnitt aus 70 Jahren künstlerischer Arbeit von Siegfried Sambs ist noch bis 10. November dienstags bis sonntags vom 10 bis 16 Uhr im Börsensaal des Kemptener Kornhauses zu sehen.

Christine Tröger

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