Die pragmatische Lösung

Viel Ärger hat sich in den vergangenen Wochen unter den Lenzfrieder Bürgern wegen des geplanten Mobilfunkmasts auf dem Wasserhochbehälter des KKU breit gemacht (der KREISBOTE berichtete). Das wurde auf einer Informationsveranstaltung zu dem Thema am Freitagabend deutlich. Wie Baureferentin Monika Beltinger und Hans Ulrich-Raithel vom Münchner Umweltinstitut im Sportheim Lenzfried erklärten, ist der Standort eine günstige Kompromisslösung zwischen der Stadt und dem Betreiber O2. Zwei Bio-Bauernhöfe in Hinterholz wären demnach am stärksten von der Strahlung betroffen. Das für viele frustrierende Fazit: eine bessere Lösung gibt es nicht.

Die dreieinhalbstündige Diskussion verlief nicht immer ganz sachlich. „Sie wissen hoffentlich, dass sie damit zwei Existenzen zerstören“, richtete sich eine aufgebrachte Stimme aus der Zuhörerschar an Beltinger. Denn die beiden betroffenen Landwirte fürchten um ihren Status als Erzeuger von Bio-Produkten und um die Gesundheit ihres Viehs, wenn sie künftig von dem Handymast bestrahlt werden. Sie zeigten wenig Verständnis dafür, dass die Stadt den Mast gerade dort zulässt und viele der über 100 Anwesenden erklärten sich solidarisch. Eine günstigere Lösung ist jedoch nicht in Sicht. O2 müsse nämlich nicht um Erlaubnis fragen, wenn sie einen Handymast bauen wollen, erläuterten Beltinger und Ulrich-Raithel. Wenn sie einen Vermieter finden, der ihnen sein Haus dafür zur Verfügung stellt, dürfen Mobilfunkbetreiber bis zu zehn Meter hohe Antennen darauf bauen, egal wieviele Anwohner dann die Strahlung abbekommen. Die jetzige Vorgehensweise bezeichnete Ulrich-Raithel als „den pragmatischen Weg“. Der Immissionsexperte vom Münchner Umweltinstitut hat mehrere strahlungsarme Standortalternativen ermittelt. Die günstigste belastet nun die Bewohner von Hinterholz mit maximal 400 Mikrowattwatt pro Quadratmeter. Überall sonst sind es weniger. „Es könnten auch 30000 Mikrowatt sein“, so Ulrich-Raithel, und zwar für noch viel mehr Anwohner. Nämlich dann, wenn O2 nach Belieben baut. Einige Lenzfrieder äußerten jedoch Zweifel an der Richtigkeit von Ulrich-Raithels Zahlen. Der Immissionsexperte jedoch betonte, dass selbst die Mobilfunkbetreiber es nicht schaffen, seine Gutachten zu widerlegen. „Diese Zahlen sind belastbar“, versicherte er. Zweifel gab es auch daran, dass es, wie Beltinger erklärte, keine Rechtsgrundlage gebe, um einen Handymast zu verhindern. „Wir haben uns kundig gemacht. Es kann auf kommunaler Ebene nicht entschieden werden, ob ein Handymast gebaut wird und wie stark er strahlt“, so die Baureferentin. Viele Fallbeispiele Dem allerdings widersprach Franz-Josef Krumsiek von der Mobilfunkinitiative. Über den Flächennutzungsplan könne die Stadt sehr wohl Regeln aufstellen, dafür gebe es dutzende Fallbeispiele. „Dem ist nicht so“, entgegnete Beltinger. Ein Flächennutzungsplan müsse nämlich eine Positiv- und keine Negativplanung sein. Das heißt: Er darf nicht Handymast-Verbote aussprechen, sondern muss im Gegenteil gezielt Standorte ausweisen, wenn er ein Mobilfunkkonzept enthält. Eine weitere Befürchtung der Lenzfrieder: Was, wenn noch mehr Masten kommen? Auch das, so Ulrich-Raithel, könne die Stadt nur dann beeinflussen, wenn sie selbst den Antennenstandort vermietet. Auch die Option, die Antenne einfach auf einen sehr hohen Mast zu montieren statt auf den Hochbehälter, schloss er aus. Dann müsste der Betreiber nämlich den Strahl nach unten richten, was dann doch wieder zu Belastung führt. „Gehupft wie gesprungen“ wäre es außerdem, wenn man statt einem großen mehrere kleine Antennen in dem Gebiet zuließe. Bauausschuss entscheidet Die Befürchtung, dass der O2-Mast am Ende deutlich stärker strahlt als angekündigt, teilte der Experte nicht. Eine Leistung von 20 Watt habe der Betreiber beantragt und muss sich laut Standortbescheinigung auch daran halten. Für eine stärkere Leistung müsste er ohnehin technisch aufrüsten. Die Entscheidung über den Standort stand auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung des Bauausschusses, die nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe des KREISBOTE stattfand. Einen ausführlichen Bericht dazu lesen Sie in der nächsten Ausgabe des KREISBOTE.

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