Praktikable Bildung

Ob allein oder in der Gruppe – die „Cabito“-Säule wird jetzt bereits gut genutzt. Hier diskutieren gerade Nicole Rosner und Karl-Heinz Häfele, wie weitere Tasten in Zukunft belegt werden sollen. Foto: moriprint

„Weißt, dass ist ganz einfach. Du drückst mit dem Finger auf das Bild vom Bertl, unserm Sportcoach – und schon siehst Du die Bilder von den Special Olympics.“ Ganz begeistert sitzt Rollstuhlfahrer Horst vor der Monitorsäule, zieht sich den Bildschirm auf seine Augenhöhe und tippt die einzelnen Embleme auf dem Touchscreen an. Steht oder sitzt erst ein „Nutzer“ davor, gesellen sich meist Freunde und Arbeitskollegen hinzu.

Noch ist „Cabito“ in den Allgäuer Werkstätten in der Erprobungsphase, doch soll das Info- und Lernsystem voraussichtlich schon 2012 für alle Einrichtungen in Kempten und Sonthofen angeschafft werden. „Cabito“ wurde vor einiger Zeit in der Schwabmünchener Werkstatt für Menschen mit Behinderung entwickelt. Neben der Standsäule gibt es inzwischen einen entsprechenden PC und auch „Pino“, ein flexibles Gerät für die Arbeitsgruppe. Karl-Heinz Häfele, Werkstattleiter der Allgäuer Werkstätten in der Zeppelinstraße, ist von dem einfachen Belegen der Tasten überzeugt: „Cabito macht Informationen und Bildung für Menschen mit Handicaps praktikabel und einfach zugänglich. Es ist text- und bildgestützt und kann individuell pro Werkstatt ausgerichtet werden.“ Deutliche Erleichterung Gerade die visuellen Möglichkeiten würden den Beschäftigten mit schweren Lese-, Text oder Sprachhandicaps den Zugang erleichtern: „Längst nicht alle Mitarbeiter mit Behinderung sind gut im Lesen“, so Häfele. Das Bild zum Speisenplan des Tages beispielsweise sei da eine erhebliche Erleichterung. Parallel zum Sehen wird das Gericht noch mündlich benannt. Gerade werden sämtliche Menüs fotografisch festgehalten, damit die Bilder dann in das Programm eingespeist werden können. „Wir sind noch in der Erprobungsphase“, berichtet Häfele. Eine entsprechende Arbeitsgruppe, bestehend aus hauptamtlichen Mitarbeitern und zwei Beschäftigten mit Behinderung, überlegt sich gerade die einzelnen Punkte, die via Touchscreen aufgerufen werden können. Nicole Rosner bereitet dazu die Bilder für „Cabito“ vor. „Neue Fotos sind immer der Hingucker.“ Aber auch Tages- und Zeitansage sind wichtige Informationen. „Ich weiß, was heute für ein Datum ist“, erzählt Anja stolz. Bald auch Nachrichten Aktuell finden sich auch die Symbole für die Gebärdensprache in „Cabito“ wieder. Das Zeichen des Tages: „zusammen“. Dazu erscheint ein Bild auf dem Monitor. Es zeigt, was auch ohne Worte verständlich ist – in der linken und rechten Hand ist der Daumen mit den anderen Fingern verbunden. Abgebildet sind auch die Gesten für Apfel, Birne, Banane…., das Alphabet. Im Fasching waren die Zeichen für Clown und Vampir „sehr wichtig“. Weltnachrichten sollen laut Häfele gleichfalls Einzug in „Cabito“ halten, denn natürlich war in jüngster Zeit die Katastrophe in Japan sehr wohl ein Thema für die Menschen mit Behinderung. Wie bei Kindersendungen im Fernsehen sollen solche Nachrichten einfach und verständlich umgesetzt werden. Vorgestellt werden über „Cabito“ in Zukunft auch die Besucher der Werkstatt.

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