Kunstpreis geht an Winfried Becker

Zufall und Ordnung

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Ein OB und drei Preisträger 2013: Winfried Becker (v.l., Kunstpreis der Stadt Kempten) mit einer Fotografie seiner bepreisten Arbeit aus Betonguss „5 Ringe“, Lukas Kindermann (Förderpreis der Rudolf-Zorn-Stiftung), OB und Jurymitglied Dr. Ulrich Netzer und Max Schmelcher (Thomas-Dachser-Gedenkpreis).

Kempten – Drei strahlende Preisträger der 64. Kunstausstellung im Rahmen der Festwoche präsentierte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) am Montag der Presse: Der mit 5000 Euro dotierte Kunstpreis der Stadt Kempten geht wie bereits kurz berichtet heuer an den Kemptener Bildhauer Winfried Becker (47).

Er verkörpert mit dem fünfteiligen, 70 x 70 x 70 Zentimeter großen Betonguss „5 Ringe“ laut Jury, „das Prinzip von Zufall und Ordnung in gelungener Weise“.

Die aus „normalem Baumarktbeton“ gegossenen Ringe, können in individueller Anordnung gelegt oder auch gehängt werden, wie ihr Erschaffer erklärte. Beeindruckt zeigt sich die Jury unter anderem auch von der Wirkung des vom Künstler selbst entwickelten Gussverfahrens, auf dessen Basis „die scheinbar schlichte Plastik als konsequent entwickelte Formgebung von dezenter Materialwirkung und großer Ausdruckskraft“ besteche. 1966 in Erlenbach am Main geboren, arbeitete Becker zunächst als Zahntechniker, bevor er Architektur studierte und autodidaktisch mit Bronzeguss-Arbeiten begann. Seit dem Jahr 1999 ist er freiberuflich als Bildhauer und Architekt in Kempten tätig.

„Moor-Symbol“ hat dagegen der in Scheidegg lebende und seit 1988 als selbständiger Bildhauer arbeitende Max Schmelcher seine beiden Material- bilder aus getrocknetem Moor genannt. Für die von der Jury als „aktuell, experimentell, eigenständig und aufregend“ bezeichneten Werke wird der 57-Jährige mit dem Thomas-Dachser-Gedenkpreis geehrt. Seine Interpretationen im Material Moor „zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit der Natur und eine Fortführung in deren Schöpfungsprozess“, so die Jury weiter. Für den Künstler geht eine wesentliche Faszination davon aus „dass das Material 10 000 Jahre alt ist und noch lebt, wenn man es herausholt“. Wenn es dann einmal getrocknet sei, „ist es tot“. Die von ihm bevorzugt verwendeten tiefer liegenden Moorschichten trocknet er mit Feuer, mit dem Bügeleisen, mit der Sonne – ein „wieder ganz anderer Trocknungsprozess“ – oder „auch mit Forst“. Die Freskomalerei, eines der beiden prämierten Werke, hat er auf frischem Moor gemalt, was „unheimlich starke Kontraste“ ergeben habe.

Die Strukturen auf dem zweiten Bild seien durch auftragen eines Brettes entstanden, erzählte er. Neben seiner Leidenschaft für das Material Moor umfassen seine Arbeitsgebiete auch Stein, Bronze, Metall, Holz, Fotoarbeiten und Kunst am Bau. 

"Das richtige Maß"

Mit dem Förderpreis der Rudolf-Zorn-Stiftung wird in diesem Jahr ein Werk ausgezeichnet, das sicher keinen Betrachter unberührt lassen wird. Mit seiner Filmarbeit „steh sitz platz“ habe der 1984 in Lindenberg geborene Lukas Kindermann – Diplomabschlüsse an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (2010) und an der Kunstakademie München (2013) – nach Einschätzung der Jury „genau das richtige Maß und ein interessantes Thema gefunden“.

Der als Dauerschleife laufende Film, in dem ein Hund in stupiden Wiederholungen die drei Grundbefehle seines Frauchens ausführt, bereite „dem Zuseher ein Lächeln, das rasch gefriert“. Der absolute Gehorsam und die sich stetig wiederholenden Reaktionen des Hundes „wenden sich als Deformation in etwas Erschreckendes“, so das Urteil der Jury, die zudem die spannende Konzeption und gut aufgebaute Dramaturgie lobt. Es sei, so Kindermann, gar nicht so einfach gewesen, einen Hund zu finden, „der die drei Standardbefehle möglichst lange hintereinander ausführt“, da es ein Höchstmaß an Konzentration abverlange. Die bewusst gewählte, triste Wiese als Hintergrund und die Stellung der Kamera, die den Betrachter die Position der Befehle erteilenden Frau einnehmen lässt, geben dem Prozedere eine noch absurdere Note und lassen einige Assoziationen auch bezogen auf menschliches Verhalten zu.

Christine Tröger

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