Premiere mit Reizthema

Franz Schröck (links), 1. Vorsitzender des Kemptener Architekturforums, und Baureferentin Monika Beltinger (2.v.l.) erklärten den Sachstand am Stadtweiherhof. Foto: Tröger

Mit dem ersten „Stadtspaziergang“ startete das Kemptener Architekturforum vergangene Woche eine Reihe mit „Ortsterminen”, wie sie andere Architektengruppierungen in Bayern schon länger veranstalten. „Es ist uns wichtig eine wertfreie Plattform zu bieten“, erklärte Franz Schröck, Vorsitzender des Vereins, dass es vielmehr um Meinungsaustausch gehe, durch den sich jeder vor Ort jeweils eine eigene, fundierte Meinung zum „Brennpunkt“ bilden könne. Trotz klirrender Kälte waren gut 30 Interessierte zum, zumindest medial, inzwischen tatsächlich zum „Brennpunkt” avancierten Stadtweiherhof gekommen.

Kemptens Baureferentin Monika Beltinger lieferte den Anwesenden einen kurzen Überblick zur baurechtlichen Situation und erläuterte den „konkreten Bauantrag“ von Michael von Mayerhofen, der vom Bauausschuss abgelehnt worden war (der KREISBOTE berichtete mehrfach). Die Situation: Nach Abriss des Stadtweiherhofes an der Ecke Isnyer-/Ravensburger Straße sollen auf dem Grundstück Doppelhäuser mit insgesamt zehn Wohneinheiten plus Dachgeschoss mit Kniestock entstehen. Wie berichtet, war unter anderem die geplante Höhe der Gebäude im Bauausschuss auf Widerwillen gestoßen und auch das 300 Jahre alte Gebäude zwar als „nicht denkmalschutzwürdig aber erhaltenswert“ erachtet worden. „Zielsetzung“ sei die Erhaltung seitens der Stadtverwaltung allerdings hier nicht, gab Beltiger an. Von Mayerhofen argumentierte hingegen, dass die Sanierung solch alter Gebäude nicht nur angesichts der Energiesparverordnung (EnEV) mit einem „gigantischen finanziellen Aufwand“ verbunden sei, was für die Anwesenden offensichtlich nachvollziehbar war. Müssten auch noch „wurmstichige Balken“ und ähnliches ersetzt werden, stelle sich zudem die Frage, „was dann noch authentisch ist“, fuhr er fort. Zudem sei die Wiederkehr wegen eines Brandes nur circa 90 Jahre alt. „Der Hof ist zwar stadtbildprägend“, stellte er außer Frage, „aber die Bausubstanz ist schlecht“, weshalb er vermutlich auch nie unter Denkmalschutz gestellt worden sei. Änderung möglich Da es hier „um ein größeres Projekt geht“ und nicht nur um ein Einfamilienhaus, müsse darauf geachtet werden, dass die Bebauung „hier passt“, sprach Beltinger manchem Anwohner aus dem Herzen. Wolfgang Braig, Vorstand des Architekturforums, kritisierte dagegen die Darstellung des Bebauungsplanes seitens von Mayerhofens, die „so eindeutig nicht ist“. Beltinger überlegte zudem möglicherweise eine Änderung des aus den 1970er Jahren stammenden Bebauungsplanes zur Diskussion zu stellen, was von Mayerhofen auch wegen der Ankündigung, das Thema erst im März weiter im Bauausschuss zu behandeln, leicht in Wallung versetzte. Schließlich halte er sich an den Bebauungsplan, habe sogar nur zehn statt der erlaubten 16 Wohneinheiten beantragt und auch „die Tiefgarage ist vom Tisch“. Er betonte dennoch offen zu sein, falls „jemand ein schlüssiges Konzept hat“, das wirtschaftlich tragbar sei. Jörg Heiler vom Architekturforum mahnte an, dass solche Orte wie der 300 Jahre alte Hof „weniger werden“. Er plädierte dafür, „sich deshalb auch Zeit zu nehmen“. Vielleicht hätten spätere Generationen in der Zukunft ja eine gute Verwendung dafür, ohne dabei „so unter wirtschaftlichem Zwang“ zu stehen.

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