"Alkohol & Drogen sind keine Kavaliersdelikte"

Polizeipräsidium Schwaben Süd-West kündigt für 2020 mehr Polizeikontrollen an

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Seit zehn Jahren steigen die Unfallzahlen im Zuständigkeitsbereich des PP Schwaben Süd/West. Stellten die aktuellen Zahlen vor: Leitender Polizeidirektor Michael Keck (v.l.), Polizeivizepräsident Guido Limmer und Polizeikommissar und Pressesprecher Holger Stabik.

Kempten – Das Verkehrsaufkommen im südlichen Schwaben steigt kontinuierlich an, immer mehr zugelassene Fahrzeuge, Touristen und Schwerlastverkehr belasten die Straßen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Diese Entwicklung führte in der Zehn-Jahres-Bilanz zu einem Anstieg der Verkehrsunfälle um 21 Prozent.

Grundsätzlich sind drei Faktoren ausschlaggebend für Vergehen im Straßenverkehr und steigende Unfallzahlen. Das Polizeipräsidium benannte bei seiner Pressekonferenz zur Unfallstatistik 2019 am Montag die Hauptursachen für Verkehrsunfälle, die auch kombiniert auftreten können: Ablenkung, Alkohol und Drogen sowie unangepasste Geschwindigkeit.

Vorgestellt wurden die Zahlen von Polizeivizepräsident Guido Limmer, dem leitenden Polizeidirektor Michael Keck und Polizeikommissar und Pressesprecher Holger Stabik.

Mehr Unfälle, weniger Tote

Erneut verzeichnete das Polizeipräsidium steigende Gesamtunfallzahlen, allerdings ging die Zahl tödlicher Verkehrsunfälle im Vergleich zu 2018 zurück. Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums kam es insgesamt zu 30.345 Verkehrsunfällen und damit zu einem neuen Höchststand innerhalb der letzten zehn Jahre. Durchschnittlich wurden Polizeibeamte zu 83 Unfällen am Tag gerufen. Bei 86 Prozent dieser Unfälle handelte es sich lediglich um Blechschäden, bei 14 Prozent der Verkehrsunfälle wurden Personen verletzt oder sogar getötet.

Allerdings sank die Unfallzahl mit Verletzten in 2019 zum Vorjahr um 7,5 Prozent, die Zahl der Blechschäden stieg um vier Prozent. Erfreulicherweise sank die Zahl der Verkehrstoten nominal um neun, in Prozent um über 20 Prozent. Bei 41 Unfällen starben in 2019 insgesamt 46 Verkehrsteilnehmer (2016: 73 Tote). Limmer freute sich über die rückläufige Zahl der Verkehrsunfälle aufgrund zu hoher Geschwindigkeit. War überhöhtes Tempo in 2018 noch für 650 Unfälle verantwortlich, sank diese Zahl in 2019 auf 519.

Schwerpunkt Alkohol & Drogen

Laut Aussage der Verantwortlichen beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West wird ein Kernpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit für das laufende Jahr 2020 die Verfolgung von Fahrzeugführern unter Alkohol und Drogen sein. Zwar liegen die Hauptunfallursachen 2019 vor allem im falschen Verhalten beim Abbiegen, Wenden, dem Rückwärtsfahren, dem Nichtbeachten der Vorfahrt und der nicht angepassten Geschwindigkeit.

Aber nach Auswertung aller Zahlen von 2019 kommt das Präsidium zur Überzeugung, dass es unverändert einen zu hohen Stand an Verkehrsunfällen gibt, die unter Einfluss von Alkohol, Drogen und Medikamenten stehen (377 Verkehrsunfälle gegenüber 376 aus dem Vorjahr). Was die Beamten aufhorchen lässt, ist die Anzahl der folgenlosen Fahrten unter Alkohol und Drogen. Die blieb wie im Vorjahr mit 1829 Delikten auf hohem Niveau. Signifikant stieg in diesem Zusammenhang die Anzahl der Fahrten unter Einfluss von Betäubungsmitteln. Diese stieg von 1134 in 2018 auf 1382 in 2019, was eine 20-prozentige Steigerung darstellt. Limmer machte deutlich, dass die Polizei zudem von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Der Ausleuchtung dieser Ziffer wolle man sich bei der Verkehrssicherheitsarbeit im laufenden Jahr verstärkt widmen. „Die Teilnahme am Straßenverkehr unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen ist kein Kavaliersdelikt“, so der Vizepolizeipräsident. 

Neben den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen, die nach einem Unfall drohen, kommen zudem noch rechtliche Konsequenzen zum Tragen. Schon ab einem Grenzwert von 0,3 Promille Alkohol oder geringen Mengen von Drogen im Blut (u.a. Cannabis, Kokain, synthetische Drogen) kann ein Strafverfahren eingeleitet werden. Deshalb kündigte Limmer abschließend an, dass es in diesem Bereich im laufenden Jahr zu Verkehrskontrollen kommen wird: „Die Beamtinnen und Beamten werden im Rahmen des täglichen Dienstes bei Routinekontrollen, aber auch bei Schwerpunktaktionen verstärkt ein Auge auf Alkohol und Drogen im Straßenverkehr werfen.“

In einer anschließenden Fragerunde sprachen sich die Vertreter der Polizei unter anderem dafür aus, ältere Verkehrsteilnehmer, die mit dem Pedelec unterwegs sind, grundsätzlich besser zu schulen. Für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen wollte sich niemand der Anwesenden aussprechen (Anteil der Autobahnunfälle an Verkehrsunfällen gesamt sieben Prozent) und auch einer generellen Nachschulung oder gar einer zweiten Führerscheinprüfung für ältere Verkehrsteilnehmer wurde nicht das Wort geredet. 

Jörg Spielberg

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