OB stellt Priorisierungen bei der Museumsentwicklung zur Diskussion in den Fraktionen

Kulturamtsleiter zufrieden mit "Vorstoß"

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Sieht die Museumsentwicklung auf einem guten Weg: Kulturamtsleiter Martin Fink.

Kempten – So klare Aussagen, wie die von OB Thomas Kiechle im letzten Kulturausschuss hat es beim Dauerthema Museumsentwicklung bislang noch nicht gegeben. Weder von Kiechle selbst, noch von seinem Vorgänger Dr. Ulrich Netzer.

Umso mehr begrüßt Kulturamtsleiter Martin Fink „den Vorstoß des Oberbürgermeisters, klare Priorisierungen und Verortungen zu nennen“. Wie bekannt, laufen die Planungen für das Zumsteinhaus bereits (der Kreisbote berichtete mehrfach) und es soll nach Wunsch des Stadtoberhaupts 2018 eröffnen; ferner soll in den Fraktionen diskutiert werden, das Allgäu-Museum künftig im Marstall zu beheimaten und das Kornhaus nur noch für Veranstaltungen zu nutzen; die drängende Depotfrage soll durch einen Neubau gelöst werden und Beginenhaus und Stadtbibliothek wegen fehlender Mittel und Kapazitäten vorerst noch etwas warten.

Wie Fink im Gespräch mit dem Kreisboten betonte, sei eine Priorisierung zum jetzigen Zeitpunkt „sehr wichtig“, nachdem mehrere Großprojekte geprüft worden seien und „wir zunehmend Kostenklarheit haben“. Zum Beispiel sei es auch erst mit der Priorisierung sinnvoll, „über ein Provisorium für die Stadtbibliothek für die nächsten Jahre nachzudenken“, das den Platzmangel und die mangelnde Barrierefreiheit bis zu einer endgültigen Lösung des Problems überbrücken helfe. Eine dauerhafte Lösung müsse natürlich irgendwann kommen, aber jetzt sei es eben möglich, „die Dinge nach und nach abzuarbeiten“. Auch mache es „aus museumsfachlicher Sicht“ Sinn, das Allgäu-Museum im Marstall zu verorten, da alle bisherigen Untersuchungen und Gutachten gezeigt hätten, „dass der Marstall eigentlich der einzige wirkliche Museumsbau in Kempten ist“. Anders als das Zumsteinhaus, das zwar für die Präsentation bestimmter Themen sehr gut geeignet sei, aufgrund der kleinteiligen Raumstruktur – wie auch das Kornhaus – aber nicht für großflächige Ausstellungen, „hat der Marstall alles“, inklusive Aufzug und Parkplätze. Veränderungen wird es hier bekanntlich zeitnah schon allein deshalb geben, weil ein großer Teil der Exponate aus der Alpenländischen Galerie an das Bayerische Nationalmuseum zurückgegeben wird. So soll bereits im kommenden Jahr die dann abgespeckte, „Kleine Alpenländische Galerie“ einen stärker kulturhistorischen Bezug zum mittelalterlichen Kempten bekommen und in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Antikensammlung in München ist eine Ausstellung mit dem Titel „Beim Zeus!“ über antike Götter in Planung.

Willkommene Depot-Lösung 

Darüber, dass sich für die Depotfrage eine unerwartete Lösung abzeichnet, zeigt sich Fink erleichtert. „Wir stehen gerade mit dem Rücken zur Wand“, benennt er die Situation klar. Wie Stadtrat Andreas Kibler vorgeschlagen hatte, soll nun ein Teil des Depotbestandes zunächst auf dem Saurer Allma Gelände gelagert werden – allein schon wegen der klimatischen Bedingungen, allerdings nur als „Übergangslösung für die unempfindlichen Exponate“, wie Fink betont. Nachdem sich der Kulturausschuss klar gegen die weitere Anmietung von Depoträumen ausgesprochen habe, müsse nun geprüft werden, ob eine städtische Tochter den Neubau realisieren könne. Das Hauptaugenmerk dafür richte sich derzeit auf eine Fläche in Ursulasried. „Unsere Aufgabe ist es, ein konkretes Mengengerüst aufzustellen“, also wie viel Platz tatsächlich für welche Art von Exponaten benötigt werde. Fink schwebt dabei ein „Moduldepot“ vor, wie es von einer gleichnamigen Firma angeboten wird und das auch später noch „nach Bedarf aufgerüstet werden kann“.

Dass die Planung zur baulichen Sanierung des Beginenhauses vorerst zurückgestellt werden soll, findet Fink notwendig, weil „wir noch zu wenig über den historischen Bücherbestand und das Betreiberkonzept wissen“. Es sei nun Zeit gewonnen, um besser einzuschätzen, wie das Projekt in der Museums- und Bibliothekenlandschaft der Stadt verortet wird und welche finanziellen und personellen Anforderungen der Betrieb mit sich bringt. Laut dem für Fördergelder Zuständigen würden sich dadurch auch keine finanziellen Nachteile ergeben. Der Beginenhausverein hat bereits eine Konzeptskizze mit drei Bereichen vorgelegt: einmal der museale Bereich mit den Themen Wohnkultur, Renaissance und Mittelalter, der vom Beginenhausverein betrieben werden soll; dann ein Veranstaltungsbereich mit Saal, Café und Antiquariat, wobei noch nicht geklärt sei, wer diesen Teil betreiben soll oder wie er überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann; und schließlich das Zentrum für Buchkultur mit dem historischen Buchbestand der Stadt, mit Zuständigkeit des Kulturamtes. Da „gibt es Hinweise, dass tolle Exponate dabei sind“, allerdings „wissen wir nur wenig“ über den Umfang der Sammlung, deren Qualität, Inhalte oder Formate. Deshalb sei es aus Museumssicht sinnvoll, erstmal zu schauen „was da ist, eine vernünftige Unterbringung und Bearbeitung zu sichern und sich zu überlegen, wie die Objekte gezielt der Öffentlichkeit präsentiert werden können“. Dennoch sei es gut gewesen, „dass wir viele Großprojekte angeplant haben“, um die notwendigen Prioritäten setzen zu können. Denn „die Stadt kann nicht alles leisten, das Kulturamt kann nicht alles leisten. Finanzielle und personelle Ressourcen bilden immer den Rahmen“. Das Ensemble Beginenhaus mit Nonnenturm sei „von unschätzbarem Wert für die Stadt“ und verdiene eine nachhaltige Planung. Eine große Stärke des Hauses sei der Verein, „der bereits in der Vergangenheit Zeit, Enthusiasmus und Fachkompetenz hineingesteckt hat und gerade in den vergangenen Monaten der Kostenschätzung noch einmal in langen Sitzungen am Nutzungskonzept gefeilt hat“. Am Ende der Reise sieht Fink ein historisches Ensemble, das sich als authentischer Ort in die Museums- und Bibliothekslandschaft der Stadt einfüge, „für die in den kommenden Jahren große Veränderungen anstehen“.

Christine Tröger

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