Privat oder gewerblich?

Nur in den dunkel schraffierten und nummerierten Bereichen ist in Kempten seit 1985 Prostitution erlaubt. Grafik: Kempten

Das älteste Gewerbe der Welt ist relativ krisenresistent und daher immer eine Investition wert. Das denkt man sich offensichtlich auch bei der IPS Grundbesitz GmbH in Gersthofen bei Augsburg, die in der Hirnbeinstraße 14 ein Bordell einrichten will. Am gestrigen Dienstagabend nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe sollte der Bauausschuss über die Voranfrage entscheiden. Allerdings stellt sich das ganze Thema bereits im Vorfeld als etwas verzwickte Angelegenheit dar: Denn offenbar sind einige Bumslokale in Kempten baurechtlich genehmigt, andere wiederum nicht.

Geht es nach dem Wunsch der Verantwortlichen bei der Gersthofener IPS, werden in dem alten Haus in der Hirnbeinstraße 14 demnächst mindestens zehn Prostituierte in Termin-Appartements ihre Dienste anbieten. Eine entsprechende Voranfrage hatte der Kemptener Bauausschuss am gestrigen Dienstagabend zu diskutieren. Sollte das Gremium die Anfrage allerdings abweisen, droht Ungemach. „Dann werden wir klagen“, betonte vergangenen Freitag ein Sprecher der IPS gegenüber dem KREISBOTEN. Bei der Grundbesitz GmbH ist man derzeit leicht verschnupft wegen der Kemptener Bauverwaltung. Dem Unternehmen sei bereits signalisiert worden, so der Sprecher, dass man der Anfrage eher ablehnend gegenüber stehe. „Wir sehen das Vorhaben kritisch“, bestätigten Baureferentin Monika Beltinger und Dr. Franziska Renner, Leiterin des Bauordnungsamtes, auf Anfrage. Die Hirnbeinstraße liege nach ihrer Einschätzung in einem Mischgebiet. „In Mischgebieten ist Gewerbe nur zulässig, wenn es das Wohnen nicht beeinträchtigt“, erläuterte Renner. Bei der vorliegenden Anfrage handle es sich allerdings kaum um „Wohnungsprostitution“, die quasi Privatsache sei, sondern ein klassischer Bordellbetrieb, also ein Gewerbe. Die endgültige Entscheidung liege allerdings beim Bauausschuss, und der wolle man nicht vorausgreifen. Bei der IPS kann man diese Beurteilung nicht nachvollziehen. Zumal direkt gegenüber in der Hirnbeinstraße 13 – in Szenekreisen besser bekannt als Haus 13 – die Damen ebenfalls ihre Körper gegen Geld zur Verfügung stellen. „Es ist offenbar das gängige Vorgehen der Stadt Kempten, durch Baurecht etwas zu verbieten“, heißt es dazu bei der IPS. Darüber hinaus erhebt das Unternehmen weitere Vorwürfe. IPS zufolge soll kein Bordell in Kempten überhaupt jemals genehmigt worden sein. „Die werden alle bloß stillschweigend geduldet“, betonte der IPS-Sprecher. Keine Genehmigung Tatsächlich sind neben dem Haus 13 mindestens zwei weitere Kemptener Puffs baurechtlich nicht abgesegnet, wie Baureferentin Beltinger am Montagabend einräumte. „Es gibt tatsächlich Nutzungen, die baurechtlich nicht genehmigt sind“, sagte sie. Eingeschritten werde dann erst, wenn es zu echten Konflikten mit der Wohnnutzung komme. „Erst bei konkreten Beschwerden werden wir tätig“, so Beltinger. Grundsätzlich müssen Bordellbetriebe seit der neuen Sperrgebietssatzung von 1985 nur noch baurechtlich genehmigt werden. Ordnungsrechtlich ist hingegen in den für Prostitution freigegebenen Arealen keine Genehmigung mehr erforderlich. Die IPS wiederum betonte, dass es zu keinen Konflikten mit Anwohnern oder ähnliches kommen werde. „Nach außen hin wird das Gebäude nicht als Bordell zu erkennen sein“, hieß es am Freitag aus Gersthofen. „Das Bild der Hirnbeinstraße wird nicht verändert“, betonte ein Unternehmensssprecher weiterhin.

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu

Kommentare