Probleme über Probleme

Vielen der rund 120 Zuhörer war der Vortrag des ehemaligen Militärattachés in Westafrika, Oberst a.D. Thomas Klein, zwar ein wenig zu militärisch. Dennoch gab es auch für Nicht-Militaristen einige interessante Ausführungen zum Thema „Westafrika – Sicherheitspolitische Perspektiven aus der Sicht eines Militärattachés“.

Das Thema habe ihn auch nach den dreieinhalb Jahren, in denen er sieben westafrikanische Länder betreut habe, „nie losgelassen“, meinte Klein. Ganz im Einklang mit seinen eigenen Erfahrungen schloss er sich einem Zitat des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt an, der die „Mehrzahl der Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika einstweilen nur autoritär regierbar“ sah. Die Herausforderungen des Kontinents seien „immens“, führte Klein unter anderem bekannte Problemfelder wie den Mangel an Infrastruktur, Korruption, Krankheiten, Armut, fehlendes Bildungswesen oder Hunger auf. Bürgerkriege und der Kampf um Ressourcen förderten zudem Flucht, Migration, zu starker Urbanisierung führende Binnenwanderungen, sowie „Arbeitsmigration“ in benachbarte Länder oder in die ehemaligen Kolonialmächte. „Westliche Strukturen dort zu schaffen, ist nicht geglückt“, räumte er ein, dass „Afrika afrikanische Strukturen braucht“. Zum Beispiel durch Entwicklungsprogramme wie das in Nigeria gestartete NEPAD, seit 2002 auch im Programm der African Union (AU). Kernstück sei ein freiwilliger Überprüfungsmechanismus (APRM) für die politische und wirtschaftliche Entwicklung in den 30 (von insgesamt 51) Ländern, die unterzeichnet hätten. Allerdings „haben nur wenige die Prüfung bislang durchlaufen“, gestand er. Ein großes Problem seien die vielen inneren und äußeren Gewaltkonflikten, die meist „nicht in ein normales Schema passen“. Zunehmend spielten in den Auseinandersetzungen Warlords oder Drogenbosse eine Rolle, die ethnische Gruppen oder Kindersoldaten missbrauchten. „Große Erfolge der nationalen Streitkräfte sind meist ausgeblieben“, so Klein, der die wegen Putschgefahr schlecht ausgebildeten einheimischen Soldaten als Grund anführte. Dass sich Deutschland künftig der Verantwortung nicht entziehen könne, „sich militärisch stärker zu engagieren“, stand für ihn außer Frage. Ziel der Einsätze sei, dort unter anderem durch Militärberatung, Ausbildungs- und Ausstattungshilfe oder auch praktischen Aktionen wie Brunnenbohrungen „Eingreifkräfte zu schaffen, die innere Konflikte eigenständig befrieden“. Eher auf Skepsis stieß seine Versicherung, Deutschland habe zwar „Flugzeuge und Bauteile nach Afrika geliefert“, aber niemals Kleinwaffen. Manch Afrika erfahrene Zuhörer wollte auch den Eindruck beseitigen, alle westafrikanischen Länder hätten die gleichen Probleme mit Kriminalität oder christlich-muslimischen Konflikten wie das dafür bekannte Nigeria. Und selbst dieses Land, so ein Zuhörer, der lange Zeit in Westafrika gelebt und gearbeitet hatte, sei früher friedlich gewesen. „Das Drama hat erst mit dem Militär angefangen“, widersprach er der Auffassung Kleins.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren

Kommentare