Ein Mann von Welt

Prof. Dr. med László Füzesi auf dem bunten Sofa

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Prof. Dr. med. László Füzesi ist ein Weltbürger par excellence. Sein beruflicher Werdegang zum Professor der Pathologie führte ihn von seiner Geburtsstadt Moskau über Budapest, Frankfurt, Göttingen schließlich in die Allgäumetropole.

Kempten – Schon einige Zeitgenossen haben auf dem Bunten Sofa im Haus International Platz genommen, um sich vom „Hausherrn“ Lajos Fischer und dem Publikum zu ihrem Leben befragen zu lassen.

Nach u.a. Altoberbürgermeister Josef Höß, dem „Classix“-Festivalinitiator Franz Tröger und dem Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller richteten sich am vergangenen Dienstag Abend die Scheinwerfer auf Prof. Dr. László Füzesi.

Obwohl er erst seit 2010 in Kempten lebt und im Zentrum für Pathologie am Klinikum Kempten arbeitet, ist Prof. Dr. László Füzesi bereits zu einer bekannten Persönlichkeit Kemptens geworden, nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Präsident des hiesigen Lions Club Kempten und der Organisation von Veranstaltungen und Wohltätigkeitsaktionen. 

Jugend in Ungarn
Füzesi präsentierte sein Leben in vier Abschnitten: Kindheit, Gymnasium, Studium und Lehre. Dass er seinen Vortrag unter Begriffe stellte, die für das eigene, lebenslange Lernen stehen, ist typisch für den Mann, der in kleinen Verhältnissen in Ungarn groß wurde. Die Mutter verdiente als Schneiderin in Budapest den Unterhalt für ihre drei Söhne, von denen Füzesi der jüngste war. Da neben der Arbeit nur wenig Zeit für die Erziehung blieb, entschloss sich die Mutter, László und seinen zwei Jahre älteren Bruder auf ein Internat zu schicken. Das war zu dieser Zeit durchaus normal – während der Woche lernten und schliefen die Brüder im Internat, am Wochenende kam man zur Mutter nach Hause. Füzesi berichtete darüber, dass es in Ungarn jener Zeit üblich war, dass die Schüler bis zur 8. Klasse im selben Klassenverbund blieben und sich erst danach die weiteren schulischen Wege trennten. „Im direkten Vergleich finde ich es zu früh, wenn Kinder, wie in Deutschland, bereits nach der vierten Klasse leistungsbezogen getrennt werden“, kommentiert Füzesi. 

Lernen und Lehren
Im Anschluss besuchte der heutige Pathologe ein Gymnasium am Plattensee, das, wie er es betonte, hohe Erwartungen an die Schüler stellte. Der Pennäler entdeckte in dieser Zeit sein Interesse für die Mathematik, die er nicht nur in der Schule erlernte, sondern mit der er sich auch in seiner Freizeit beschäftigte, erzählte der Professor und suchte immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum. So stellte Füzesi die Frage in den Raum, was den Wert einer guten Ausbildungsstätte ausmachte und beantwortet sich und den Anwesenden mit der Feststellung: „Am wesentlichsten scheint mir, neben der Ausstattung und den Lehrplänen, die Persönlichkeit des Lehrers zu sein.“ An vielen Stellen seines Vortrags wird deutlich, dass Füzesi Zeit seines Lebens ein Lernender gewesen ist, zugleich aber das erworbene Wissen, wie beispielhaft zum Zwecke der Forschung, mit anderen zu teilen gedachte. „Neben der Persönlichkeit des Lehrers sind es die Lernenden selbst, die gemeinsam mit diesem ein gutes Team bilden“, sagte der Arzt. 

Berufliche Erfüllung
„Ich war begeistert von der Mathematik, aber ich wusste, dass meine Fähigkeiten auf diesem Gebiet nicht so ausgeprägt waren, als dass ich das hätte erreichen können, was ich mir vorgestellt hatte“, gesteht Füzesi sich und den Zuhörern ein. „So beschloss ich, Medizin zu studieren.“ Von 1972 bis 1978 besuchte er die Universität von Budapest. Am Ende seines Studiums zeichnete sich für ihn ab, als Facharzt in der Pathologie wirken zu wollen. Auf die Frage, warum es am Ende die Pathologie wurde, antwortete Füzesi, dass er in der Pathologie eine Verbindung zur Mathematik erkennen konnte, einer Arbeitsweise, die seiner Affinität zur Logik und Stochastik entsprach. 

„Wenn es zum damaligen Zeitpunkt möglich gewesen wäre, hätte ich am liebsten Informatik studiert“, verrät der Professor. Aber auch privat änderte sich zum Ende seines Studiums in Jahr 1981 Wesentliches. Die Familie erhielt die Chance, Ungarn zu verlassen und nach Frankfurt zu ziehen. „Ich wollte in Freiheit leben und der Enge und dem Mangel an beruflichen Optionen im Ostblock entkommen“, sagte Füzesi. Im Westen ging die Karriere des Mediziners schnell weiter. Die Universitätskliniken Mainz und Aachen wurden die nächsten Stationen auf der Karrierleiter des ehrgeizigen Ungarn, der sich in Deutschland angekommen, immer mehr zu einem Weltbürger entwickelte. 

Seine beiden Söhne schickte er mit der Mutter für zwei Jahre nach England, weil er es für deren weiteren Lebenslauf als unerlässlich ansah, die englischen Sprache zu erlernen. 1995 habilitierte Füzesi in Aachen. Danach verschlug es den Mediziner an die Universität Göttingen, wo er Lehrbeauftragter für Pathologie wurde. Für Füzesi ist diese Tätigkeit der Höhepunkt seiner beruflichen Karriere gewesen. Im Lehren und Forschen mit jungen Studenten scheint er schlussendlich seine berufliche Erfüllung gefunden zu haben.

 Strahlende Gesichter auf Fotos seiner Studenten belegen, wie beliebt Füzesi bei seiner Lehrtätigkeit an der Universität Göttingen gewesen ist. Nicht umsonst haben ihn seine Studenten bereits kurz nach Aufnahme seiner Lehrtätigkeit offiziell zu ihrem „Lieblingsprof“ gewählt. Im Jahre 2010 endet aufgrund von Mittelkürzungen die Festanstellung von Füzesi an der Uni Göttingen. Durch eine ihm bekannte Ärztin aus früheren Zeiten findet der Professor der Pathologie schließlich den Weg an das Klinikum Kempten. 

Weltbürger
Im Haus International zeichnet sich ein Bild des Professors und Lehrbeauftragten, das über das rein Fachliche hinausgeht. Durch seinen beruflichen Werdegang verschlug es Füzesi an immer neue Plätze und Länder, so dass sich in ihm, nach eigenem Bekunden, ein weltbürgerisches Denken ausgeprägt hat. Obwohl er sich sehr dankbar zeigte, wie ihn Deutschland einst aufgenommen hat und welche Chancen ihm von Anbeginn eingeräumt wurden, so mag er noch heute nicht die Frage beantworten, was seine wahre Heimat ist. 

Seine beiden Söhne leben heute in Großbritannien und Füzesi berichtet, dass sie dort nicht nach ihrer Heimat befragt würden. „Das Englische ist meinen beiden Söhnen zur Muttersprache geworden.“ Dabei richtet sich der Blick des Pathologen nicht nur in Länder des Westens, sondern auch nach Afrika. Im kommenden Jahr organsiert László Füzesi gemeinsam mit anderen den „Lauf der guten Hoffnung“, an dem sich Schulen aus Kempten und Sonthofen beteiligen. Ziel der wohltätigen Veranstaltung wird es sein, Spendengelder für den Bau einer großen Schulkantine in Westafrika zu generieren.

Jörg Spielberg

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