Prof. Dr. Ulrich Bauer referiert über Arbeitsimmigration

Immigration: "Deutschland ist nicht attraktiv"

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Professor Dr. Ulrich Bauer referierte über die aus seiner Sicht notwendigen Bedingungen, die zu einer dauerhaften erfolgreichen Integration ausländischer Arbeitskräfte in Deutschland nötig sind. Sein Fazit fällt ist ernüchternd – Bauer hält Deutschland für wenig attraktiv für Arbeitsimmigranten auch bei guter Qualifikation.

Kempten – Die Johannesgemeinde aus dem Kemptener Westen hatte vergangene Woche zur Veranstaltung „Bedingungen für eine erfolgreiche Migration nach Deutschland“ eingeladen. Referent des Abends war Prof. Dr. phil. Ulrich Bauer, Studiendekan und Professor an der Fakultät Tourismus der Hochschule Kempten.

Prof. Bauer liest und unterrichtet in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Unternehmensethik. Der Tourismusexperte begann impulsiv und erklärte, dass manche seiner Zuhörer seine Ansichten nicht teilen werden und dass er kein großer Anhänger der „Politischen Korrektheit“ sei. „Deutschland ist unattraktiv für Migration“, so die These, die Bauer seinen Ausführungen voranstellte. Anschaulich erklärte er an einem projizierten Balkendiagramm die drei Segmente, aus denen sich die Migration nach Deutschland zusammensetzt. In der Armuts- und Notimmigration wandern zumeist ärmere Menschen in Deutschland ein, die über wenig berufliche Qualifikation und Vorbildung verfügen, sich aber durch die Migration eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebenssituation erhoffen.

Im Bereich der „Stillen Migration“ machen sich Menschen auf den Weg nach Deutschland, die über die notwendigen Qualifikationen zur Integration in den Arbeitsmarkt verfügen. Oftmals kommen diese dann nach Deutschland wenn aktuell bestimmte Berufsfelder Bedarf an Arbeitskräften anmelden, wie zum Beispiel in den Heil- und Pflegeberufen. Das dritte Segment umfasst Menschen fremder Provenienz, die über höchste berufliche Qualifikation verfügen, allerdings Deutschland nur solange aufsuchen, solange sie hier beruflich oder geschäftlich unterwegs sind. Gerade die Aufnahme von Einwanderern im Bereich der „Stillen Migration“ wird laut Professor Dr. Bauer durch überbordene Bürokratie erschwert. Dies geschieht zum einen durch den Gesetzgeber, im weiteren durch Behörden, wie die Arbeitsagenturen, sowie durch Kammern, wie der IHK oder HWK. So berichtet Professor Bauer von Fällen, in denen EU-Ausländer bewusst in Bereichen Beschäftigung fanden, für die sie im Grunde überqualifiziert waren, und früher oder später frustriert Deutschland in Richtung anderer Länder verließen.

Migration häufig nicht gewollt

Bauer versucht zu erläutern, dass oftmals nicht der Wunsch des deutschen Staates bestehe, dauerhaft Migranten von inner- und außerhalb der EU in langfristige Beschäftigung in Deutschland zu bringen. Vielmehr verdienen sich Personalagenturen durch einen stetigen Umschlag an Bewerbern und Arbeitskräften eine „goldene Nase“. So kritisiert er auch die „Blue Card“, eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für hoch qualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Diese ist aus seiner Sicht nicht effizient und führt oftmals eher zur Versperrung des Zugangs zum Arbeitsmarkt als zur dauerhaften Integration von Fachkräften aus dem Ausland. So wandern zwar viele ungelernte, unqualifizierte Menschen nach Deutschland ein, die oftmals hernach alimentiert werden müssten, nicht aber die, die Deutschland in seiner Wirtschaftsleistung voran bringen. Zudem seien die Verdienstmöglichkeiten in Ländern wie den USA oder der Schweiz attraktiver und ein späterer Familiennachzug für die Betroffenenen weniger kompliziert.

Desinteresse an Migration

„Deutschland ist für ausländische Fachkräfte unattraktiv“, so stellt es der Professor von der Hochschule Kempten fest und sieht einen der wesentlichen Gründe hierfür in der unzureichenden Selbstdarstellung Deutschlands. Die Zuschüsse für den Erhalt der Goethe-Institute zum Beispiel werden gekürzt und deren Mitarbeiter arbeiteten häufig auf ehrenamtlicher Basis. Zudem würde in einer quasi vorauseilenden Unterwürfigkeit die eigenen nationalen Errungenschaften unter den Scheffel gestellt und die Muttersprache Deutsch als für Migranten nicht erlernbar hingestellt. Dabei dürfe sich Deutschland ob seiner Erfolge und seines funktionierenden Rechtsstaates rühmen. Bauer spricht sich für die Schaffung eines neuen Einwanderungsgesetzes aus, sieht hierfür aber viele Hürden. „Das australische Modell ist in Deutschland nicht durchsetzbar“, so Bauer und fügt hinzu: „Das gegenwärtige Asylrecht werden wir zukünftig nicht mehr lange einsetzen können. Die gegenwärtige Fluchtbewegung von Millionen Menschen nach Europa wird sich durch den Klimawandel und hohe Geburtenraten in den ärmeren Ländern der Welt noch massiv verstärken.“ 

Jörg Spielberg

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