Ein Mix, der ankommt

Professor Bauer von der Fachhochschule stellt Ergebnis der Festwochenbefragung vor

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Vor allem für die Abendbesucher ging es dieses Jahr auf dem Festwochengelände etwas enger zu. Dreimal wurde der Einlass vorzeitig beendet, weil weniger Rettungswege zur Verfügung standen – zum Unmut einiger Partygäste.

Kempten – Ein gutes Zeugnis stellt Dr. Alfred Bauer der Allgäuer Festwoche aus. Der Professor für Tourismus-Management an der Kemptener Hochschule hatte mit seinen Studierenden 1022 Festwochen-Tagesbesucher und 312 Aussteller interviewt.

Sowohl Besuchern (76 Prozent) als auch Ausstellern gefällt besonders „die bunte Mischung aus allem“. Die Händler erwähnten positiv die Lage im Stadtpark und den Mix aus Volksfest, Kultur und Messe. Im vergangenen Werkausschuss ermutigte Bauer die Festwochenleitung daher, diese Mischung beizubehalten. Mit rund 111.200 Gästen schlenderten im Jubiläumsjahr über 9000 Tagesbesucher mehr über das Messegelände als im Jahr zuvor. 

Und der Erfolg zeigt sich auch an der Anzahl der „Wiedergänger“: Die meisten Festwochenbesucher sind Stammgäste, 50 bis 60 Prozent waren schon in den vergangenen Jahren da. Und die Zufriedenheitsskala macht sichtbar: Sie werden auch im nächsten Jahr kommen. Für zwei Drittel der Besucher hat sich der Besuch gelohnt, für ein Drittel sogar „sehr“. Nur vier Prozent waren mit ihrem Besuch nicht zufrieden. 

Die meisten Besucher kommen aus der Region 

„Sollen wir die Festwoche in einem größeren Radius bewerben?“, wollte der Tourismusbeauftragte des Stadtrats, Helmut Berchtold (CSU), wissen. Er hatte eine andere Herkunftsstruktur der Besucher erkannt. Die diesjährigen Festwochen-Gänger stammten zum Großteil aus einem Umkreis von maximal 50 Kilometern (aus Kempten 21 Prozent, 30 Prozent aus einem Umkreis von 25 Kilometern und 30 Prozent aus bis zu 50 Kilometern Entfernung). „Urlauber besuchen die Festwoche eher selten“, sagte Bauer, „sie kommen eher wegen der Natur und der Landschaft ins Allgäu.“ Wenn sie kommen, zählen sie eher zu den Abendgästen. Bauer mahnte, gut abzuwägen, ob man ein Mehr an Tagesgästen wirklich wolle. 

„Wo ist der Peak erreicht, dass es nicht zu viele sind?“, fragte er. Interessant finden die Festwochenbesucher (Mehrfachnennungen möglich) die Wirtschaftsausstellung (80 Prozent), die Gastro-Zelte (rund 60 Prozent), Nahrungs- und Genussmittel (rund 50 Prozent), das Programm auf der Stadtparkbühne (30 Prozent). Und 35 Prozent ließen sich überraschen und über das Gelände treiben. „Die Leute kommen nicht wegen der Gastronomie“, resümierte Bauer, „aber sie ist ein sehr wichtiges Element“, ohne die es nicht ginge. 

Mehr als die Hälfte der Besucher haben weniger als 50 Euro für ihre Einkäufe auf der Festwoche gelassen, knapp ein Fünftel füllten ihre Einkaufstaschen für 50 bis 100 Euro und knappe sechs Prozent machten Großanschaffungen für über 500 Euro auf der Messe. Nur rund 14 Prozent aller Tagesbesucher gehen anschließend in die Stadt zum Einkaufen. Kritik kam von den Befragten zu den Themen Parkplätze, Beschilderung, Aussteller und Organisation. Auch die diesjährigen Baustellen kamen nicht gut an. Ansätze für Verbesserung sahen sechs der befragten Aussteller bei der Abfallentsorgung, der Sauberkeit und den Toiletten. Über den Umsatz beklagten sich allerdings die wenigsten (rund zehn Prozent). Rund die Hälfte der Aussteller sprachen von guten Geschäftszahlen. Für 15 Prozent liefen die Geschäfte sogar sehr gut. 

Weniger Abendbesucher
Ein deutliches Minus im Vergleich zum Vorjahr gab es heuer bei den Abendbesuchern. Hier kamen mit knapp 70.000 Feiernden gut 13.000 weniger als 2018. Festwochenleiterin Martina Dufner-Wucher führte das darauf zurück, dass das Gelände an drei Abenden schon vorzeitig geschlossen werden musste. Mit der laufenden Stadtparkumgestaltung standen weniger Flucht- und Rettungswege zur Verfügung und somit auch weniger Platz für die Partygäste. Das bemängelte auch Ullrich Kremser (FDP). 

„Wir werden definitiv umplanen müssen“, pflichtete ihm Dufner-Wucher bei, die von unschönen Begleiterscheinungen wie Zaunkletterern und Mehrarbeit für Sicherheitskräfte und Polizei berichtete. Positiv überrascht zeigte sie sich vom Erfolg der Bio-Halle, die zum ersten Mal auf dem Gelände stand. „Manchmal war dort fast kein Durchkommen mehr“, sagte sie. In der Hochschul-Untersuchung gaben 24 Prozent der Befragten an, sich dafür zu interessieren. Aber auch die anderen Sonderschauen und die Kinder-Kreativ-Werkstatt sowie der Festwochenkindergarten seien Magnete gewesen. 

Einer von Kremser gestellten Anfrage, den Ticket-Verkauf über Handy abzuwickeln, erteilte die Festwochenleiterin eine Absage, im Außengelände fehle einfach die Infrastruktur für die Lesegeräte. Oberbürgermeister Thomas Kiechle stellte aber in Aussicht, den Ticket-Verkauf an Schwaben-Bund-Services anzubinden. Die Plattform bietet Handy-Tickets für den Öffentlichen Nahverkehr an. Geplant ist auch, Tickets für touristische Ziele mit den ÖPNV-Tickets zu kombinieren. Thema waren auch wieder die leidigen Taschenkontrollen. Regina Liebhaber bemängelte das „Riesentrara“ und dass manche dann ihre ganzen Sachen in den Händen übers Gelände tragen mussten. Festwochenbeauftragter Hans-Peter Hartmann (FW) sah darin „gar kein Problem“ mehr, weil die Kontrollen auf dem Oktoberfest auch kein Thema seien. 


Susanne Lüderitz

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