Schule ohne Rassismus

Projekttag an der Dietmannsrieder Grund- und Mittelschule

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Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klassen beschäftigten sich unter Leitung von Fachlehrerin Anna-Maria Senß mit dem Grundgesetz. In Zweiergruppen zogen sie diejenigen Schlagworte heraus, die ihnen besonders wichtig waren und verewigten diese auf den eigens für diesen Zweck weiß gestrichenen Säulen der Aula. Nun sind alle Schüler täglich von Begriffen wie „Würde“, „Meinungsäußerung“, „Hilfe“, „Gleichberechtigung“ u.v.m. umgeben.

Dietmannsried – An der Grund- und Mittelschule Dietmannsried fand in der vergangenen Woche ein Projekttag mit dem Motto „Gegen Rassismus und für Toleranz“ statt. Die Kinder und Jugendlichen näherten sich den Themen gemeinsam mit ihren Lehrkräften altersgerecht und auf ganz unterschiedlichen Wegen an. Schulleiter Martin Mederer erläutert: „Unsere gesamte Schule möchte sich auf den Weg machen, ein besonders respektvolles und friedliches Klima ohne Ausgrenzung und Diskriminierung in jeglicher Form voranzutreiben.“ Er erklärt, warum er und das Lehrerkollegium Handlungsbedarf sahen und wohin der eingeschlagene Weg führen könnte.

„Die Dietmannsrieder Schule ist alles andere als eine Brennpunktschule“, stellt Martin Mederer klar. 480 Schülerinnen und Schüler besuchen die Einrichtung. Der überwiegende Großteil von ihnen stammt aus Deutschland, einige wenige aus Ländern wie Italien, Bosnien, Kroatien, Belgien, Österreich, Polen, Ungarn, Rumänien, Türkei, Afghanistan, Syrien, Pakistan, Nepal, Thailand, Sierra Leone, Kongo und Kuba. 

„Wir sind eher eine große Dorfschule, bei uns ist die Welt noch weitgehend in Ordnung“, sagt Mederer. Dennoch, so räumt er ein, gebe es auch hier vereinzelt rassistische Tendenzen, die mitunter sogar von den jeweiligen Elternhäusern gefördert würden. „Die Initialzündung zu dem Projekttag kam von einem unserer Fachlehrer. Er wies im Kollegenkreis darauf hin, dass einige Schüler der höheren Klassen immer wieder aggressives Verhalten an den Tag legen und leichtfertig mit rassistischen Ausdrücken wie `Du Jude!´ um sich werfen.“ 

Die Reaktion der Lehrerschaft sei einhellig gewesen. „Derartigen Auswüchsen wollen wir sofort gegensteuern und ganz klar Haltung zeigen: So etwas geht bei uns hier nicht!“ Nun sollen die Schüler immer wieder für verschiedene Facetten der Themen Rassismus, Zivilcourage und Toleranz sensibilisiert werden. 

Auftaktveranstaltung war der Projekttag mit vielen Workshops. Die Kinder der ersten und zweiten Klassen beschäftigten sich mithilfe des Bilderbuchs „Perlinchen“ mit dem Thema „Anderssein“. Die Dritt- und Viertklässler nahmen sich das Buch „Bestimmt wird alles gut“ vor, in dem es um die Geschichte eines zehnjährigen Flüchtlingsjungen aus Syrien geht. In den höheren Klassen waren Vertreter der Kemptener Ortsgruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sowie des Kemptener Weltladens zu Gast. Einige Schülerinnen und Schüler diskutierten über den Film „Das Leben ist schön“, über einen Vater und seinen kleinen Sohn, die in ein Konzentrationslager deportiert wurden. Andere guckten wortwörtlich über ihren Tellerrand und bereiteten in der Schulküche internationale Speisen zu. Jugendliche der achten bis zehnten Jahrgangsstufe arbeiteten in einer „Toleranzrallye“ u.a. aktuell vorherrschende Männer- und Frauenbilder oder die Funktionen von Vorbildern und Werten heraus. 

„Wir haben die Klassenverbände bewusst aufgelöst“, erklärt Beratungslehrer Frank Horeth. „Dadurch ist ein ganz anderes Arbeiten als im Klassenverband möglich, wo jeder seine Rolle hat.“ Schulleiter Martin Mederer, der allen Gruppen einen Besuch abgestattet hatte, zog am Ende des Schultages eine positive Bilanz: „Bisher gab es nur positive Rückmeldungen. Zum Teil war es sogar sehr berührend. Auch einige der Schüler, die im Vorfeld unangenehm aufgefallen waren, ließen sich konstruktiv auf die Themen ein.“ 

Der Projekttag solle nun erst einmal nachhallen dürfen und werde im Unterricht nachbereitet. Dann wolle man im Kollegium und in Absprache mit der SMV (Schülermitverantwortung) weitere Pläne besprechen, denn vielleicht wird aus der Aktion sogar eine große Sache: „Wir überlegen, uns um die Zertifizierung zur `Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage´ zu bewerben“. Das solle den Schülern aber nicht aufgedrückt werden. „Das funktioniert nur, wenn alle ganz bewusst diesen Weg gehen wollen.“

Sabine Stodal

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