Streit endet tragisch

Prozessauftakt am Landgericht Kempten – Mutter mit mehreren Messerstichen im Affekt getötet

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Nach einem Streit hat ein 32-Jähriger seine Mutter getötet. Am Dienstag war Prozessauftakt.

Kempten – Seit Anfang November letzten Jahres sitzt ein 32-jähriger Oberbayer in der JVA Kempten in Untersuchungshaft.

Bei einem Besuch seiner in Kempten lebenden Mutter soll er nach vorangegangenem Streit in deren Wohnung nach einem Küchenmesser gegriffen, mehrmals auf sie eingestochen und dadurch letztlich getötet haben, so lautet die Anklage gegen den Beschuldigten. Seit letztem Dienstag muss sich dieser nun für seine begangene Tat vor dem Landgericht Kempten verantworten.

Direkt nachdem die Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft verlesen worden war, ließ der Beschuldigte durch seinen Verteidiger einräumen, seine Mutter im Verlauf des Streits mit einem Messer so schwer verletzt zu haben, dass sie verstarb. Er habe die Tat sofort bereut und umgehend den Notarzt gerufen. Im Anschluss schilderte der 32-Jährige persönlich seine Lebenssituation und die Beziehung zu seiner Mutter. Er sei zusammen mit zwei weiteren Geschwistern ohne Vater und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Seine alkoholkranke Mutter habe ihn und seine beiden Geschwister seit der Kindheit vernachlässigt, ständig bedroht, Gegenstände nach ihnen geworfen und grundlos körperliche Gewalt angewendet. Trotzdem habe er seiner Mutter bis zuletzt immer wieder geholfen, ihr eine Arbeitsstelle besorgt, sie finanziell und mit einer Wohnung unterstützt. 

Um die Tat besser einordnen zu können und sich einen detaillierteren Eindruck zur Mutter-Sohn-Beziehung verschaffen zu können, hörten Richter, Staatsanwalt, Verteidiger sowie Sachverständige zahlreiche Zeugen an. Polizeibeamte, die am Tattag vor Ort waren, bestätigten, dass der Angeklagte den Notruf gewählt und immer wieder beteuert habe, wie sehr er seine Mutter liebe und wie Leid es ihm tue. Hierzu wurden ergänzend die Aufzeichnungen des Notrufs und der Bodycam eines Polizeibeamten herangezogen. Auch langjährige Freunde des Angeklagten, die ihn noch kurz vor der Tat in fröhlicher Stimmung erlebten sowie Nachbarn der Mutter wurden angehört, die die Frau ständig alkoholisiert und zuweilen aggressiv wahrnahmen. Eine Therapeutin, bei der sich der Angeklagte 2018 freiwillig in Behandlung begab, nachdem er vor seiner Mutter die Beherrschung verloren hatte, gab an, dass der 32-Jährige durchgehend unter Strom stehe, sobald es zum Kontakt mit der Mutter komme. Auch der Bruder des Beschuldigten trat in den Zeugenstand und bestätigte die schwierige Beziehung seiner Mutter zu ihren Kindern. 

Selbst als er ausgezogen war, habe sie ihn am Telefon weiter terrorisiert. Als der psychische Druck zu groß wurde, brach er den Kontakt 2018 gänzlich ab. Über seinen Bruder sagte er, dass dieser früh erwachsen werden musste und für ihn und seine Schwester eine Art Vaterrolle übernommen habe. Weiter habe er ihn trotz des schwierigen Verhältnisses dazu ermutigt, wieder Kontakt mit der Mutter aufzunehmen. Ein Polizeibeamter, der den Angeklagten verhört hatte, gab an, dass der Beschuldigte für den Tatzeitraum von Erinnerungslücken gesprochen habe. Der Beschuldigte wisse noch, dass dieser zu seiner Mutter gegangen sei, um behördliche Unterlagen abzuholen. Als es dann infolgedessen zu einem Streit gekommen sei, habe er bei seiner Mutter etwas aufblitzen sehen, weshalb er nach dem nächstbesten Gegenstand, dem Messer, gegriffen habe. Das nächste, woran er sich wieder erinnere, sei, dass sowohl er als auch seine Mutter auf dem Boden gelegen hätten. Der obduzierende Rechtsmediziner gab an, dass die Verstorbene zumindest in den letzten Stunden vor ihrem Tod keinen Alkohol konsumiert haben könne. Die Gerichtsverhandlung wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Hier will sich der Angeklagte noch einmal persönlich zur Tat äußern. 

Dominik Baum

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