Die pure Lebenslust

Sprühende Lebensfreude haben rund 80 Akrobaten, Tänzer, Musiker und Sänger mit ihrer Show „Afrika! Afrika!“ nach Kempten gebracht und rissen das Publikum in der ausverkauften bigBOX von der ersten Minute an schlicht mit. In einem zweistündigen Augen- und Ohrenschmaus eröffnete sich die reiche Kultur des schwarzen Kontinents quer durch seine überlieferten bis modernen Facetten.

Aus allen Teilen Afrikas und der afrikanischen Diaspora hat André Heller für das farbenfrohe, temporeiche Spektakel Künstler verpflichtet, die mit sichtlicher Freude die faszinierende Seite afrikanischen Lebens zeigten, in dem Tanz eine tragende und allgegenwärtige Rolle spielt – so auch auf der Bühne. Ausdrucksstark erzählten die Tänzer Geschichten zu treibenden Rhythmen aller Art, verstärkt durch ihre stampfenden und klatschenden Extremitäten. Wie beispielsweise die Truppe, die als Minenarbeiter mit Helmen, Grubenlampen und Gummistiefeln ausgerüstet über die Bühne wirbelte. Temporeich waren auch die traditioneller ausgerichteten Kollegen in prächtigen Kostümen und teilweise an Fabelwesen erinnernden Masken. Rasant schwingende Hüften, elastisch springende Körper, Beinarbeit, der das Auge kaum zu folgen vermochte vermittelten Lebenslust pur. Keine Musik aus der Konserve, nein exzellente Musiker und Sänger und Sängerinnen sorgten zudem durchgehend für die Vielfalt afrikanischen Klangfeuers. Blitzartig bewegte sich eine menschliche Spinne auf den Händen laufend, die Beine nach vorne abgespreizt auf den Schultern liegend, über die Bühne, bevor die menschliche Anatomie gänzlich auf den Kopf gestellt wurde und man letztlich nicht mehr so genau sagen konnte, wo vorne und hinten, oben oder unten des akrobatischen Körpers war, bevor er schließlich durch einen Tennisschläger schlüpfte. Gegen alle Gesetze Dem stand das „Schlangenmädchen“ in nichts nach, das keine Gelenke zu haben schien und sie entgegen aller körperlicher Gesetzmäßigkeiten geschmeidig in alle Richtungen zu drehen vermochte. Auf dem Einrad lieferten sich Ballkünstler ein virtuoses Basketballmatch zu schlagenden Beats. Ein Meister anderer Art jonglierte seine Bälle – wie viele war kaum auszumachen – in rasender Geschwindigkeit zwischen Boden und fliegenden Händen. Selbst vor schwerem Gerät wurde nicht zurückgeschreckt und so wirbelten schon mal kleine Tische auf den Füssen der Artistinnen. Menschliche Pyramiden in allen erdenklichen Formationen entstanden und entschwanden in Windeseile. Und so Vieles mehr bereicherte die atemberaubende Show, die von der ersten Minute bis zum großen bunten Finale restlos begeisterte Zuschauer in ihren Bann schlug. Ein „frohes Herz“ stand in großen Lettern als Wunsch für alle Zuschauer zu lesen als der Vorhang fiel. Das dürfte „Afrika! Afrika!“ zumindest für diesen Abend hinbekommen haben.

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