Viele Rädchen greifen bei "PurNatur" ineinander – nachhaltig und ganzheitlich

Ganzheitliches Konzept kommt gut an

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Stammkunden aus dem Vorgänger-Laden, Neugierige und Touristen – das Interesse auch an dem Konzept dahinter ist groß.

Kempten – Eine Nische sind Bio-Lebensmittel noch immer – wenn auch eine stark wachsende. Laut vom Umweltbundesamt veröffentlichten Zahlen stieg der Anteil am Gesamtmarkt zwar in den letzten Jahren, belief sich im Jahr 2012 aber dennoch gerade einmal auf 3,9 Prozent.

Wachsendes Gesundheitsbewusstsein und sich gegenseitig ablösende Lebensmittelskandale dürften die Bio-Anteile seitdem vermutlich weiter gesteigert haben.

Ins Auge fällt, dass sich Bio zunehmend selbstbewusster präsentiert und auch zu neuen, ganzheitlichen Konzepten in Nachhaltigkeit anregt. Jüngstes Beispiel dafür ist die Neueröffnung des vormals kleinen, 2001 ursprünglich als Kantine für die Apothekenbelegschaft gegründeten Naturkostladens „PurNatur“ der Bahnhof-Apotheke in Kempten (der Kreisbote berichtete), für den das Team rund um Ladenchefin Svenja Gebauer und Dietmar Wolz, Geschäftsführender Inhaber Bahnhof-Apotheke und „PurNatur“, ein ganzheitliches Konzept entwickelt und umgesetzt haben. Vor einer Woche wurden die neuen Räume direkt gegenüber der Bahnhof-Apotheke, eröffnet. Bereits am ersten Öffnungstag hat Gebauer bis zum Nachmittag 450 Kunden im Naturkostladen und Bistro gezählt sowie rund 130 Mittagessen, die über den Tresen gingen. Das Sortiment wird bestückt von regionalen Sennereien, Bauern und Metzgern, namhaften Firmen für Bio-Lebensmittel und Kosmetik und wird durch Südtiroler Spezialitäten ergänzt.

Durchwegs positive Kommentare und „viele Stammkunden haben sich richtig gefreut“, erzählt Gebauer von den ersten Reaktionen. „Wir haben gewusst, dass es schön wird, aber so schön“, sagt sie selbst. Auch die Kinder der Kundinnen und Kunden fühlen sich sichtbar wohl. Sie krabbeln am Boden durch den Laden, spielen im Kinderzimmer oder schnappen sich dort den Miniatur-Einkaufswagen. Schließlich geht nichts über das eigene „Shopping“- Erlebnis, am besten mit dem Holz-Kinderwagen aus dem Spielzimmer an der zweiten Hand.

Dass bei den herrschenden Temperaturen an der Eis- und Kaffeetheke gleich am Eingang ein Riesenandrang ist, verwundert wenig. Dennoch ist es vor allem das Angebot, das die Kunden lockt, unter anderem Espresso an der Theke für einen Euro und im eigenen „Eis-Labor“ hergestelltes Eis aus Hörnermilch oder vegan. Sicher nicht nur den sommerlichen Temperaturen dürfte auch die große Nachfrage für einen besonderen Service geschuldet sein: ein Trinkwasserbrunnen, an dem sich jeder frei selbst bedienen kann.

„Schaut darauf, was Euch schon immer ‚angekäst’ hat“, zitiert Gebauer die Worte ihres Chefs während der Planungen und blickt zufrieden auf das Gesamtergebnis. So kamen viele besondere Details zustande, wie die sogenannten „Gluschti“; Süßspeisenvariationen im kleinen Format.

Synergien zwischen Apotheke und „PurNatur“ ergeben sich unter anderem bei den Ölen, die – wie auch Müsli, Nudeln, Reis, Trockenobst, Waschmittel – in unterschiedlichen Mengen direkt abgefüllt werden können. Laut Wolz sind es die Öle, die auch in der Apotheke für die Herstellung der hauseigenen Kosmetik verwendet werden, nachdem sie im ebenfalls eigenen Labor auf Reinheit und Qualität untersucht wurden. Um zu zeigen, dass man auch von oft als unhygienisch verschrieenen Holzbrettchen „sehr gesund essen kann“, lässt Wolz in der Mikrobiologie der Apotheke derzeit noch Tests an den künftigen Vesper-Brettchen durchführen.

Kaum zum Durchatmen kommt das Team im Bistrobereich um die Mittagszeit. Hausgemachte Gerichte – auch für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten – mit Fleisch, vegetarisch oder vegan, Salate, Smoothies, Nachspeisen, Kuchen... die Nachfrage ist groß. In die Küche kann man vom Tresen aus ein bisschen hineinspitzen und beobachten, wie das Team der „Speisgirls“ unter der Leitung von Sandra Hiemer kocht. Warmes Mittagessen gibt es laut Gebauer „bis nichts mehr da ist“, heiße Ofenkartoffeln und „wenn es dann wieder kälter wird auch Suppe bis zum Schluss“. Die Obst- und Gemüseabteilung wird täglich mit frischen Waren beliefert. Was nicht verkauft wurde, landet im Kochtopf. „Es sind große Schuhe, in die wir reinwachsen müssen“ ist sich Wolz bewusst. Deshalb der Testlauf bis zur offiziellen Eröffnung Mitte September. Zeit, die genutzt werden soll, um zu sehen was nicht rund läuft. Und was findet die Laden-Chefin am besten? „Dass die Leute sich richtig freuen, denn für die haben wir es ja gemacht.“

Christine Tröger

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