Qualifikation nachholen

„Perspektive Südbayern“ heißt ein Projekt, mit dem die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) dem Fachkräftemangel Abhilfe schaffen wollen. Das Ziel: Berufstätige, die schon länger ohne Ausbildung in einem Beruf arbeiten, einen Berufsabschluss zu ermöglichen. Dafür sei ein Netzwerk aus Unternehmern, Weiterbildungseinrichtungen, der Agentur für Arbeit und weiteren Partnern nötig, erläuterte Daniela Auerbacher vom Kemptener bfz. Um weitere Schritte bei diesem Vorhaben zu erarbeiten, hatte das bfz am vergangenen Donnerstags verschiedene dieser Partner zu einem Treffen ins Haus Hochland eingeladen.

Viele Angestellte haben Jahre lange Berufserfahrung, aber keinen Abschluss. „Ihnen fehlt oft der theoretische Unterbau“, erklärte Anne Masching vom bfz Augsburg. Für sie gebe es aber Chancen, das Verpasste nachzuholen, erklärte ihre Kemptener Kollegin Auerbacher. Wer nämlich die eineinhalbfache Lehrzeit eines Berufs als Berufserfahrung nachweisen kann, könne sich trotzdem zur Abschlussprüfung anmelden. „Viele trauen sich aber nicht“, so Auerbacher. Aber auch das theoretische Know-How muss stimmen und eben hier will die „Perspektive Südbayern“ ansetzen. 900 Betriebe in Schwaben haben Anfang des Jahres einen Fragebogen vom bfz erhalten, um zu ermitteln, wo von Unternehmerseite aus der Bedarf an Qualifizierungsmaßnahmen besteht. Das bfz gehe zudem die Weiterbildungseinrichtungen wie IHK, HWK, VHS und die Berufsschulen an, um herauszufinden, wo die Nachqualifizierung stattfinden kann. „Spannend ist auch zu sehen, welche Möglichkeiten es schon gibt“, meinte VHS-Geschäftsführer Peter Roth im Haus Hochland. Modulare Nachqualifizierung Ein Beispiel: Für die Weiterbildung von ungelernten Kräften in der Gastronomie habe Auerbacher bereits die Berufsschule Immenstadt gewonnen. Berufsschullehrer sollen dort bald Service- und Küchenkräfte schulen, die schon Jahre ohne Gesellenbrief im Beruf sind. Das bfz spricht von „modularer Nachqualifizierung“. Das heißt, dass die Lerninhalte sich aus einzelnen Modulen zusammensetzen. Absolviert ein Mitarbeiter nur einige wenige Module, kann er sich zum Beispiel auch nur teilqualifizieren. Die Finanzierung der Weiterbildung soll größtenteils über das Programm WeGebAU der Arbeitsagentur geschehen, das gerade auf Arbeitnehmer abzielt, die schon länger ohne Ausbildung im Beruf sind. Ambitionierte Ziele Ein ganzer Katalog an Qualifizierungsangeboten, den sie den Unternehmen vorlegen kann, schwebe Auerbacher vor. Deswegen beschäftigte sich eine der Arbeitsgruppen bei dem Treffen unter der Leitung von Peter Roth mit der Frage, wie man das Angebot der Bildungsträger bündeln könne. Statt eines gedruckten Katalogs, den man ständig aktualisieren müsste, so das Ergebnis, soll eine Website her, auf der Angestellte wie Unternehmer nach Weiterbildungsangeboten für ihre jeweilige Branche suchen können. Angebote, die noch nicht zur Verfügung stehen, soll man in eine Art Wunschzettel eintragen können. „Wir sind uns einig, dass wir etwas tun müssen“, so Auerbacher. Das nächste Netzwerktreffen soll bereits Ende April stattfinden. Denn „beim Bildungsforum der Agentur für Arbeit im Juni wollen wir geschlossen auftreten“, erklärte sie.

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