Lange Diskussion

Option Querspange gesichert

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Die Verkehrsanbindung soll über eine Querspange durchs Baugebiet führen und im Osten an die Memminger Straße, im Westen an die Heiligkreuzer Straße anbinden.

Kempten – Passierte das Thema den Bauausschuss noch völlig unspektakulär und mit einstimmigem Beschluss, entfachte die mögliche „Querspange Halde“ im Stadtrat eine regelrechte Grundsatzdiskussion über Versiegelung von Flächen, Verkehr und Klimaschutz sowie den Erhalt von Arbeitsplätzen und – der Heimat.

Anlass war die zu beschließende Änderung das Flächennutzungsplanes, der eine Quer- verbindung zwischen Heiligkreuzer Straße, Schwabelsberger Weg und Memminger Straße ermöglichen soll; eine Option, die sich die Stadt zur Verkehrsanbindung des Baugebiets „Halde Nord“ mit seinen dort geplanten 500 Wohnungen plus Reihen- und Einfamilienhäusern offen halten will. Bislang sollte das entstehende Wohngebiet lediglich durch eine Stichstraße an den Dachser-Kreisel angebunden werden.

Schlagabtausch

Nach einem längeren Schlagabtausch, der plötzlich sogar die bereits längst beschlossene Wohnbebauung „Halde Nord“ in Frage stellte, steht zumindest der Planung der Querspange nichts mehr im Wege. Die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans wurde vom Stadtrat am Ende mit sieben Gegenstimmen aus den Reihen der Grünen und der UP/ÖDP beschlossen.

Thomas Hartmann (Grüne) bezweifelte die Sinnhaftigkeit der Planung, da sich die Kosten der Verbindungsstraße „in einer Größenordnung wie bei der Nordspange“ bewegten. Massive Kritik übte er an der „Versiegelungswut“ und fürchtete darüber hinaus „Riesenprobleme“ beim Lärmschutz. Parteikollegin Erna-Kathrein Groll regte an „neu zu überlegen“ statt immer neue Straßen zu bauen. Da Kempten eine Kommune sei, die vor allem Zuwachs an älteren Menschen habe, sei zuvorderst bezahlbarer Wohnraum gefragt, „nicht das Haus in Halde Nord.“ Grünen-Stadträtin Carolin Brög fragte sich „warum wir einen Klimaschutzplan in Kempten haben“ und sah eine „gute Chance“ hier durch die derzeitige Neuausrichtung des Öffentlichen Nahverkehrs „Verbesserungen zu schaffen.“

Gegen einen „Siedlungsbrei bis nach Neuhausen“, wehrte sich Hans Mangold (Grüne) und forderte eine innerstädtische Nachverdichtung und Nutzung leerstehender Wohnungen. Er bat „alle Kollegen zu überlegen, ob sie wieder ein Stückerl Heimat wegsäbeln lassen“ wollen.

In ÖPNV investieren

Nach Ansicht von Ingrid Vornberger (SPD) muss Menschen, die „draußen wohnen wollen“ auch die Möglichkeit dazu geben werden, um sie nicht aus ihrer Heimat zu vertreiben. Helmut Hitscherich (UP/ÖDP) fürchtete die durch den demographischen Wandel „überall bald leer stehenden Wohnungen.“ Visionär sei etwas anderes, mahnte er statt Geld in den Straßenbau zu stecken lieber mehr in den Öffentlichen Nahverkehr zu inves- tieren. Ein großes Defizit an Bauplätzen bei „Mitdreißigern mit zwei bis drei Kindern“ führte Erwin Hagenmaier (CSU) am Beispiel „Am Petzenbühl“ ins Feld, wo die Bauplätze rasant weg gegangen seien und inzwischen Familien mit insgesamt 34 Kindern wohnen würden. Für Dr. Philipp Jedelhauser (UP/ÖDP) lag das Problem beim Finden eines geeigneten Bauplatzes allerdings eher darin, dass dieser in der Regel „nur über einen Bauträger“ zu haben sei, „der mir irgendein vorgefertigtes Haus vorschreibt.“

Über die Grundsatzdebatte „erstaunt“ erinnerte Karl Sperl (CSU) seine Stadtratskollegen schließlich daran, dass es nicht um Bauland sondern „um die Querspange geht“, die laut allen Gutachten nötig sei. Ein Beispiel das „gut funktioniert“ sei die Querverbindung an der Ludwigshöhe. Alexander Hold (FW) rief die „Fehler“ ins Gedächtnis, die einst bei der Anbindung der Wohngebiete Halde mit der Lotterbergstraße und Thingers mit der Mariabergerstraße gemacht worden seien. Dass es hier zu „enormen Belastungen“ komme, bestätigte auch Siegfried Oberdörfer (SPD). Der Verkehr nehme zu und „wir müssen rechtzeitig in die Zukunft planen“, sah es Dieter Zacherle (FW) ähnlich. Thomas Kreuzer (CSU) war die Einteilung „gute Menschen sind gegen die Versiegelung, schlechte Menschen dafür“ zu einfach. Das Gebiet sei „für viel Geld erworben“ worden und Kempten habe einen „angespannten Wohnungsmarkt.“ Für ihn stand fest: „Lieber eine vernünftige bauliche Entwicklung und drei Prozent Arbeitslosigkeit als keine Versiegelung und 15 Prozent.“

Christine Tröger

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