Don Quichote kommt nach Altusried

Der Regisseur der Freilichtspiele 2013 hat erfahrene Einheimische als Unterstützung: Jan Burdinksi (links) vertraut auf Sonja Walker als Co-Choreographin, Matthias Brack (Mitte) als Terminplaner und Christian Kaps, der die Regieassistenz übernehmen wird. Foto: Würzner

Wie es sich für eine Bürgerversammlung gehört, wurde am Ende abgestimmt. Erstens, wer ist dafür, dass wir 2013 Freilichtspiele veranstalten? Alle. Zweite Frage. Wer ist mit den beiden Spielplänen und der Premiere am 14. Juni einverstanden? Wieder keine Gegenstimme. Und schließlich: Wir schlagen vor, eine für die Freilichtbühne überarbeitete Version von „El ingenioso Hidalgo Don Quixote de la Mancha“ (Originaltitel von 1605) zu spielen. Wer ist dagegen? Keine Hand zu sehen.

Bürgermeister Heribert Kammel gibt zu, dass ihm in diesem Augenblick ein veritabler Nagelfluhfelsen vom Herzen gefallen ist. Das Gemeindeoberhaupt hatte sich nach Meinung einiger Anwesender schon ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit der Festlegung auf Jan Burdinski als Regisseur und das vom ihm für Altusried maßgeschneiderte Stück vom „Ritter mit der traurigen Gestalt“. Die Planung war offenbar schon fortgeschritten und theatererfahrene Einheimische ins Boot geholt worden. Mit der Ablehnung des Vorschlags hätte Plan B aus dem Hut gezaubert werden müssen, aber wir werden wohl nie erfahren, wie der ausgesehen hätte. Doch trotz einer Portion Skepsis, die sich in Äußerungen wie „Dick und Doof auf Spanisch statt Freiheitskämpfer“ oder der Frage, ob der Regisseur bei der Stange bleiben werde und sich nicht verflüchtigt, wie schon geschehen, hat der oberfränkische Theaterbesessene nun die Mehrheit auf seine Seite gebracht. Dass er sich mit Miguel de Cervantes Saavedra schon länger beschäftigt, wurde aus der Art und Weise deutlich, wie er über sein kapriolenreiches Leben erzählte. Dem Theologiestudenten, Matrosen, Steuereintreiber, Knastbruder. Der einen Anti-Ritter-Roman schrieb, der zum wirkungsmächtigsten Werk neben der Bibel werden sollte. Er beschreibt ein paar Episoden, die zum Brüllen komisch sind und gleichzeitig an Tragik nicht zu überbieten. Da werden Huren zu Burgfräulein, eine Hammelherde zu feindlichen Kriegern. „Sieben von den Viechern hat er mit seiner Lanze erstochen. Ich weiß noch nicht, ob und wie ich das auf die Bühne bringen werde“, lockert Jan Burdinski die Stimmung im Saal auf. Der Spielplan wird misstrauisch beäugt. Vorstellungen am Donnerstag und dafür kaum noch sonntags, 28 oder gar 30 Auftritte, nur zwei Festzüge am Anfang und am Ende? Es soll keiner sagen, die Altusrieder hätten keinen Mut zu Neuem. Konflikt vermeiden Der Vorschlag, die Musketiere 2012 nochmal fechten zu lassen, scheitert daran, dass die Agentur Semmel Concerts einen Konflikt mit dem restlichen Programm auf der Freilichtbühne vermeiden will. Der Beschuss ist gefasst, 2013 gibt es ein neues Stück. Burdinski macht Mut: „Der Anspruch ist sehr hoch, aber ich kenne meine Pappenheimer von den Tell Spielen 2002 her, die schaffen das“.

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