"Das war eine große Herausforderung"

Radprofi Michael Schwarzmann spricht über sein Training in der Corona-Pause 

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Ab August hat Michael Schwarzmann Renntermine im Kalender stehen.

Kempten – Michael Schwarzmann (29) fährt seit 2011 für das deutsche Topteam BORA hansgrohe.

Dort geht er neben Radstars wie dem deutschen Pascal Ackermann oder Ex-Weltmeister Peter Sagan an den Start. Im vergangenen Jahr nahm der Sprinter bei der legendären Tour „Giro d‘Italia“ teil und hatte sich auch für dieses Jahr einiges vorgenommen. Doch die Coronakrise warf Schwarzmann einen Stock in die Speichen. 

Herr Schwarzmann, seit dem Lockdown trainieren Sie im Homeoffice. Wie haben Sie die Zeit seitdem erlebt? Schwarzmann: „Ich bin im März noch bei der Tour Paris-Nizza in Frankreich an den Start gegangen. Dort wurde die letzte Etappe aufgrund der Pandemie abgesagt. In Bregenz, wo ich mittlerweile wohne, durften wir weiterhin ganz normal trainieren. Eine Zeit lang alleine oder in Gruppen mit Abstand.“ 

Dann mussten Sie also auf dem Rad auf der Straße Abstand halten?
Schwarzmann: „Richtig, das war anfangs die Regel: Entweder alleine oder in einer Gruppe mit ausreichend Sicherheitsabstand.“

Haben Sie in dieser Zeit mehr trainiert als sonst? Schwarzmann: „Als viele Rennabsagen kamen, haben wir das Trainingspensum erst einmal reduziert. Da wir aber nicht wussten, wann und ob es weitergeht, haben wir relativ normal weitertrainiert. Ich hatte Ende März bereits 20 Renntage auf dem Bukkel, was viel ist. Ich wollte meine Fitness nicht komplett verlieren.“ 

Hat es Ihnen als Athlet in dieser Zeit gefehlt, kein konkretes Wettkampfziel vor Augen zu haben?
Schwarzmann: „Ja, das war eine große Herausforderung. In den ersten Wochen gab es auch die Ungewissheit und die Frage, wie man sich ohne Ziel vor Augen fit hält. Für uns gilt nun, die Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Glücklicherweise haben wir jetzt ein neues Startziel.“ 

Sie trainieren mit einigen Teamkollegen und haben mit anderen in Videokonferenzen gesprochen. Wie ist die Stimmung bei Ihnen im Team?
Schwarzmann: „Die Stimmung bei uns ist weiterhin gut. Es war für jeden von uns aber anfangs eine große Umstellung. Normalerweise besteht unser Alltag aus Rennen, Reisen und Trainingslager. Das findet nun alles zu Hause statt. Jeder von uns vermisst diese Wettkampfanspannung und das Adrenalin, Rennen zu fahren. Das kann man im Alltag nicht wirklich kompensieren.“

Machen Sie sich derzeit Sorgen um den Radsport? Schwarzmann: „Man darf nicht vergessen: Wie sich die Corona-Krise in den nächsten Jahren auf unseren Sport auswirkt, kann noch niemand vorhersagen. Jetzt ist es erst einmal wichtig, dass wir die großen Rennen in diesem Jahr alle noch fahren können. Dann sehen wir weiter, was 2021 passiert.“

Der Radsportweltverband hat einen neuen Kalender entworfen, nach dem ab dem 1. August viele Klassiker wie die Tour de France oder die Giro d‘Italia in kurzer Zeit gefahren werden. Viele Touren finden auch parallel statt. Was halten Sie davon?
Schwarzmann: „Man hat es geschafft, die größten Veranstaltungen unterzubringen und einen Zeitplan zu entwerfen, bei dem die Teams auch Fahrer zu den Rennen schicken können. Das wurde für diesen kurzen Zeitraum sehr gut gelöst. Da viele Rennen in kurzer Zeit stattfinden, war es fast gar nicht möglich, dass sich Radrennen nicht überschneiden.“ 

Bei vielen Rennen könnten in diesem Jahr keine Zuschauer an der Strecke stehen. Werden Sie das vermissen?
Schwarzmann: „Mit Zuschauern ist an der Strecke natürlich eine bessere Stimmung. Für die Fans und auch für die Teams ist es allerdings wichtiger, dass überhaupt Rennen stattfinden. Da ist es erstmal egal, ob an der Strecke weniger oder gar nichts los ist. Das geht im Radsport ganz gut, da im Fernsehen die Emotionen der Sportler auch gut vermittelt werden.“

Wie oft radeln Sie im Allgäu?
Schwarzmann: „Von Bregenz aus komme ich schnell ins Allgäu. Als die Grenzen noch offen waren, bin ich wöchentlich ins Allgäu gefahren. Sowohl zum Training als auch privat.“

Welche Allgäu-Radtour werden Sie fahren, wenn die Grenzen wieder öffnen?
Schwarzmann: „Ich würde eine Tour über Balderschwang und Rohrmoos wählen. Ich fahre aber auch sehr gern im Oberallgäu, von Kempten bis Oberstdorf. Das Panorama gefällt mir dort sehr gut. Da gibt es sehr schöne Radstrecken und auch weniger Verkehr. Das war immer meine Trainingsrunde, als ich noch in Kempten gewohnt habe.“

Warum sollte man Rad fahren?
Schwarzmann: „Das Schöne am Radsport ist doch, dass es jeder kann. Es findet an der frischen Luft statt, man sieht viel von der Landschaft und der Natur. Mir ist während des Lockdowns aufgefallen, dass unheimlich viele Leute wieder den Weg zum Rad fahren gefunden haben, egal, ob sportlich oder in der Freizeit. Daran sieht man doch, dass es eine schöne Sportart in einer solchen Ausnahmesituation ist. “

Bei welchen Rennen werden Sie in diesem Jahr antreten? Schwarzmann: „Ab Anfang August ist der Kalender vollgepackt mit Fahrten. Da sind ein paar Klassiker und ein paar kleinere Rennen. Mein Highlight wäre die „Vuelta de España“ in Spanien. Das genaue Programm wird mir vom Team noch zugeteilt.“

Cian Hartung

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