Neuer Glanz für Alpe Schwanden

Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu will weiter "oben mitmischen"

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Nicht nur frische Optik bringt der Neubau der Alpe Schwanden, sondern auch deutliche Verbesse-rungen für den Betrieb der Jungviehalpe und der Gastronomie.

Immenstadt – Banken brauchen Liquiditätsreserven, Eigenkapital und möglichst gute Bewertungen.

Das alles hat die Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu natürlich auch. Doch die Genossenschaftbank hat etwas im „Tresor“, das andere Banken nicht haben: eine eigene Jungviehalpe im Oberallgäu.

Viel Geld verdienen könne man mit einer solchen Liegenschaft allerdings nicht, betonen die Vorstandsmitglieder. Dennoch hat die Raiba hoch über Immenstadt ihre Alpe Schwanden jetzt auf vollkommen „neue Beine“ gestellt: Das rund 200 Jahre alte Alpgebäude wurde ab-gerissen und durch einen zeitgemäßen Neubau ersetzt. 

Der Alpbetrieb für die beiden langjährigen Hirtinnen Rosi und Gerlinde und die 70 Stück Jungvieh ging oben auf dem 40 Hektar großen Areal am Mittagberg ohne Verzögerung in die diesjährige Saison. Für die beiden – und das Alpvieh – bringt der Neubau deutliche Verbesserungen.Die Alpe am Mittag bei Im-menstadt liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Blaichach, sie ist von Immenstadt aus zu erreichen, das Vieh kommt in der Mehrzahl aus Martinszell – und sie bietet einen grandiosen Blick über das weite Allgäuer Alpenvorland rund um Kempten: Sie gehört seit mehr als 100 Jahren der Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu eG.

Die Frage „Geld verdienen mit einer Alpe?“ beantworten die Vorstandssprecher Heinrich Beerenwinkel und Rainer Schaidnagel, ebenso wie Vorstandsmitglied Wilhelm Oberhofer einhellig mit einem knappen „Nein“. Für die Bank gehe es letztendlich auch um Werte, Menschen und Heimat, ergänzt Schaidnagel. Auch nach der Fusion der beiden Raiba-Unternehmen Oberallgäu und Kempten vor sechs Jahren fühle man sich unverändert dem Heimatbezug zum Oberallgäu verpflichtet. Die Rechtsform der Genossenschaftsbank betone nicht zuletzt den sozialen Aspekt, den Mitgliederbezug, so Oberhofer. 

„Es gab nie den Gedanken an einen Verkauf als die Sanierung oder Erneuerung diskutiert wurde.“ Die Verkaufsoption wischt Oberhofer auf Allgäuerisch schnell vom Tisch: „Nur wenn wir‘s notig gehabt hätten.“ Immerhin kostete der Neubau eine gute Million Euro. Angesichts des schlechten baulich Zustands habe man die Sanierung der Hütte schnell verworfen. „Wir wollten was Vernünftiges hinstellen“, sagt Beerenwinkel.

Die Alpsaison 2019 war geprägt von den Bauarbeiten und einigen Provisorien für die Hirtinnen und das Vieh. Der Neubau verbessert zugleich die Beirtschaftung der Alpe, wo seit mehr als 30 Jahren die Schwestern Gerlinde Stokklauser-Lackner und Rosi Lackner als Hir-tinnen sich den Sommer über um rund 70 Stück Jungvieh und zwei Kühe kümmern. Seit langem bewirten sie hier oben tagsüber Wanderer oder Moun-tainbiker mit Brotzeiten und Ge-tränken. „Aber ́s Vieh goht allat vor...“, betont Gerlinde. Auch der „Geschäftszweig“ Gastronomie wurde im Zuge dieser Erneuerung grundlegend verbessert, die Terrasse vergrößert und die Küche modernisiert. Jetzt könne man in der Alpe „richtig wohnen“ und „gut schaffen“, wie die Schwestern betonen. Im Frühjahr konnten die beiden leidenschaftlichen Älplerinnen die fertige neue Alpe „in Besitz nehmen“.

Eine solide Holzkonstruktion, ohne Schnörkel und Luxus. Zum Teil wurde altes Holz wiederverwendet. „Bauen in alpinem Gelände ist sehr anspruchsvoll, braucht erfahrene Bauunternehmen – und ist teuer“, fasst Heinrich Beerenwinkel zusammen. Unter Vertrag standen heimische Firmen, die nach dem Abbruch des maroden, in Teilen 200 Jahre alten Alpgebäudes die „neue Schwanden“ bauten. 

So gut wie in der Mitte des Geschäftsgebietes präsentiere sich die neu gebaute Alpe Schwanden, erklären die Raiba-Vorstände und lassen den Blick über das Land schweifen. 1914 hatte der damalige Darlehenskassenverein Martinszell die Alpe am Mittag bei Immenstadt erworben. Die damalige Genossenschaftsbank wurde später Teil der heutigen Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu. Aus dem einstigen Erwerb rührt das verbriefte Recht her, demzufolge Martinszeller Bauern Vorrang bei der Älpung ihres Viehs auf der Alpe Schwanden haben. Erst wenn dann noch Plätze beim Bestoß frei sind, dürfen andere Landwirte ihre „Schumpen“ bringen.

Josef Gutsmiedl

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