Vom "Parkhaus an der A7"

Raketen zünden statt Applaus für die gelungene Darbietung der FGD

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Autsch, Volltreffer! Steve Sörgel (li) und Matthias Sorg lieferten sich einen Boxkampf nach Noten.

Dietmannsried – Auch bei der Faschingsgesellschaft Dietmannsried (FGD) sah man sich gezwungen, die neue Datenschutz-Grundverordnung umzusetzen. Auf der Narrensitzung in der örtlichen Festhalle stellte sich der neu ernannte Datenschutzbeauftragte der FGD zum Beginn gleich selbst vor: er heißt Stefan Blind. Seine Empfehlung an das Publikum: wer nicht gefilmt werden möchte, kann sich das Gesicht mit Panzerklebeband, ausreichend im FGD-Fundus vorrätig, abkleben.

Nach Blinds Opening zogen Elferrat und Prinzenpaar in den Saal ein und nahmen für den Abend auf der Bühne Platz. Im Gefolge der Hofnarr und die Garden.

Huldvoll verfolgten Prinz Sebastian I und Prinzessin Carina I die fulminanten Darbietungen der Jugend- und Prinzengarde, den Wolfstanz der Kids, waren fasziniert vom kreativen Hexentanz der Jumping-Jacks und dem effektvollen Showact „Ägypten“, präsentiert von den Blacklights. Zum Abschluss des vierstündigen Programms purzelten kugelrunde, rosarote Pistenschweine der Schützen übers Parkett. Stefan Blind fungierte nicht nur als DGSV-Beauftragter, sondern nahm auch wieder als Hofnarr die Politik aufs Korn. Sein Fett weg wegen seines millionenschweren Weltraum-Programms namens Bavaria One bekam Landesvater Markus Söder, der lieber Raketen baue, als Kindergartenplätze schaffe.

Für die Umwelt was zu tun, das gehört für den Narr dazu, er lösche Licht, wo er keines brauche. Aber wenn er die neue Hochgarage in Dietmannsried betrachte, komme ihm der Verdacht, Klimaziele seien Dietmannsried scheinbar fern. Denn „auch wenn kein Auto mehr darin, das Parkhaus leuchtet ganz weit hin. Drum macht am Kirchturm bald die Lichter aus; denn Dietmannsried, das wir so lieben, liegt am Parkhaus an der A7“. 

Gleich vier Mal war Stimmwunder Thomas Wohlfahrt im Einsatz. Zusammen mit Ehefrau Angelika sang er das Eröffnungslied „Gockolores Ohe“, das aus seiner Feder stammt. Außerdem rockte er mit Elton-John-Hits wie „Don’t Go Breaking My Heart“ oder „I’m Still Standing“ den Saal. Und er hatte einen fetzigen Auftritt mit den fantastischen „FatStreetBoyZ“ (Andreas Wahl, Paul Endres, Daniel Kiefert, Jürgen Wahl), die demnächst auf Worldtour `19 gehen, zumindest wenn man der Autogrammkarte glauben darf, die die Boygroup in die Zuschauermenge warf. Und mit Gassenhauern überbrückte er einen Bühnenaufbau und heizte die Stimmung im Saal auf. 

Grandios der FGD-Chor mit Andreas Wahl, Thomas Becherer, Moni Becherer und Birgit Schubert, die mit umgetexteten Schlagern bei den Zuhörern ins Schwarze trafen. Frei nach Howard Carpendale intonierten die Wächter am Allgäuer Tor (Wahl/ Becherer) „Hau‘ ab again“ und meinten damit den blutrünstigen Wolf, der sich schnell „verpissen“ soll. Mit „Hallo again“, hielten die Mädels Schubert/Becherer dagegen. Sie wollen das Tier wiedersehen. 

Außerdem waren die Aufpasser im letzten Sommer als Wasserwachtler aktiv und „wächterten“ den Wasserspeicher am Eschacher Weiher vor den Wiggensbacher Bürgern, damit genügend Nass für die Schneekanonen am Lifthang vorhanden ist. „Denn, wollen sie in die Kinderaugen sehen, wenn an Weihnachten die Kleinen nach Eschach kommen und es liegt kein Schnee?“, fragte Becherer in die Runde. Ein baldiges Aus prognostizierte Moni Becherer dem CenterParcs, sobald das Illerparadies eröffnet. Das Mäusle-Bier könnte dabei seine Renaissance erfahren.

Auch Kempten, die Stadt mit dem großen Loch, nahm sich der Chor ausführlich vor. Wenn man dort schon nicht wisse, wer die älteste Stadt Deutschlands ist, beim Loch sei das Alter so was von klar. Dann noch der Vorschlag der Vier: Die Illerstadt, die überall Miese macht und sparen will, egal was es kostet, komplett von der Landkarte zu nehmen. Denn dann könnte man endlich von Leubas aus oder von Waltenhofen her, ganz entspannt, ohne Stau, über das „Elend“ hinwegfahren. 

Mit „Let‘s Get Ready To Rumble“ eröffnete Sitzungspräsident Daniel Kiefert einen Boxkampf, bei dem die Musik die Choreografie vorgab, phänomenal interpretiert von Steve Sörgel und Matthias Sorg. 

Seit Jahren zum Ensemble der FGD zählt Claudia Homanner. In diesem Jahr brachte sie die Zuschauer als Lina Kußmaul mit Geschichten von ihrem „Schorschl“ zum Lachen und versuchte sich als verführerische Pole-Dancerin. Mit dabei auch Stefan Fackler, der als Postbote so allerhand mitbekommt, was im Ort passiert. Wie zum Beispiel, dass eine Frau bei Ebay vermeintlich ein Kuscheltier – von dem es kein Bild gab – zum vermeintlich kleinen Betrag bestellte und vor ihrem Haus stattdessen ein Viehhändler mit einem ausgewachsenen Stier vorfuhr. Große Aufregung allerseits. Nach langem Hin und Her gelang es der Bestellerin, ihr Rückgaberecht durchzusetzen. Die Moral von der Geschicht‘: Bestelle ohne Foto nicht. 

Kult-Gastgeberin Resi, alias Renate Feistner, begrüßte Peter Maffay (Steve Sörgel) und Howie Carpendale (nochmals Stefan Blind) auf dem Promisofa. Sie lieferten sich köstliche, schräge Dialoge und strapazierten die Lachmuskeln der Besucher. Wer es noch nicht wusste, die Hälfte von fünf ist halbfünf, jedenfalls bei Resi. Nach schier endlosen Versuchen, zu singen, gelang es Blondschopf Howie, mit sexy Brusttoupet doch noch, seine Klassiker „Ti amo“ und „Alice“, ins Mikrofon zu schmettern. Während der vierstündigen Veranstaltung zündete das bestens aufgelegte Publikum am Premierenabend (Freitag, 22. Februar) Raketen – der Lohn für die Künstler und ihre Darbietung – en masse. Noch viermal finden die Narrensitzungen statt. Abschluss ist am Rosenmontag.

Hildegard Ulsperger

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