Theater im stillen Winkel

"Das Recht der ersten Nacht" ging den Bauern einfach zu weit

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Ein Teil der Schauspieler am Ende des Stückes.

Egloffs/Argenbühl – Also wenn jemand seine Geschichte aufarbeitet, dann ist es gewiss Egloffs. Mit mehr als vierzig Akteuren auf der Bühne und vielen freiwilligen Helfern ist es ihnen wieder gelungen, ein weiteres Kapitel ihrer Vergangenheit in einen Rahmen zu setzen, der nicht nur aus dem Mittelalter berichtet, sondern auch amüsant und kurzweilig die Mentalität der „Freien“ nä- herbringt.

Von Sizilien mit der Geburt von Friedrich II. bis ins Allgäu zieht sich die Geschichte. Obwohl die Bauern frei waren, belasteten sie die immer wieder vorkommenden Drangsalierungen des Adelsherrn Hartmann von Grüningen, der Zins und Soldaten aus ihnen herauspresste. Wenn dann auch noch das „Recht der ersten Nacht“ eingefordert wird, schwillt einem aufrechten Allgäuer schon der Kamm. Defti - ge Sprüche sind dann nur ein Teil des Echos. Wer legt sich sonst schon mit einem Grafen an, sei der auch noch so windig. 

Geschichtssprünge gibt es allerdings auch. So zeigt man die Geburt durch Kaiserin Constanze, eine Szene aus Fridericos Kinderzeit, den jugendlichen Kaiser als König von Sizilien und den Aufbruch zum Konzil in Konstanz, um sich zum Kaiser krönen zu lassen. 

Währenddessen läuft der Alltag in „Meglitz“ mit allen Mühen und Plagen weiter. Hartmann von Grüningen ist und bleibt ein Fiesling und nur seine Fahrt auf einen Kreuzzug mit Soldaten aus den Reihen der Bauern verhindert für die Mägdelein Schlimmeres. Inzwischen ist Kaiser Friedrich bereit, die Grafschaft des Grüningers aufzukaufen. Dazu müssen aber die Bauern selbst auch tausend Silberstücke beisteuern. Fast hätte Hartmann von Grüningen den Sack voll Geld auch noch an sich zu bringen können, aber eine Egloffser Geschichte kann ja nur gut ausgehen. Das gibt ein großes Fest, als der Handel zustande kommt. 

Wer da aber denkt, das Stück wäre eine geschichtlich ernste Darstellung, der kennt die Egloffser nicht. Natürlich stimmt die Geschichte an sich. Gespickt mit Sprüchen aus der Seele der Allgäuer und einem großen Einsatz an Schauspielern sind zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung geboten.

Manfred Schubert

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