"Unerträglicher Zustand"

Regelmäßige Gesprächsrunde soll vom "Abstellgleis Allgäu" führen

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Das offene Dach am Gleis 1 im Immenstädter Bahnhof ist nur ein Kritikpunkt der langen „Mängelliste“ des Sozialverbandes VdK.

Landkreis – Erneut griff der Sozialverband VdK, Ortsverein Sonthofen, das Thema „Die Bahn – Abstellgleis Allgäu” auf.

In einer Gesprächsrunde mit Bayerns Verkehrs-Staatssekretär Klaus Holetschek, den Bürgermeistern Sonthofens und Immenstadts, sowie den regionalen Landtagsabgeordneten und Kommunalpolitikern. Zukünftig sollen im halbjährlichen Turnus Gesprächsrunden stattfinden, an denen auch Vertreter der Bahn AG teilnehmen werden. Der VdK will den „politischen Druck” aufrecht halten und sucht Mitstreiter. 

„Seitdem ist nichts geschehen!”, brachte der VdK-Ortsvorsitzende Peter Götz seine Rückschau einer Bereisung unter dem Motto „Abstellgleis Allgäu” im Sommer 2018 auf den Punkt und spricht von einem „total abgehängten Allgäu“. Damals habe der Sozialverband zusammen mit Kommunalpolitikern und Allgäuer Landtagsabgeordneten nicht nur auf Defizite in puncto Barrierefreiheit bei der Bahn aufmerksam gemacht, sondern auch die Gesamtsituation betrachtet, so Götz. 

Seitdem habe man mehrfach auf die staatliche Zielvorgabe „Barrierefreiheit 2023” für Bayern aufmerksam gemacht. „Barrierefreiheit ist ein Grundrecht, kein Luxus!”, rief der VdK zuletzt bei einer Kundgebung im März auf dem Bahnhof Immenstadt in Erinnerung. „Wir hoffen auf Unterstützung für das Allgäu.” Die Region solle in dieser Hinsicht Pilotregion werden. 

„In den vergangenen beiden Jahren ist so gut wie nichts geschehen – bis auf 20 Quadratmeter Teer auf dem Bahnhof in Altstädten”, nennt Götz ein Beispiel aus einer langen Mängel- und Defizitliste des VdK. Das Dach im Bahnhof Immenstadt sei seit einem Jahr offen, fährt der VdK-Vorsitzende fort. Von einem „unerträglichen Zustand” spricht Immenstadts neu gewählter Erster Bürgermeister Nico Sentner. Neben diversen baulichen Mängeln, könne nicht einmal im Bahnhofsgelände von Barrierefreiheit gesprochen werden. 

Es könne nicht sein, dass die Bahn alles auf die Stadt abwälze. Sein Bürgermeisterkollege in Sonthofen, Christian Wilhelm, hofft ebenfalls auf die Umsetzung der Barrierefreiheit des Bahnhofes in den Jahren 2023/2024. „Leider nicht im Zuge der anlaufenden Bauarbeiten für das neue Mobilitätszentrum.” Staatssekretär Klaus Holetschek verwies auf den „dreistelligen Millionenbetrag”, den der Freistaat in Mobilitätsverbesserungen investiere: „Wir tun auch was.” 

Zudem komme die Bahn etwa bei den Bahnhöfen Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf ins Rollen mit dem geforderten Umbau. Die Planungen sollen im kommenden Jahr beginnen (wir berichteten). Man müsse ständig mit den Verantwortlichen der Bahn AG reden, weiß Holetschek und bemängelt: „Die Kommunikation der Kommunalpolitik ist nicht immer optimal.” Da könne sich einiges verbessern. Holetschek weiter: „Dem Bürger ist es letztlich egal, wer es macht.” Hauptsache es geschehe etwas. Das Allgäu entwickle sich zu einer Art Hotspot in Sachen Barrierefreiheit, findet der Staatssekretär.

 „Auch, weil wir hier großen Nachholbedarf haben.” Holetschek sichert seine Unterstützung bei der Aufholjagd für den barriefereien Umbau der Bahnhöfe in Immenstadt und Sonthofen zu: „Der Freistaat tut etwas und lässt niemanden im Regen stehen.” Allerdings, so räumt der Staatssekretär ein, sei das Land nicht der alleinige Herr des Verfahrens. Holetschek will sich zudem für einen Besuch des Wasserstoff- Zuges in der Region stark machen und diese Technologie voranbringen. Mittelfristig sei jedoch die Elektrifizierung der Strecken im Allgäu entscheidend, um aus dem „Dieselloch” herauszukommen, ergänzt der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Gehring. 

Was die Alltagstauglichkeit und Barrierefreiheit angehe, setzt der FDP-Landtagsabgeordnete Dominik Spitzer auf die Erfahrung und Expertise der Betroffenen: „Man muss die Betroffenen anhören.” „Die neuen Züge sind schon in Auftrag gegeben”, berichtet Eberhard Fetzer, Stadtrat in Immenstadt und Beauftragter für Barrierefreiheit. „Die Bahnhöfe nicht!” Fetzer plädiert für „Gas geben”, sonst führe das neue Zugmaterial womöglich woanders. 

Er, Fetzer, wolle die angesteuerten Verbesserungen schließlich noch erleben. In Immenstadt gebe es konkrete Planungen, alle Mobilitätsformen unter einen Hut zu bringen. Die Idee mit der Modellregion könne er nur begrüßen. Staatssekretär Klaus Holetschek sieht auch die Allgäu GmbH als Partner, die „die Dinge in die Hand nehmen” könne. In einem halben Jahr, so Holetschek, sollte sich die Runde erneut treffen; dann sollen im Bahnhof Immenstadt auch Vertreter der Bahn am Tisch sitzen.

Josef Gutsmiedl

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