Form der Unterstützung bleibt offen

»Ja« zum Dorfladen Niedersonthofen

Dorfladen Niedersonthofen Corona Masken
+
Die ehrenamtlichen Geschäftsführer Hermann Siegel, Kurt Hübner und Peter Nessler sowie Marktleiterin Barbara Jörg warben bereits bei einer Veranstaltung im August letzten Jahres für den Erhalt des Dorfladens.

Waltenhofen – Es war ein Thema, das viele Bürger interessierte: Wie geht es mit Niedersonthofens Dorfladen weiter?

Am vergangenen Montag waren alle der rund 20 während Corona vorgesehenen Besucherplätze in der Mehrzweckhalle in Waltenhofen gefüllt. Weitere Themen auf der Tagesordnung waren die Risikobewertung der Badestellen am Niedersonthofener See sowie Sondenbohrungen im Baugebiet Oberdorf.

»Es geht um eine Grundsatzentscheidung«

Da der Mietvertrag für den bisherigen Dorfladen in Niedersonthofen aufgrund von angemeldetem Eigenbedarf nicht verlängert werden wird, ist die Zukunft des im Herbst 2011 eröffneten Ladens ab 2022 ungewiss. Hermann Siegel, einer der drei Geschäftsführer, nutzte seine Redezeit während der Gemeinderatssitzung, um für den Erhalt des Dorfladens an anderer Stelle zu werben. „Als 2010 der letzte Lebensmittelladen in Niedersonthofen schloss, hat sich ein Arbeitskreis aus engagierten Bürgern gebildet. 225 Dorfbewohner brachten sich als stille Gesellschafter in den neuen Dorfladen ein“, erinnerte Siegel an die Anfänge. „Bei einem Vollsortiment mit über 2000 Produkten entstehen 65 Prozent des Umsatzes aus regionalen Produkten. Rund 40.000 Kaufvorgänge werden im Jahr getätigt. Das bedeutet, dass alle drei Minuten die Kasse klingelt“, zählte der Geschäftsführer auf und betonte, dass die Nahversorgung, zehn Arbeitsplätze und ein sozialer Dorfmittelpunkt in Gefahr seien.

Als möglicher neuer Standort für den Laden käme eine Fläche in Niedersonthofen neben dem Sportplatz in Betracht, die der Kirche gehöre. Diese sei nur bereit, an die Gemeinde zu verpachten. Würde die Gemeinde Räumlichkeiten stellen, wäre die Dorfladen Niedersonthofen UG finanziell aus eigener Kraft in der Lage, diese auszubauen und einzurichten, erklärte Siegel, der die Bereitschaft zu einer Pachtzahlung signalisierte. „Wir wollen keine Almosen.“

„Der Gemeinderat ist sich einig, dass der Dorfladen ein einzigartiges Projekt ist“, sagte Eckhard Harscher, 1. Bürgermeister der Gemeinde. Um abzuklären, in welcher Form eine Unterstützung möglich sei, brauche es einen öffentlichen Prozess und das Amt für ländliche Entwicklung, um die Zukunft des Dorfladens zu eruieren, so Harscher weiter.

Gemeinderat Alfons Stöberl (CSU) sei es „eine Freude, die Erfolgsstory und das Engagement mitzuerleben“, jedoch müsse sich das Gremium aus Sicht der Gesamtgemeinde im Sinne der Gleichbehandlung die Frage stellen, ob sie die geforderte Unterstützung auch einem anderen Betreiber mit weniger Sympathiepunkten zugute kommen lassen könnten. Stöberl äußerte den Wunsch eines Kriterienkatalogs, der die Einmaligkeit der Situation festhalte, um keinen Präzedenzfall zu schaffen.

Ulrike Hitzler (Die Grünen) äußerte Verständnis für die Betrachtung der Gesamtgemeinde, allerdings suche der Dorfladen seinesgleichen. Er werde von den Bürgern sehr geschätzt und sei ein sozialer Mittelpunkt, der insbesondere für die ältere Dorfbevölkerung sehr wichtig sei. „Heute geht es nicht um die Detailplanung, sondern um eine Grundsatzentscheidung.“

Christian Kühnel (Wir für Waltenhofen) betonte, dass das Projekt nicht überdimensioniert werden dürfe, sprach den Betreibern aber sein Vertrauen aus. Parteikollege Wolfgang Lau sagte ebenfalls seine Unterstützung zu. Das Argument der Gleichbehandlung sei ein Totschlagargument, mit dem er nicht kommen möchte.

Von einer „Sondersituation“ sprach Johann Jordan (CSU). Es sei die Aufgabe der Gemeinde, das Projekt finanziell streng zu begleiten.

Hanspeter Rauch (CSU) stellte die Frage in den Raum, ob die Gemeinde ein Gebäude stellen sollte, wenn das Geschäft so gut laufe. Der neue Standort würde sich auf Zeit von selbst refinanzieren. „Der Dorfladen ist absolut unterstützungswürdig, aber ob die Gemeinde das von Steuergeldern bezahlen soll, ist die Frage.“

Bürgermeister Harscher erklärte, dass nach einer Unterstützungszusage der nächste Schritt eingeleitet werden könne, indem der Beschluss an das Amt für ländliche Entwicklung weitergereicht werde. Dadurch könnten weitere Standorte sowie Fördergelder geprüft werden. Bezugnehmend auf die Bedenken des Gemeinderats, versprach Harscher, dass „die Sondersituation im Verfahren dargestellt werden wird“.

Der Gemeinderat genehmigte den bewusst offen formulierten Beschluss, die neue Entwicklung des Dorfladens unterstützen zu wollen, einstimmig.

Gefahrenpotential bei Badeinseln hoch

Erwin Wiedermann, Sachverständiger für Garten- und Landschaftsbau, wurde von der Gemeinde Waltenhofen beauftragt, eine Risikobewertung für die Badestellen des Niedersonthofener Sees durchzuführen. In der Gemeinderatssitzung stellte der Sachverständige sein Gutachten für die drei Badestellen Wollmuths, am Schrattenbach und Oberinselsee vor. Für alle drei Standorte empfahl Wiedermann dem Gremium, die Beschilderung zu erneuern, um klar zu kennzeichnen, was erlaubt sei und was nicht, um bei Unfällen als Gemeinde nicht haftbar gemacht werden zu können.

Für die beiden Badestellen am Schrattenbach und Oberinselsee sprach der Sachverständige von freibadähnlichen Strukturen, die den Badegästen unter anderem durch Wachstationen und -türme suggerieren würden, dass es eine Badeaufsicht gibt. „Es sollte klar gekennzeichnet sein, zu welchen Uhrzeiten mit einer Badeaufsicht gerechnet werden darf“, meinte Wiedermann, der auch die Stege als Gefahrenstelle ausmachte. „Diese werden wie Startblöcke bewertet, weshalb eine Wassertiefe von 1,80 Metern gegeben sein muss.“

Größtes Gefahrenpotential bargen in den Augen des Sachverständigen die fest im See verankerten Badeinseln, die auch dann genutzt werden könnten, wenn keine Badeaufsicht anwesend sei. Andernorts habe es schon schlimme Badeunfälle mit solchen Inseln gegeben. „Die Badeinseln verleiten dazu, weiter in den See hinauszuschwimmen als manche es normalerweise tun würden. Außerdem sind schon Kinder unter solchen Inseln durchgetaucht, an einem Hindernis hängengeblieben und ertrunken.“ Wiedermann gab deshalb die Empfehlung ab, nur mobile Badeinseln unter Aufsicht einzusetzen, um das Unfall- und Haftungsrisiko zu minimieren.

Die Gemeinde wolle nun mit den Betreibern der Wachstationen, der DLRG und der Wasserwacht, in Kontakt treten und eine gemeinsame Lösung, insbesondere für die Badeinseln, finden. Alle anderen durch den Sachverständigen vorgeschlagenen Maßnahmen wurden durch den Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Sondenbohrungen im Baugebiet Oberdorf

Um die Nutzungsmöglichkeiten von Wärmepumpen mit Pufferspeichern im Neubaugebiet in Oberdorf zu prüfen, sollten im nächsten Schritt drei Erkundungsbohrungen durchgeführt werden, die von einem externen Gutachter überwacht würden, erklärte Michael Eichinger vom für das Energiekonzept des Neubaugebiets beauftragten Unternehmen. Harscher erklärte dazu, dass die Gemeinde auch solche Energieformen in Waltenhofen haben wolle, weshalb im Bebauungsplan spezielle Vorgaben gemacht würden. Die Vorarbeiten, um die Praxistauglichkeit von Wärmepumpen zu prüfen, würden durch die Gemeinde übernommen. Der Hausbauer müsse diese Leistung beim späteren Erwerb des Grundstücks für 15.000 Euro mitkaufen, sei jedoch nicht dazu verpflichtet, auf eine Wärmepumpe zurückzugreifen.

Der Gemeinderat beschloss bei drei Gegenstimmen die Bohrungen sowie die Installation der Erdwärmesonden für rund 241.000 Euro.

Dominik Baum

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wie könnte das Lauben der Zukunft aussehen? - Studierende erarbeiten Ideen für mögliche Ortsentwicklung
Wie könnte das Lauben der Zukunft aussehen? - Studierende erarbeiten Ideen für mögliche Ortsentwicklung
Die Polizei informiert: Auch Wandern in Gruppen ist in der Corona-Zeit gestrichen
Die Polizei informiert: Auch Wandern in Gruppen ist in der Corona-Zeit gestrichen
Corona-Ticker Kempten: Inzidenzwerte schwanken weiterhin
Corona-Ticker Kempten: Inzidenzwerte schwanken weiterhin
Kempten lädt Jugendliche ein, ihre Stadt mitzugestalten
Kempten lädt Jugendliche ein, ihre Stadt mitzugestalten

Kommentare