"Kultur macht stark"

Regionale Kultur-Bildungsträger vernetzen sich über Förderprogramm

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Tatjana Nocker von querKUNST Kaufbeuren e.V. und Felix Taschner von der Servicestelle „Kultur macht stark“ Bayern gaben Informationen zu Förderung und Umsetzung geplanter Projekte.

Kempten – „Kultur macht stark“ – unter diesem Motto steht ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Eine Initiative, die Kindern und Jugendlichen, die in schwierigen sozialen Situationen aufwachsen, eine Chance auf einen erfolgreichen Bildungsweg geben möchte.

Letzten Montag kamen zahlreiche interessierte Gäste und Akteure ins Künstlerhaus in Kempten, um sich über das Förderprogramm sowie über mögliche Projekte zu informieren und auszutauschen. Mit dem Förderprogramm „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ soll ein Beitrag zu mehr Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe für bildungsbenachteiligte junge Menschen geleistet werden, erklärte Felix Taschner von der Servicestelle „Kultur macht stark“ Bayern. 

Niedriges Einkommen oder Erwerbslosigkeit der Eltern, geringe Bildung und Ausgrenzung schränken für Kinder und Jugendliche den Zugang zu kultureller und sozialer Bildung ein. Unter dieser Vorgabe startete 2013 das Programm des BMBF für fünf Jahre. 2018 wurde es für weitere fünf Jahre bis 2022 verlängert, mit einer Förderungssumme von insgesamt 250 Millionen Euro, eines der größten Programme bundesweit, so Taschner. Im Allgäu wurden seitdem bereits 21 Projekte umgesetzt. 

Wertschätzung und Selbstbewusstsein 

Junge Menschen, die oftmals ihren Platz in der Gemeinschaft noch finden müssen, ihre Stärken kennenlernen, Wertschätzung erleben und Selbstbewusstsein erlangen möchten, brauchen Möglichkeiten, diese Erfahrungen zu sammeln. Die kulturellen Projekte im Rahmen dieses Förderprogramms möchten dabei unterstützen. Es soll ein Sozialraum für die außerschulische und außerunterrichtliche Bildung geschaffen werden, als neues und zusätzliches kostenfreies Angebot für Kinder und Jugendliche, das auf Freiwilligkeit setzt. Für die Umsetzung bedarf es lokaler Akteure und ausgewählter bundesweit tätiger Organisationen mit den entsprechenden sozialen und kulturellen Kompetenzen. 

So sind die niedrigschwelligen Angebote für Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren gedacht. Angefangen bei Schnuppertagen, über Wochen- und Halbjahresukurse, Ferienfreizeiten bis hin zu Workshops mit den vielfältigsten Kulturangeboten, wie zum Beispiel Lesen, Musizieren, Tanzen, Kochen, Malen. Oberbürgermeister Thomas Kiechle unterstrich die besondere Rolle von Kultur und Bildung für die jungen Menschen in seinem Grußwort. So sei der Titel „Kultur macht stark“ sehr treffend und die Idee dahinter anerkennungswürdig. Es könne langfristig etwas entstehen, so Kiechle, das den bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen ermögliche. Dies trage zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und Teilhabe bei. „Wenn das Förderprogramm helfen kann, Individualisierung und Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen, dann habe sich das Programm bereits gelohnt“, sagte der Oberbürgermeister. 

Medien selber machen 

Für die jungen Menschen eröffnen sich ganz neue Welten, freies kreatives Arbeiten, spielerisches und experimentelles Ausprobieren. „Nicht das Ergebnis ist wichtig, sondern was die Kinder daraus machen“, sagte Tatjana Nocker von querKUNST Kaufbeuren e.V., die Einblicke in die Projekt-Praxis gab. So stellte sie ein Filmprojekt vor, in dem die jungen Menschen sich kritisch mit der Medienumgebung auseinandersetzten. Die jungen Teilnehmer waren von Anfang an mit eingebunden, erklärte Tatjana Nocker, wie etwa in der Konzeption, dem Drehbuchschreiben und als Schauspieler. In einem weiteren Projekt „Kunst und Naht“, erzählte sie, haben die Kinder und Jugendlichen ihre eigene Familiengeschichte auf Wandteppichen und Stoffbändern kreativ und handwerklich umsetzt.

Auch Peter Roth von der Volkshochschule Kempten (VHS) stellte umgesetzte Good-Practice-Beispiele aus der Region vor. Unter dem Überbegriff „talentCAMPus“ werden von der VHS die unterschiedlichsten Projekte für Kinder und Jugendliche angeboten, wie Holzarbeiten, Medienkompetenz, Essen und Kunst und zum Beispiel „Hörpfade – Lieblingsplätze in Kempten“. In diesem Kurs haben die Jugendlichen ihre Spaziergänge „hörbar“ aufgenommen und als MP3 abgespeichert. „Bildung kann auch Spaß machen und ohne Noten“, schmunzelte Peter Roth. Die Angebote sind für alle Kinder da, es wird niemand ausgeschlossen, denn „Kultur macht stark“. 

Christine Reder

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