"Jede Anwendung ist Zuwendung"

Regionaltagung des Kneipp-Bund Bayern: soziales Engagement für das eigene Wohlbefinden

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Zur Regionaltagung des Kneipp-Bund Landesverband Bayern erschienen neben den Vereinsvorsitzenden (v.l.) Ingeborg Pongratz, Vorsitzende des Landesverbandes Schwaben; Thomas Hilzensauer, Bundesgeschäftsführer; Klaus Holetschek, MdL und Kneipp-Bund Präsident; Dr. Oliver Florig, eingeladener Referent und Ida-Anna Braun, Regionalvorsitzende Schwaben.

Kempten/Bayern – „Miteinander – Füreinander“ lautet das Jahresmotto der bundesweiten Kneipp-Bewegung in diesem Jahr. Bewusst wollte die 160.000 Mitglieder umfassende Bewegung 2018 ein Zeichen setzen für das gesellschaftliche Miteinander, für einen achtsamen und rücksichtsvollen Umgang mit sich selbst, seinen Mitmenschen und der Natur.

Unter dem Leitsatz „Miteinander – Füreinander“ stand auch die Regionaltagung des Kneipp-Bund Landesverbandes Bayern am vergangenen Samstag im Altstadthaus in Kempten. Eingeladen waren neben den Vorsitzenden der Schwäbischen Kneippvereine Kneipp-Bund-Präsident und Landtagsmitglied Klaus Holetschek (CSU), der neue Bundesgeschäftsführer Thomas Hilzensauer, die Vorsitzende des Landesverbandes, Ingeborg Pongratz, und die Regionalvorsitzende Schwaben, Ida-Anna Braun. Das Grußwort sprach Oberbürgermeister Thomas Kiechle, selbst ein bekennender Anhänger der ganzheitlichen Gesundheitslehre des Priesters Sebastian Kneipp, der vor rund 200 Jahren als Hydrotherapeut und Naturheilkundler europaweite Bedeutung erlang.

Glücklich ist, wer Gutes tut

Eingeladen zur Tagung nach Kempten, der rund 30 Vereinsvorsitzende gefolgt waren, war auch der gebürtige Kemptener Dr. Oliver Florig, der über die psychosozialen Aspekte eines guten Miteinanders sprach und sich dezidiert damit befasste, welche Bedeutung das soziale Engagement auf das innerliche Befinden der Aktiven selbst hat. „Wir alle wünschen uns ein gutes Leben, aber sind wir wirklich glücklich, wenn all unsere Begierden erfüllt sind?“, fragt der Therapeut und meint, dass nur der zufrieden mit sich ist, der Erfüllung in einer sinnvollen Aufgabe findet.

Im Idealfall versetzt diese Aufgabe denjenigen sogar in ein positives soziales Verhältnis zu seinen Mitmenschen. „Erfüllung kann also sehr gut auch im sozialen Engagement gefunden werden“, so der Psychotherapeut.

Einen großen Beitrag zum ganzheitlichen Wohlbefinden des Menschen spiele auch die „Muße“, die etwas anderes beinhaltet als das moderne „Chillen“, wie es Florig ausführt: „Die Muße ist die Zeit, die ich habe, in der ich ohne äußeren Zwang etwas tun kann, was mir gut tut.“ Das dies nicht nur Golfspielen oder am Pool liegen bedeutet, sondern auch das soziale Engagement am Mitmenschen sein kann, ist der Akzent, den Florig in seinen Ausführungen setzten mochte.

Kneipp-Bund Präsident Klaus Holetschek betonte, wie wichtig es gerade in Zeiten von Pflegenotstand und wachsender Armut ist, den Menschen nicht nur „schulmedizinisch“ isoliert zu betrachten, sondern gemäß des Kneippschen Lehrsatzes: „Jede Anwendung ist Zuwendung“. „Gesundheit gibt es nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel“, zitierte Holetschek und appelliert auch an die Eigenverantwortung der Menschen.

Der Präsident gab einen Ausblick auf das Jahr 2021, in dem 200 Jahre Sebastian Kneipp und seine Kneipp-Bewegung gebührend gewürdigt und gefeiert werden sollen und bat die Anwesenden, im Jubiläumsjahr die Kräfte zu bündeln und viel Aktionen mit vielen Mitwirkenden zu organisieren. „Wir müssen zukünftig mehr Präsenz bei Politik und Krankenkassen zeigen und wir müssen kampagnenfähig werden“, forderte Holetschek, der schon bald gemeinsam mit dem Bundesgeschäftsführer Thomas Hilzensauer ein Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn haben wird.

In der nachfolgenden Diskussion deuteten einige Vorsitzende an, dass auch am Image der Kneipp-Bewegung gearbeitet werden müsse. Zu häufig würde in der Öffentlichkeit die Kneipp-Bewegung mit Begriffen wie „brav und bieder“ etikettiert. So laufe derzeit die importierte Ayurveda-Bewegung der heimatlichen Kneipp-Gesundheitslehre häufig den Rang ab.

Jörg Spielberg

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