Reibungslose Entschärfung

Mit einem Bagger wird die mittlerweile entschärfte Bombe am Mittwochabend von ihrer Fundstelle wegtransportiert. Fotos: Feuerwehr Kempten

„Schneller als gedacht“, so Rechtsamtsleiterin Nadine Briechle, konnten die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst am Mittwochabend die auf der Nordspangen-Baustelle gefundene Fliegerbombe entschärfen. „Es ist alles gut verlaufen“, berichtete sie am Donnerstag. Für Überraschung unter Experten und Einsatzkräften sorgte jedoch, dass die US-amerikanische Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg viel größer war als zunächst vermutet: Statt einer 125-Kilo-Bombe (250 Ibs) sahen sie sich unvermittelt einem 250-Kilo-Monstrum (500 Ibs) gegenüber.

Die umfangreichen Schutzmaßnahmen mit großräumiger Evakuierung und Straßensperrungen (der KREISBOTE berichtete) erwiesen sich letztendlich als reine Sicherheitsvorkehrung. Obwohl die Bombe doppelt so groß war wie zunächst angenommen, konnte das Team vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Bayern bereits um 18.52 Uhr nach 22 Minuten vorsichtiger Arbeit Vollzug melden und gleichzeitig Entwarnung geben – das vermutlich Mitte April 1945 abgeworfene Trum war entschärft. „Die ganze Aktion verlief recht reibungslos und relativ zügig“, so Rechtsamtsleiterin Nadine Briechle am Donnerstag gegenüber dem KREISBOTEN. Dass die Bombe größer war als zunächst vermutet und damit ungleich mehr Sprengkraft hätte entfalten können, habe keinen Einfluss auf die Sicherheitsvorkehrungen gehabt. „Von Anfang an war der Sicherheitsbereich so gewählt, dass wir für größere Bomben gerüstet waren“, erklärte sie. Nach Angaben des OB-Büros konnte die Straßensperrung bereits um 19.15 Uhr wieder aufgehoben werden und die betroffenen Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. Laut Florian Fastner, Sprecher der Feuerwehr Kempten, waren insgesamt 32 Einsatzkräfte und elf Fahrzeuge der Kemptener Brandbekämpfer sowie neun Einsatzkräfte des THW am Mittwochabend in der Riederau im Einsatz. 146 Kemptener sterben Abgeworfen wurde die Bombe vermutlich im April 1945 im Zuge des Vormarsch der US Army auf Kempten. Erst vor rund zwei Wochen im dortigen Unterholz gefundene deutsche Gewehr- und Handgranaten (der KREISBOTE berichte) ließen vermuten, so Michael Kral vom Kemptener Straßenbauamt, dass es dort an der Iller deutsche Verteidigungsstellungen gegeben habe, die die Amerikaner möglicherweise beseitigen wollten. Laut Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck könnte die Bombe auch bei einem Angriff auf die Ari-Kaserne daneben gegangen sein. Seinen Angaben zufolge flogen die Alliierten 16 schwere Angriffe während des Zweiten Weltkriegs auf Kempten. Die Angriffe vom 12. und 16. April gelten als mit die schwersten Attacken. Insgesamt starben 146 Kemptener bei den alliierten Luftangriffen, 79 wurden schwer verletzt.

Auch interessant

Meistgelesen

Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Feiern verbindet
Feiern verbindet
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare