Reibungslose Inszenierung

Einen so belebten und bunten Hildegardplatz wie hier dargestellt, wünschen sich künftig wohl alle. Die einen allerdings mit Tiefgarage, die anderen ohne. Foto: lars-consult

Um die Fragen, „die uns am häufigsten zu Ohren gekommen sind“, wie es Heinz Grünwald formulierte, zu beantworten, hatte das Bündnis „Pro Hildegardplatz“ am Donnerstagabend ins Kornhaus eingeladen. Etwa 180 Interessierte, darunter ein Gutteil CSU- und FW-Parteigänger und der Initiative nahestehende Geschäftsleute, waren gekommen. Neben Lob wurden allerdings auch kritische Anmerkungen zu dem 4,4 Millionen Euro teuren Bauvorhaben laut.

Kemptens Baureferentin Monika Beltinger stellte eingangs der Veranstaltung einmal mehr die Pläne zur Umgestaltung des Hildegardplatzes und zum Bau einer Tiefgarage vor. Dabei scheinen sich die Planer ihrer Sache sicher zu sein: Ob wacklige Basilika St. Lorenz, mögliche archäologische Grabungen oder eventuelle Mehrkosten – Bauverwaltung und Planer sind offenbar überzeugt, alle Probleme bedacht zu haben und in den Griff zu bekommen. „Die Bohrpfähle sind der Grund, warum die Basilika und die Häuser keinen Schaden nehmen können“, sagte Beltinger. Oder: „Der aktuelle Planungsstand ist schon sehr weit fortgeschritten – deshalb können wir konkrete und fundierte Zahlen angeben.“ Doch da musste selbst Planer Prof. Dr. Karl Schütz relativieren. „Das ist eine Entwurfsplanung“, betonte er. Keine Erschütterungen Anlass zur Sorge wegen der langen Bauzeit besteht aus Sicht der Planer ebenfalls nicht. Dass die Bauzeit für das unterirdisches Parkhaus nur 12 Monate betrage, liege unter anderem daran, „dass der Bau einer Tiefgarage bereits im Winter beginnen kann“, erklärte Beltinger. Zu möglichen statischen Problemen äußerte sich Prof. Schütz. Durch die Bohrpfahltechnik seien keine gefährlichen Erschütterungen der Basilika zu befürchten. „Erschütterungen werden der Kirche nicht schaden“, betonte Schütz. Der Grundwasserfluss gebe ebenfalls keinen Anlass zur Besorgnis. „Die Risse in der Basilika reagieren auf Temperaturen, aber es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Grundwasserschwankungen“, sagte er. „Es wird keine Beeinträchtigungen der Basilika geben.“ Anschließend durften einige der Geschäftsleute – die vergangene Woche mit einer gemeinschaftlichen Anzeige für den Bau der Garage geworben hatten – auf Aufforderung von Moderator Alexander Hold sagen bzw. vorlesen, warum sie für eine Tiefgarage sind. So erklärte beispielsweise Herbert Schrankenmüller von der Buchhandlung Pröbster, dass die Geschäftsleute wohl mehrheitlich für die Tiefgarage seien. „Aber sie trauen sich nicht, dass namentlich zu sagen.“ Juwelier Joachim Rall meinte: „Wir brauchen die Parkplätze, damit das Leben in die Nordstadt wieder zurückkommt.“ Mike Mattern von Reischmann sprach sich ebenfalls für mehr Belebung in der nördlichen Innenstadt aus. „Die Gastronomie kann auf 100 Parkplätze nicht verzichten. Die Wirte sind dafür“, sagte dagegen Hans Hummel, Wirt im Haus Hochland. Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau, forderte „ein Gegengewicht zum starken Süden.“ Beim anschließenden tatsächlichen Frage-Antwort-Spiel mit den Bürgern machte Beltinger unter anderem deutlich, dass mit einem Bau der Garage die komplette Stellplatzrücklage der Stadt aufgebraucht wird. Ein anderer Zuhörer äußerte Kritik an der Straßenführung zur Tiefgaragen Ein- und Ausfahrt. „Die Zufahrt darf so nie und nimmer über den Stiftsplatz geführt werden“, sagte er. Wegen der unter Denkmalschutz stehenden Serrohäuser sei eine andere Straßenführung aber nicht machbar, entgegnete Beltinger. Außerdem müsse die Einfahrt so gestaltet werden, dass sie von den Autofahrern auch angenommen werde. Wieso kein Geld für Straßensanierungen aber für eine Tiefgarage da sei, wollte Jürgen Herb vom gleichnamigen Versicherungsbüro unter anderem wissen. Vorrang im städtischen Haushalt habe der Ausbau von Kindertagesstätten und Schulen, erläuterte Stadtrat und Moderator Alexander Hold (FW). Und das nicht alles Geld in Straßen gesteckt werden könne, sei halt nun mal so. Keine neuen Schulden Ein anderer Diskutant beispielsweise wollte wissen, warum man kein Parkdeck am nahegelegenen Pfeilergraben baue. Das gehe nicht, so Baureferentin Beltinger, da das Gelände dem Freistaat gehöre. „Es wird gebaut, ohne neue Schulden aufzunehmen“, antworte schließlich OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) auf die Frage, ob „die Stadt das Geld liquide“ habe. Netzer appellierte eindringlich an die Anwesenden, am 10. April tatsächlich auch wählen zu gehen.

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