Ein Blick in den Brunnenschacht

Reicht Kemptens Wasserversorgung, wenn der Klimawandel voll zuschlägt?

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Der Hochbehälter am Haubenschloß bekommt gerade eine neue Beschichtung. Das historische Baudenkmal wurde 1900 erbaut und fasst bis zu 3000 Kubikmeter Wasser.

Kempten – „Der Klimawandel wird uns durch die Hitze sehr zu schaffen machen“, schrieb kürzlich Stadtrat Peter Wagenbrenner (CSU) an Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Wagenbrenner rechnet damit, dass der Wasserverbrauch auch in er wachsenden Stadt Kempten durch Trockenheit ansteigen wird und mehr Wasser bevorratet sein muss. „Ich habe es als Kind schon einmal erlebt, dass kein Garten gegossen, kein Auto mehr gewaschen werden durfte, weil das Wasser knapp war. Eine Quelle auf einem landwirtschaftlichen Anwesen braucht ca. zwei Monate Dauerregen, bis diese wieder voll ist“, so der Stadtrat. Er regt an, sich mit Zuleitungen, Pumpen, Hochbehältern und Wasserschutzgebieten auseinanderzusetzen, um für den Klimawandel gerüstet zu sein.

„Dringende Notwendigkeit“ sieht Wagenbrenner für die Erneuerung von Zuleitungen und Pumpen, weil diese schon alt seien. Er fürchtet Rohrbrüche, die die Versorgung mit Wasser in kürzester Zeit unterbrechen würden. Der Abteilungsleiter Wasserversorgung beim Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) Andreas Gnoth, stimmt mit Wagenbrenner insofern überein, als dass Kempten wächst und die Temperaturen heißer werden. Aus diesen Gründen „kann man generell darüber nachdenken, etwas für die Wasserversorgung zu tun“, sagt er, schiebt aber sogleich hinterher: „Es ist aber nicht dringend.“ Zwar gebe es tatsächlich alte Pumpen in der Stadt, aber das KKU prüfe sie systematisch. 

Nur wenn sich ein Problem anbahnt, werden sie erneuert, wie zum Beispiel kürzlich in der Mariaberger Straße, wo das gesamte Pumpwerk ausgetauscht worden sei. Was die Leitungen anbelangt, so werde das gesamte Netz zweimal im Jahr mit sogenannten „Geophonen“ abgehört, die auch die kleinsten Geräusche wie Wassertropfen wahrnehmen. „Damit sind wir bisher gut gefahren“, sagt Gnoth, „das sieht man auch an den relativ geringen Wasserverlusten.“ Repariert werden die Leitungen, die insgesamt ganze 270 Kilometer lang sind, nach dem Vorsorgeprinzip.

Im KKU hänge ein großer Plan, auf dem die Versorgungsleitungen aus diesem Grund je nach Alter unterschiedlich farbig markiert sind. Auch das Material und die Schadensfälle sind dort verzeichnet. Sorgen bereiten Wagenbrenner auch die Hochbehälter. Sie reichen seiner Meinung nach nicht aus, um in Zukunft genügend Wasser für das Versorgungsgebiet zu bevorraten. Außerdem möchte er sie mit modernster Sicherungstechnik ausgestattet sehen. Laut Gnoth ist bereits jede Pumpstation und jeder Hochbehälter so gesichert, dass man nicht eintreten kann, ohne einen Alarm auszulösen. 

Insgesamt sichern sechs Hochbehälter das Wasser-Speichervolumen, das für die Stadt nötig ist, erklärt der Abteilungsleiter. Einer davon gehöre dem Zweckverband Fernwasserversorgung Oberes Allgäu. Jener in Schwarzen sei komplett neu errichtet worden und fasse 700 Kubikmeter Wasser. „Hochbehälter Lenzfried 2 ist bis 2005 gebaut worden und 5000 Kubikmeter groß.“ Komplett saniert habe man Lenzfried 1 und den Hochbehälter auf der Ludwigshöhe. Ebenfalls vollständig überarbeitet wird gerade der Hochbehälter am Haubenschloß. Das Technische Baudenkmal aus Stahlbeton stammt noch aus dem Jahr 1900 fasst bis zu 3000 Kubikmeter Wasser. 

80 Prozent des Wassers kommt aus dem Süden 

Für die Ausweisung neuer Wasserschutzgebiete, wie Wagenbrenner sie fordert, will Gnoth keine Hoffnungen machen. „Eine Neuerschließung haben wir schon vor rund 40 Jahren versucht und haben keine gefunden“, sagt er. Allerdings habe der Zweckverband Fernwasserversorgung Oberes Allgäu seine Schutzgebiete vergrößert und die Quellen tiefergelegt. Im Moment verfügt die Stadt nur noch über zwei Wasserschutzgebiete, aus denen Kempten 20 Prozent seines Wassers bezieht. 

80 Prozent werden mittlerweile über den Fernwasserverband abgedeckt: Fleschützen bei Börwang habe gerade erst eine Genehmigung für weitere 30 Jahre erhalten. Auch jene für das Wasserschutzgebiet Leubas ist ausgelaufen. Das Gutachten sei aber schon genehmigt. „Wir planen eine Infoveranstaltung für die betroffenen Landwirte, bei der wir versuchen, die Widersprüche beizulegen“, so Gnoth. Die Schutzgebiete Betzigau und Burgratz gingen verloren, weil die Bestimmungen nicht eingehalten wurden. So sei das Wasser, das von der Iller nach Burgratz fließe zu kurz im Boden unterwegs. „Schutzzone 2 muss so groß sein, dass das Wasser 50 Tage für ihre Durchquerung braucht“, erklärt Gnoth, „nur so kann das Wasser alle Keime an das Erdreich abgeben.“ 

"Ein Stromausfall wäre der Supergau" 

Jetzt habe Burgratz den Status einer sogenannten Notwasseranlage, die im Notfall in Betrieb genommen wird. „Falls wir die Anlage in einem Ernstfall nutzen, müssen die Bürger ihr Wasser natürlich abkochen. Außerdem werden wir dann chloren.“ Im Moment sei das Kemptener Wasser so gut, das keinerlei Chlor zum Einsatz komme. Gerade sei Burgratz mit einer weiteren Pumpe ausgestattet worden. Auch ein Notstromaggregat habe die Anlage erhalten, das ganze „3,5 Tonnen wiegt und rund 200 Kilowatt liefert“, verdeutlicht Gnoth die Dimensionen. Insgesamt sind Ende letzten Jahres drei Notstromaggregate angeschafft worden, „denn ein Stromausfall wäre der Supergau“, sagt der KKU-Mann. Auch wenn die Maßnahmen, die Wagenbrenner vorschlägt, teuer seien, wolle man die Überlegung aufgreifen, ob man sich für den Klimawandel noch besser rüsten kann. 

Susanne Lüderitz

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