Reinkommen und Wohlfühlen

In den Räumen des Sozialpädagogischen Fachdienstes in der Linggstraße 4 treffen sich die Alleinerziehenden regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Foto: Matz

Montag ist ein wichtiger Tag für Beate (Name von der Redaktion geändert). Alle 14 Tage hält sich die Mutter von drei Kindern den Vormittag frei, komme was wolle, denn das Treffen der Alleinerziehenden mit ihren Kindern will sie nicht verpassen. Hier ist sie unter Gleichgesinnten, kann dem Alltag entfliehen und sich mit anderen austauschen. „Die Gruppe bietet ein Zuhause, ein Auffangnetz, das mich hält. Wenn ich Probleme habe, dann weiß ich, wo ich als erstes hingehen kann“, sagt sie.

Im Jahr 2011 besuchten insgesamt 22 Frauen und ein Mann mit insgesamt 47 Kindern im Alter von neun Monaten bis 17 Jahren die Gruppe. Zu den laufenden Treffen, die alle 14 Tage montags stattfinden, kommen zur Zeit etwa zehn Mütter und Väter mit ihren Kleinkindern. Die Treffen finden jeweils in der Zeit von 9.15 bis 11.15 Uhr statt. Zusätzlich gibt es einen Sonntagsbrunch, Ausflüge und ein Treffen in den Sommerferien, um die lange Zeit der Schulferien zu überbrücken. „Reinkommen und Wohlfühlen“ beschreibt am treffendsten, was die Gruppe für alle Teilnehmenden bedeutet. Warum sie sich hier wohlfühlen, sagen die Frauen und der Mann in der Runde: „Hier kann ich so sein, wie ich bin, hier muss ich mich nicht verstellen.“ – „Hier kann ich über alles reden, egal ob über Windeln wechseln oder Frust.“ – „Hier weiß ich als Mutter, dass ich mit meinen Problemen nicht alleine bin.“ – „ Hier finde ich Freundinnen, Unterstützung und Hilfe.“ „Ganz wichtig sind allen das gegenseitige Vertrauen und das Angenommen-Sein in der Gruppe“, erklärt Luise Steinmetz von pro familia kempten, die zusammen mit einer Expertin vom sozialpädagogischen Fachdienst die Treffen leitet. Jedes Treffen beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück „Das erleben die Teilnehmer als wertschätzend, es erleichtert das Ankommen und fördert die Kommunikation und den Austausch“, berichten die Sozialpädagoginnen. Danach schließt eine Redestein-Runde an, in der jede Frau, jeder Mann zu Wort kommt und ihre/seine persönliche Situation und ihre/seine Anliegen einbringen kann. Im Anschluss daran wird ein Tagesthema behandelt, das in der Regel von den Teilnehmerinnen eingebracht wird. Vielfältige Probleme Die Themen betreffen alle Lebensbereiche der Alleinerziehenden: die alleinige Bewältigung des Alltags, Trennung, Scheidung, Sicherung des Lebensunterhalts, Verarmung, Wohnungssuche, Wiedereinstieg in den Beruf und Erziehungsfragen. Die Gruppenleiterinnen dagegen informieren über entsprechende Hilfsangebote und Beratungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Erziehungsberatung, Trennungs- und Scheidungsberatung, fachärztliche Hilfe oder therapeutische Begleitung oder Mutter-Kind-Kuren. Dabei werde deutlich, berichten die Sozialpädagoginnen, dass viele Single-Eltern mehrfach belastet und am Rande ihrer Kräfte seien. Die Gruppe könne neben anderen Maßnahmen einen Schutzraum und Unterstützung geben – ganz praktisch mit gegenseitiger Kinderbetreuung, wenn zum Beispiel zwei von drei Kindern krank seien und jemand das gesunde Kind betreue, dann sei das eine große Entlastung und Hilfe. Positiv sehen beide Sozialpädagoginnen auch, dass die Impulse für eine eigenständige Freizeitgestaltung der Familien aufgenommen werden. Die Gruppe organisiert inzwischen selbständig und regelmäßig gemeinsame Freizeitunternehmungen. Sorgen um das liebe Geld Die Treffen können ohne Voranmeldung besucht werden. Das nächste Treffen in den Räumen des Sozialpädagogischen Fachdienstes, 3. Stock, Linggstraße 4, ist am kommenden Montag, 16. April. Der nächste Ausflug ist für Sonntag, 22. April, von 10 bis 13.30 Uhr geplant. Weitere Informationen dazu gibt es unter der Telefonnummer 0831/27 289. Sorgen bereitet den Verantwortlichen nach wie vor allerdings die Finanzierung der Gruppe, die jedes Jahr um ihren Fortbestand bangen muss. Für 2012 hat der Landkreis Oberallgäu zwar wieder einen Anteil zugesagt, mehr als zwei Drittel der Kosten tragen aber pro familia kempten e.V. und der Sozialpädagogische Fachdienst Kempten. Dieser Beitrag zur Förderung der Familien und zur Teilhabe Alleinerziehender an der Gesellschaft braucht die Unterstützung durch private Spender. Weitere Informationen dazu gibt es bei pro familia Kempten unter der Telefonnummer 0831/96 077 40.

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