Reise in die Vergangenheit

Kreisrätin Linda Breining (links)und Bürgermeister Hans-Peter Koch gratulierten Anna und Johann Kosilek zur diamantenen Hochzeit. Foto: Würzner

Ehepaare, die ihre diamantene Hochzeit feiern, werden meist gefragt, wie und wo sie sich kennengelernt haben. Mit ihrer Geschichte nehmen sie uns mit auf eine Reise in eine Zeit, die unsere Generation nur aus Filmen oder Büchern kennt. So auch bei Anna und Johann Kosilek, die vergangene Woche ihre diamantene Hochzeit feierten.

Man fühlt sich wie in einer Autorenlesung der Nobelpreisträgerin Hertha Müller, wenn Johann Kosilek erzählt. Wie in dem Buch „Atemschaukel“ ist sein Vater, ein gebürtiger Rumäne, in einem Kriegsgefangenenlager der UdSSR. Im rechtsfreien Raum nach der Oktoberrevolution wird Johann 1921 geboren, er weiß nicht wo, kennt seine russische Mutter nicht. Die Heirat mit ihr war die Bedingung, in die Heimat zurückkehren zu dürfen. Sie bleibt in Russland, der Zwillingsbruder stirbt noch in seinem Geburtsland, der Vater in Rumänien als er 14 ist. Schwieriger Anfang Er erlernt den Beruf des Wagners, dient im Zweiten Weltkrieg ein halbes Jahr in der rumänischen Armee, danach in der deutschen Wehrmacht als Kradmelder in der SS. „ Alle Rumänen kamen zur SS,“ lautet die Antwort auf die Frage, warum er mit seinen 1,65 Meter Größe, also bestimmt kein Gardemaß, zu dieser Waffengattung kam. Im März 1947 kommt er aus der Gefangenschaft zurück nach Lukosch, lernt bei der Arbeit auf einem Bauernhof in Bethausen Anna kennen. Sie fiel ihm auf, weil sie immer alleine lief und sehr ernst war. Er lädt sie ein zum Tanz, ihre Antwort ist ein Schulterzucken. Er interpretiert das als Absage und geht mit anderen Mädchen aus. Auf dem Rückweg kommt ihm seine Zukünftige entgegen, sie war die vier Kilometer zum Bahnhof gelaufen und hatte dort mehrere Stunden auf ihn gewartet. Sie hatte das Schulterzucken wohl als Zusage verstanden. Das war die Zeit, als SMS noch für „Seiner Majestät Schiff“ stand. Ein Jahr nach der Hochzeit wurde Johann geboren, der als Säugling starb, Elisabeth ein Jahr später, Robert folgte 1955. Viele Glückwünsche Es war die Tochter, die durch ihre Flucht 1988 den Weg nach Deutschland ebnete, zurück in die Heimat der Vorfahren. Über Betzigau kamen sie nach Überbach, wo sie seit 2003 leben. Sie sind bei guter Gesundheit und versorgen Haus und Garten. Kreisrätin Linda Breining überbrachte die Glückwünsche des Landrates, Bürgermeister Hans-Peter Koch das Geschenk der Gemeinde, verbunden mit der Hoffnung, auch zur Feier der eisernen Hochzeit eingeladen zu werden.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten

Kommentare