Reise in die Vergangenheit

Wie es rund um die Fischerei im Allgäu vor 250 Jahren bestellt war, darüber kann man sich derzeit umfassend im Börsensaal des Kemptener Kornhauses informieren. Die Ausstellung „Frische Fische anno 1759. Barockwelt und Weiherwirtschaft im Kemptischen Stiftsland“ zeigt Bedeutung, Zusammenhänge, Flora und Fauna und auch wie es ganz praktisch von statten gegangen ist – damals. Besonders während der langen Fastenzeit lebten die adeligen Mönche und Bewohner der Residenz wohl nicht schlecht von dem, was aus den mehr als 80 Gewässern in klösterlichem Besitz auf ihren Tellern landete. Manch eine der dokumentierten Fischsorten ist heute verschwunden, wie die in der einst weit verzweigten Iller beheimatete „Nase“.

Neben der Fischerei frönten die adeligen Mönche ebenso der Jagd auf das am Wasser lebende Getier. Als besondere Delikatesse in der Fastenzeit sollen eingelegte Biber- oder Otterschwänze gegolten haben. Vier Hoffischer, zahlreiche Fischerjungen, ein Brunnenmann für die Kalter am Hofgarten und 43 Bach- und Weiherwarte seien für die natürlichen Seen, aufgestauten Weiher, ausgehobenen Fischgruben, Bäche und die fischreiche Iller verantwortlich gewesen, wie OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) bei der Ausstellungseröffnung am Internationalen Museumstag darlegte. Mit dem „Fischereibuch des Fürststifts Kempten“ hat Benedikt von Schönau, der dem Personalapparat ab 1755 als Fischherr vorstand, ein über 30 Jahre fortgeführtes geschichtliches Dokument auch über die „soziale Situation der Fischer“ hinterlassen, erklärte der Präsident des Fischereiverbandes Schwaben, Franz Josef Schick. Zu sehen sind Reproduktionen der wichtigsten Illustrationen daraus. Da das kostbare Original im Staatsarchiv Augsburg aufbewahrt wird, hat der Fischreiverband Schwaben eine Faksimile-Ausgabe herausgebracht, die der Direktor des Staatsarchivs, PD Dr. Peter Fleischmann, als „Luxusversion“ zum darin Blättern bezeichnete. Und ein verweilender Blick in das reich bebilderte Zeugnis barocker und fürstäbtlicher Lebenswelt, in dem auch Fische, die einst unsere Gewässer bevölkerten beschrieben sind, lohnt allemal. Fürstäbtliche Völlerei Bereichert wird die Ausstellung durch ein Zuberschiff, diverse Fischfanggeräte, präparierte Fische und vieles mehr. Zu erfahren ist außerdem, was mit den Gewässern nach der Säkularisation und dem damit verbundenen Ende des Klosters geschah. Einen Hauch fürstäbtlicher Völlerei konnten die Eröffnungsgäste genießen: Sie wurden vom Fischereiverein Sulzberg-Oy-Mittelberg (Rottachsee) mit selbst gefangenen und in allen erdenklichen Variationen zubereiteten Rotaugen, Forellen, Saiblingen, Brachsen, Karpfen, Felchen, Zandern, Hechten, Barschen und deutschen Edelkrebsen verköstigt. Unter dem Motto „Barocker Fischgenuss“ soll ein Abend mit Essen, Tafelmusik und Erläuterungen auch während der Ausstellung Einblicke in die kulinarische Seite der Fischerei geben. Weiteres sind unterschiedliche Exkursionen und Führungen im Programm. Für Kinder gibt es neben einem Puppentheater Führungen des Umwelt-Mobils des Bund Naturschutz. Bis zum 4. Oktober noch kann „Frische Fische anno 1759“ im Allgäu Museum im Kornhaus besichtigt werden. Wochentags ist die interessante Ausstellung von 10 bis 16 Uhr und Feiertagen sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt an jedem ersten Sonntag im Monat ist frei.

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