Expertenvortrag: Wasser und Abwasser im Mittelalter als wirtschaftliche Grundlage

Wasser als hohes Gut

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„Wasser und Abwasser im mittelalterlichen Isny“ war jetzt das Thema eines Vortrags.

Isny – Der Schwäbische Heimatbund hat das Württembergische Allgäu zur Kulturlandschaft 2013/14 gekürt. Vor diesem Hintergrund haben die Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege, das Kulturforum Isny und die VHS Isny nun ein Programm vorgelegt, dass Kultur, Brauchtum und Geografie näher bringen soll.

Professor Dr. Werner Konold, Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftspflege an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, referierte jetzt in Isny zum Thema „Wasser und Abwasser im mittelalterlichen Isny.“ 

Oswald Längst, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege, begrüßte den Referenten und die zahlreichen Gäste. Nach einigen technischen Problemen konnte Professor Konold schließlich aus seinem großen Erfahrungsschatz und auch seinen Untersuchungen vor Ort, die schon ein bisschen zurückliegen, einige neue Aspekte aufzeigen, die deutlich machen, wie sehr Wasser die wirtschaftliche Geschichte von Isny beeinflusste. 

Tief zurück ging der Referent im ersten Teil seines Vortrags. So ging er darauf ein wo der Name Isny herstammt und wie aus germanischen und keltischen Quellen der Name Isny geboren wurde. Da sind die Ausgrabungen in der Südlichen Altstadt richtungweisend. Die „Hofstatt“ wird gerade genau analysiert und von mehreren Webstühlen in einem Keller bis hin zu Gerbergruben wird alles ans Licht gebracht. 

Vertrag ändert alles 

Als 1096 die Benediktinerabtei gegründet wurde, war wasserrechtlich noch alles einfach gehandhabt. Aber – und das war wichtig – mit dem Vertrag von 1171 und dem Tausch von einigen Klostergrundstücken gegen Wasserrechte geschah etwas Grundlegendes. Streit war nun vorprogrammiert. Das Kloster hat seine Wasserrechte weidlich ausgenutzt. Durch Bewässerung der Wiesen wurde mehr Futter erzeugt und damit eine höhere Wirtschaftlichkeit erreicht. 

Wasser war immer wichtig und nach Meinung von Professor Konold werden wir Menschen wahrscheinlich noch erleben, wie es wieder wichtig wird. Das Wassersystem rund um Isny wurde in einer Weise geplant und bewirtschaftet, die über Jahrhunderte fast einmalig war. Aber auch das Abwasser war wertvoll. Über den Stadtbach, die Ach und die Gräben und Kanäle floss alles was sich an Abfallstoffen ansammelte im unteren Graben. Dreimal im Jahr wurden mit der stinkenden aber nährstoffreichen Brühe durch Ablassen und Verteilen die Felder und Wiesen gedüngt. 

Auf diese Art wurde auch gleich das Ungeziefer reduziert. Viadukte wurden angelegt und auf diesen lief dann der Krummbach über den Dreifingerbach, der Kehnerbach über die Ach und weiter ins Rotmoos oder ins Mittelösch. Die Gerüche müssen wirklich erstaunlich gewesen sein. Die Stadt und das Kloster hatten für diese Vorgänge jeweils einen hauptamtlichen Wiesenwässerer eingesetzt. 

Das war scheinbar einer der wenigen Punkte, an denen die Zusammenarbeit mit dem Kloster funktionierte. Für Württemberg wurde die Wiesenwässerung erst im 18. Jahrhundert im größeren Umfang eingeführt und als neue Technik der Düngung gerühmt. Zu diesem Zeitpunkt war das in Isny schon seit Jahrhunderten so praktiziert worden, aber in keinem der damals heraus gegebenen Fachbücher wurde das Modell Isny erwähnt. 

1929 war von der OEW ein Wasser-Großspeicher im Rotmoos geplant. Die Ach und die dazu umzuleitende Eschach sollten den Speicher speisen. Ausgeführt wurde dieses Projekt jedoch nicht, sonst wäre heute gleich hinter Isnys Mauern ein relativ großer See, der dem Tourismus sicher gelegen käme.

Manfred Schubert

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