Relikte statt Polizei-Neubau? 

Hier soll das neue Polizeigebäude entstehen, mit Erschließung auf der Seite der Rottachstraße und am Pfeilergraben.
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Hier soll das neue Polizeigebäude entstehen, mit Erschließung auf der Seite der Rottachstraße und am Pfeilergraben.

Kempten – Im Nachgang zu unserem Bericht über einen geplanten Neubau auf dem staatseigenen Grundstück am Pfeilergraben (siehe Kreisbote, 15. Mai, S. 3) haben zwei Leserbriefe auf möglicherweise vorhandene Reste der mittelalterlichen Kapelle St. Nikolaus aufmerksam gemacht (siehe Kreisbote, 19. Mai). Um diesen Aspekt zu klären, hat das Staatliche Bauamt bereits im Vorfeld nichtinvasive und minimalinvasive Untersuchungen durchgeführt, wie Behördenleiterin Cornelia Bodenstab erklärt. 

Gestaltungsbeirat will kein neues Polizeigebäude auf dem »Filetstück« Pfeilergraben

Diese Erkundungen hätten allerdings keine Anhaltspunkte erbracht, die auf einen besonders guten Erhalt des Bodendenkmals schließen lassen. Eine Untersuchung der Parkplatzfläche sei mittels Georadar am 17./18. Februar durchgeführt worden. Dabei hätten sich zwar mehrere Anomalien ergeben, die auf Mauerstrukturen und Fundamente hindeuten können, doch in ihrer Ausrichtung und Form nicht mit einem Kapellengrundriss in Einklang zu bringen seien.

Um die Einbettung und Beschaffenheit dieser Anomalien zu beurteilen, seien dennoch am 19. April sechs Rammkernbohrungen durchgeführt und das erbohrte Material durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in Augenschein genommen worden.

Hierbei habe sich gezeigt, dass die neuzeitlichen Auffüllungen 1,5 Meter kaum überschreiten und unmittelbar in den geologischen Untergrund übergehen.

Ein mittelalterlicher Laufhorizont habe in keiner der Bohrungen beobachtet werden können. Und in den Bohrungen hätten sich auch keine Anhaltspunkte für eine Mauerstruktur oder archäologische Funde ergeben.

Aus diesem Grund habe das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die fachliche Zustimmung zur Erteilung einer denkmalrechtlichen Erlaubnis durch die Regierung von Schwaben auch bereits in Aussicht gestellt.

Eigentlich habe man schon mit Relikten gerechnet, zumal „ein Bodendenkmal eingetragen ist“, so Bodenstab. Aber früher sei ja schon das Straßenbauamt hier gestanden, für den Bau der Residenz habe man sicher auch Steine gebraucht und als die Schweden 1632 Kloster und Residenz besetzten, „haben sie auch keinen Stein auf dem anderen gelassen“. Dass man bei einem innerstädtischen Grundstück keine Untersuchungen mache, sei heute eher die Ausnahme. „Wenn man so Schliemann-mäßig unterwegs ist“, bedauert Bodenstab fast, dass nichts zutage gefördert wurde. „Wenn wir etwas gefunden hätten, hätten wir es sicher integrieren können.“

Christine Tröger

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