Renovieren, streichen und kopieren

Christoph Erber (links) und sein Zivi-Kollege Valentin in Mailand. Foto: privat

Insgesamt elf Monate verbringt Christoph Erber in Mailand und leistet dort in einer Waldorfschule seinen Zivildienst ab. In unregelmäßigen Abständen berichtet der 19-Jährige im KREISBOTEN von seiner Arbeit und seinen Erlebnissen.

Nachdem ich mittlerweile schon knapp sechs Wochen in Mailand lebe, möchte ich jetzt einmal meine Erlebnisse und Eindrücke der ersten Wochen zusammenfassen. Am 5. September reiste ich also mit dem Auto und allerlei Gepäck an. Die eigentlich schöne Wohnung, ein Altbau im Mailänder Stadtteil Lambrate, war von den Zivis des letzten Jahres nicht ganz so hinterlassen worden, wie wir es uns vorgestellt hatten. Valentin, der mit mir zusammen seinen Zivildienst in der Waldorfschule leistet, war bereits zwei Tage früher angekommen und hatte zu meiner Erleichterung bereits einen Teil der Wohnung geputzt und aufgeräumt. Nichtsdestotrotz blieb aber noch eine Menge zu tun und wir verbrachten einen Großteil der ersten Tage damit, in der Wohnung einmal für „Klarschiff“ zu sorgen. Mittlerweile haben wir uns aber beide ganz gut eingerichtet und eingelebt. Am nächsten Tag ging es dann nach einer kurzen Führung durch die Waldorfschule direkt mit der Arbeit los. Da man in der ersten Woche leider noch nicht so wirklich viel mit uns anzufangen wusste fiel das Aufgabenspektrum dementsprechend breit und willkürlich aus. Nachdem wir zunächst einen Schuppen mit alten Bänken, Tischen und weiterem Sperrmüll entrümpeln mussten, brachten wir mithilfe eines Lkws den gesamten Inhalt auf die städtische Mülldeponie. Es folgten ähnliche Aufgaben, die hauptsächlich jede Menge weiteren Müll beinhalten sollten. Ende der Woche lernte ich dann auch beim Streichen eines Klassenzimmers die italienische Arbeitsmoral kennen, die sich im Allgemeinen dadurch zu äußern scheint, dass lediglich einer wirklich arbeitet und der Rest (aus Mangel an geeignetem Werkzeug) verantwortungsbewusst zusieht und bei Bedarf fachkundige Kommentare abgibt. Des weiteren gab es dann auch noch jede Menge weitere Zimmer zu streichen und zu entrümpeln, Regale aufzubauen und eine nicht unerhebliche Papierlieferung entgegenzunehmen. Etwas erstaunt war ich allerdings schon, dass die Schule wenige Tage vor Schulbeginn noch mehr oder weniger vollständig renoviert (unter anderem wurde die Schulküche komplett neu eingerichtet) wurde. Obwohl meine Italienischkenntnisse momentan noch recht dürftig sind, habe ich gerade in den ersten Wochen täglich gemerkt, wie sich mein Wortschatz doch so allmählich vergrößert. Mittlerweile kann ich mich auch schon um einiges besser verständigen als am Anfang. Unverzichtbar ist dabei jedoch mein kleines Wörterbuch geworden, dass ich eigentlich immer bei mir trage und welches auch (noch) häufig zum Einsatz kommt. Allerdings konnte auch das mich nicht vor dem ein oder anderen Missverständnis bewahren, so geschehen als ich knapp 20 Kilogramm Nudeln in den Handarbeitsraum getragen hatte, nur um daraufhin festzustellen, dass ich nicht die Nudeln, sondern lediglich die Kartons, in die die Nudeln verpackt waren dorthin tragen sollte. Ab sofort besuche ich einen Italienisch-Sprachkurs an einer Art Volkshochschule und kann damit in Zukunft hoffentlich die Zahl der Missverständnisse weiter reduzieren. Der Unterricht begann eine Woche später, was für Valentin und mich bedeutete, dass jeder von uns von nun an in einem bestimmten Bereich tätig ist, nämlich entweder in der Küche oder im Sekretariat. Uns wurde gesagt, dass jeder immer abwechselnd zwei Monate bei einer Tätigkeit bleibt, was wohl vor allem in der Küche eine ziemlich lange Zeit werde dürfte, da die Arbeit dort sehr monoton und langweilig zu sein scheint. Zunächst helfe ich nun also im Sekretariat, jedoch verbringe ich eigentlich auch nur einen kleinen Teil der Zeit tatsächlich dort. In der Regel helfe ich unter anderem auch dem Hausmeister bei seinen täglich anfallenden Arbeiten, erledige Botengänge für die Schule oder muss eine Schulklasse zur nahegelegenen Turnhalle begleiten. Wenn ich dann doch im Sekretariat bin, beschränkt sich die Arbeit dort hauptsächlich auf das Kopieren oder Zusammen-tackern zahlreicher Blätter. Positiv überrascht habe ich festgestellt, dass die Deutsche Sprache auch hier in Mailand verbreitet zu sein scheint, da mir bereits mehrere Schü-ler, Eltern und Lehrer begegnet sind, die mich mit einem herzlichen „Guten Tag“ begrüßt haben. Daraus hat sich auch das ein oder andere interessante Gespräch entwickelte. In den nächsten Wochen habe ich dann vor eine Art „Deutschkurs“ an der Schule anzubieten, um ein paar Schülern die Möglichkeit zu geben ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Über das und weiteres werde ich dann in meinem nächsten Artikel berichten. So steht zum Beispiel der Tag des heiligen St. Michele vor der Tür, der bei den Waldorfschulen traditionell mit einem großen Fest gewürdigt wird.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare