Neues Gewerbegebiet in der Riederau?

Am Biomassehof könnten Kutter und die AHG eine neue Heimat finden

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Zwei Drittel des Gesamt-Grundstücks des Biomassehof Allgäu eG ist dem Landschaftsschutzgebiet Iller zugeordnet. Deswegen muss jetzt genau geprüft werden, ob und wie viel der Fläche in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden kann.

Kempten – In Kempten gibt es bekanntlich nicht mehr viele Flächen, auf denen sich Gewerbe ansiedeln kann. Doch jetzt scheint sich ein neues Gewerbegebiet aufzutun, direkt an der Nordspange beim Biomassehof.

Platz wäre dort unter anderem für das Gartencenter Kutter, das, wie berichtet, schon lange auf der Suche nach einem neuen Standort ist, auch für die Allgäuer Herdebuchgesellschaft (AHG) und eventuelle weitere Nutzer.

Der Biomassehof Allgäu eG verfügt über ein circa 160.400 Quadratmeter (qm) großes Grundstück in der Riederau. Das ehemalige Militärgelände ist mit circa zwei Dritteln seiner Fläche dem Landschaftsschutzgebiet (LSG) Iller zugeordnet. Die Teilfläche außerhalb des LSG wird vom Biomassehof für Holzproduktion und Verkauf genutzt. Auf der gesamten Fläche werden ehemalige Munitionsbunker an vorwiegend private Personen vermietet.

Wie Dagmar Lazar, Leiterin des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung, im Bauausschuss berichtete, hat sich der Flächenbedarf des Biomassehofs durch den Erwerb eines Pellets-Werks bei Landsberg verändert und er habe daher ein grundlegendes Interesse an einer Verwertung der Flächen in der Riederau. Die Halle Nord des Biomassehofs wurde im Frühjahr an den städtischen Betriebshof vermietet.

Zwischenzeitlich haben sich verschiedene Interessenten einer Nutzung von Teilflächen an den Biomassehof gewandt, weshalb dieser ein Architekturbüro mit der Erarbeitung eines Flächenkonzepts für das Grundstück beauftragt hat. Dieses sieht baulich genutzte Flächen im Osten vor, die vom Riederauweg erschlossen werden sollten und etwa zwei Drittel des Grundstücks einnehmen. Aufgeteilt sind die Flächen im Konzept wie folgt: 28.100 qm für den Biomassehof; circa 25.000 qm für Gartencenter Kutter; ca. 12.500 qm für den städtischen Betriebshof; circa 8800 qm für das Allgäuer Brauhaus, das sein bisher in Oberstdorf ansässiges Logistikzentrum nach Kempten verlagern möchte; circa 32.500 qm für die AHG, die bereits seit geraumer Zeit Flächen sucht, um den Betrieb aus der Stadtmitte (Allgäuhalle und Verwaltungsgebäude Kotterner Straße) an den Stadtrand zu verlegen. Die AHG braucht eine Halle und ein Verwaltungsgebäude für 35 Mitarbeiter sowie einen Parkplatz mit 200 Stellplätzen für die zweiwöchigen Auktionen und den wöchentlichen Kälbermarkt. Da der Parkplatz somit nur eine sehr geringe Nutzung haben wird, könnte darauf zugleich die Trainingsfläche für den Motorsportclub Scuderia untergebracht werden, der seit Jahren seine Trainingsfläche am Biomassehof hat.

Der Biomassehof ist laut Lazar mit diesem Flächenkonzept an die Stadt herangetreten und bittet um Prüfung, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Umsetzung möglich wäre. Dazu müsste die LSG-Gebietsverordnung geändert, das LSG zurückgenommen und das Planungsziel in Gewerbegebiet umgewandelt werden.

Es sind noch viele Fragen bezüglich Naturschutz, Wasserrecht, Altlasten, Immissionsschutz und zu anderen Themen zu klären, aus Sicht der Stadt-

entwicklung wird die Entwicklung eines Gewerbegebiets beim Biomassehof aber „grundsätzlich positiv bewertet“, so Lazar. Die gute verkehrliche Anbindung und das geringe Konfliktpotenzial mit angrenzenden Nutzungen lasse den Stadtort als gut geeignet für die Entwicklung eines Gewerbegebiets erscheinen. Eine abschließende Entscheidung könne allerdings erst nach Vorliegen der Ergebnisse der fachlichen Verfahren erfolgen. „Heute geht es darum, in das Verfahren zu starten, um zu untersuchen, was es für Möglichkeiten gibt“, erläuterte Lazar.

„Das hat sehr viel Charme, es wird niemand gestört“, meinte Michael Hofer (ÖDP). Allerdings hatte er „Bauchschmerzen“ beim LSG. Der Retentionsraum bei eventuell kommenden Hochwassern würde sehr viel kleiner. Das Thema Ausgleichsflächen spiele hier eine große Rolle, pflichtete ihm Stadtplanerin Antje Schlüter bei. „Ein gutes Konzept zu entwickeln, ist flächenmäßig schwierig.“

CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier empfand das Flächenkonzept aus Sicht des Biomassehofs optimal. „Wir müssen darüber nachdenken, ob das auch unser Ziel ist. Für mich ist die Gegenleistung für die Natur nicht ersichtlich, mir fehlt die Kompensation.“ Dass man über Gewerbe dort nachdenke, fand er insbesondere mit Blick auf Kutter, den man in Kempten behalten wolle, gut. Theo Dodel-Hefele (Grüne) ist es „insgesamt zu viel“ Gewerbe. Die Ansiedlung von Kutter und AHG findet er okay.

Das Flächenkonzept des Biomassehofs sei „nicht der Weisheit letzter Schluss“, betonte OB Thomas Kiechle. „Für mich ist es richtig, in das Verfahren einzusteigen, es liegt an uns, wo wir die Grenzen ziehen.“ Kutter und AHG sieht er jedenfalls als verträglich an. Schließlich beauftragte der Bauausschuss die Verwaltung, die weiteren Schritte für die Entwicklung eines Gewerbegebiets einzuleiten. Dabei soll dem Ausgleich des LSG in besonderer Weise Rechnung getragen werden.

Melanie Weidle

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