Skurrile Witwe mit Spürsinn

Romina Angelis neuer Allgäu-Krimi »Die letzte Pille bringt der Tod«

Ein Mord im idyllischen Burglbach? Walli Schimmel ermittelt
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Ein Mord im idyllischen Burglbach? Walli Schimmel ermittelt

Kempten/Hamburg – Seit bald 16 Jahren ist Romina Angeli selbständige Fotografin mit eigenem Studio. Und sie ist die Autorin eines neuen Allgäu-Krimis. Doch auch nach monatelanger Arbeit, daheim am Schreibtisch und im Verlag, scheint Angeli selbst am meisten darüber zu staunen, wie sie zur Krimiautorin wurde.

„Wie die Jungfrau zum Kinde bin ich zu meinem Buch gekommen“, erzählt sie. „Fünf Minuten bevor ich angefangen habe, habe ich noch nicht daran gedacht, ein Buch zu schreiben.“ Ihr Mann sei eine Leseratte und sie sei überzeugt gewesen: „Wer so viel liest, der muss doch auch schreiben können. Ich habe lange gebohrt, um ihn dazu zu bringen, selbst ein Buch zu schreiben. an.“ Am „Tag X“ saßen die beiden dann endlich gemeinsam vor dem Laptop und „ich habe versucht, ihm Informationen zu geben, eine Idee“, damit er loslegen kann, erinnert sich Angeli. „Nach zehn Minuten bin ich alleine dagesessen.“ Schon aus Trotz habe sie „nicht lange überlegt“ und drauflos getippt. Ihr Mann recherchierte unterdessen im Internet und brachte ihr den Ausdruck eines umfangreichen Schreibratgebers, der angehenden Autoren unter anderem nahelegt, die Romanhandlung in sieben Sätze zu skizzieren, dieses Grundgerüst in einem weiteren Arbeitsschritt zu 49 Sätzen auszubauen und immer so fort. Romina Angeli war gerührt, dass ihr Mann sie so fürsorglich unterstützte: „Ganz süß!“, musste ihm aber sagen: „Ich bin bei Kapitel zwei.“

Seitdem schreibt sie in den frühen Morgenstunden und freut sich immer schon im Voraus, bald weiterzuarbeiten. Während Ehemann und Tochter noch schlafen, öffnet sie am Computer ihr „Überraschungspaket“. Denn: „Meine Geschichten entstehen beim Schreiben; ich frage mich: Was könnte jetzt passieren?“, berichtet sie.

Sprühendes Zentrum und treibende Kraft des Geschehens ist Walli Schimmel, „eine skurrile ältere Dame, die sich nichts sagen lässt, eigensinnig und urig“. Nach langen Jahren in München und auf Reisen ist Walli nach dem Tod ihres Mannes in ihr Allgäuer Heimatdorf Burglbach zurückgekehrt. Mitgebracht hat sie unter anderem ihren extravaganten Kleidungsstil, einen roten Ford Mustang und ihre Vorliebe für Cappuccino mit laktosefreiem Milchschaum. Außerdem verfügt die selbstbewusste Witwe über eine gute Beobachtungsgabe, Risikobereitschaft und einen ausgeprägten kriminalistischen Spürsinn. So hat Walli gleich ein ungutes Gefühl, als der Dorfapotheker eines Morgens tot vor seinem Medikamentenschrank liegt, und beginnt gegen alle Widerstände zu ermitteln. „Walli verkörpert für mich, dass man alles schaffen kann, auch wenn Steine im Weg liegen“, sagt Romina Angeli. Trotz ihrer Tollpatschigkeit lässt sich die selbsternannte Miss Marple von Burglbach nicht beirren und meistert letztlich auch die peinlichsten Situationen mit Humor und Schlagfertigkeit. „Sie zeigt, dass man nicht immer alles so ernst nehmen sollte, auch sich selbst nicht.“ Im beschaulichen Allgäuer Dorfleben fällt Walli auf wie der sprichwörtliche Bunte Hund. „Wenn man ein bisschen anders ist, wird man heute sehr schnell misstrauisch beäugt“, hat Angeli beobachtet. „Was man früher hinter vorgehaltener Hand gesagt hat, posaunt man heute anonym im Internet ‚raus und vergreift sich dabei schnell mal im Ton. Viele haben Angst bekommen: Was kommt auf mich zu, wenn ich mich so zeige, wie ich bin?“ Beim Schreiben ist es Angeli wichtig, „authentisch zu sein“. So spricht Wallis beste Freundin, die Burglbacher Bäuerin Friedl, Dialekt, was im Verlag durchaus diskutiert wurde. Vieles, was der Witwe Schimmel passiere, spiegele ihre eigenen Erlebnisse wider.

Romina Angeli.

Als die Romanheldin ihren ersten Fall gelöst hatte, der Krimi abgeschlossen war, „habe ich zu meinem Mann gesagt: ‚Der kommt jetzt auf die Frankfurter Buchmesse.‘“, erzählt die Autorin. Bis dahin hatten nur er, ihre Mutter und eine Freundin das Manuskript gelesen. „Ich habe das erst mal nur für mich gemacht.“ Dennoch, nach einigem Hin und Her nahm ihre neue Literaturagentin Wallis erstes Abenteuer tatsächlich mit nach Frankfurt auf die Buchmesse und brachte es beim Verlag HarperCollins unter. Zwischen meiner Lektorin und mir hat die Chemie von an Anfang an gepasst“, erinnert sich Romina Angeli. „Wir haben den gleichen Humor.“ 

Ein Witz, der sich wohl auch aus dem geschulten Blick der Fotografin ergibt: Die lebendige, ereignisreiche Romanhandlung wird geradezu filmisch erzählt mit einem guten Gespür für das richtige Timing und nicht ohne die eine oder andere Actionszene. Wallis teils grotesk überzeichnete Missgeschicke erinnern an Slapstick-Komödien und ereignen sich bisweilen auch an Orten, die vielen Kemptener nur allzu vertraut sind.

Beim Verlag wartet man derzeit gespannt auf den zweiten Band aus Burglbach, denn HarperCollins hat beschlossen, Walli Schimmel eine ganze Krimireihe zu widmen.

Buchdaten: Romina Angeli: Die letzte Pille bringt der Tod. Ein Allgäu-Krimi. HarperCollins Hamburg. ISBN: 9783749901401. 9783749901401

Antonia Knapp

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