"Leere Bühne statt Stadtfest"

Rote Plätze als Zeichen der Solidarität

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Am ersten Juliwochenende jährlich ein Platz ausgelassener Freude mit Tausenden von Besuchern, heuer ein rot illuminierter Platz, an dem zwei Boule-Spieler „eine ruhige Kugel“ schieben.

Kempten – „Sie können ja mit Ihrer Partnerin auch zu Hause tanzen“, schlug Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor, als er in einem Pressegespräch über den Restart der Veranstaltungsbranche und Eventszene reüssierte.

Und in der Tat, eine hoffungsvolle Aussicht für diese Branchen gibt es derzeit nicht. 

Das trifft auch viele Akteure im Allgäu, die auf Vereinsveranstaltungen, Musikfesten, Bezirksmusikfesten, Trachten- und Feuerwehrfesten für professionelle Beschallung, Beleuchtung und Bühnenbau sorgen. Besonders schmerzlich ist für Dienstleister aus dieser Branche, dass Großveranstaltungen wie die Allgäuer Festwoche und das Stadtfest Kempten abgesagt wurden, Aufträge, die mit ihrem Volumen den beauftragten Unternehmen schon mal über einen Winter helfen können. Um zum einen auf die Not dieser Dienstleister hinzuweisen, aber auch die Erinnerung an die vielen tollen Stadtfeste hoch zu halten, ließ nun das City-Management Kempten die beiden prominenten Plätze Rathaus- und Sankt Mang Platz durch ihren Bühnenbauer Felix Körper in der Farbe Rot illuminieren. 

Vorbild für das City-Management war die Aktion „Night of Lights“, bei der am 22. Juni bundesweit Eventlocations, Spielstätten, Veranstaltungszentren und andere kulturbedeutsame Gebäude rot angestrahlt wurden. Mit der Farbe Rot wollten die betroffenen Unternehmen auf ihre existenzielle Not hinweisen. Die Branche, die jährlich 130 Mrd. Euro erwirtschaftet und rund 1,5 Mio. Menschen beschäftigt, wird, wenn es zu über den 31. Oktober hinaus bei einen Verbot von Großveranstaltungen bleibt, eine Welle von Insolvenzen erleben. Felix Körper betreibt sein Unternehmen, die Firma Körper Licht- und Tontechnik aus Sankt Mang mit Leidenschaft. „In unserer Branche arbeiten Menschen, die über ihren Lohn hinaus in ihrer Arbeit Erfüllung suchen. Ihre Fähigkeiten setzen sie ein, um anderen Menschen einzigartige Erlebnisse zu bereiten“, sagt Felix Körper, der wie viele in der Branche im Lockdown um das Weiterleben seiner Firma kämpft. 

„Zwar haben mir die Corona-Soforthilfe und das Kurzarbeitergeld geholfen mein Unternehmen bis dato durch die Krise zu führen, aber die laufenden Kosten zur Lagerung des Equipments und des Fuhrparks werde ich nicht endlos tragen können.“ Selbst wenn es nach dem 31. Oktober in abgespeckter Form weitergehen sollte, sagt der Bühnenbauexperte: „Meine Branche verdient in der Sommersaison das Geld für den Winter und wir brauchen für die Bereitstellung von Logistik und Personal einen ausreichenden zeitlichen Vorlauf.“ Verständnis und Unterstützung findet der Unternehmer bei den Akteuren des City-Management Kempten, die Felix Körper seit 2014 mit der technischen Realisation des Stadtfest Kempten beauftragen. Große Lücke Niklas Ringeisen, Geschäftsstellenleiter des CM-Kempten: „Insgesamt 40.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Stadtfest und vermissen heuer schmerzlich die lebendige Atmosphäre dieses einmaligen Events. 

Zudem ist das Stadtfest ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor für die lokale Ökonomie. Entlang der Wertschöpfungskette sind fast 50 Dienstleister eingebunden, die bei Auftragsvergaben jedes Jahr berücksichtigt werden.“ Auch für die Gastronomie möchte sich das City-Management Kempten mit seiner Aktion „Leere Bühne statt Stadtfest“ einsetzen. Einen erheblichen Teil ihrer Jahreseinnahmen konnte die lokale Gastronomie jährlich am ersten Juli-Wochenende generieren, wenn das Stadtfest Tausende von Besuchern auf die Plätze der Stadt lockte. In seiner Analyse zur Absage des Stadtfest sagt Niklas Ringeisen: „Nicht nur dem City-Management Kempten als Organisator fehlen Einnahmen, auch für knapp 1.000 Akteure von Tanzschulen und lokalen Vereinen fällt eine wirkungsvolle Präsentationsplattform weg. 

Am Veranstaltungswochenende traten jährlich bis zu 15 Bands und Live-Acts als musikalisches Highlight auf und rund 30 Gastronomen sorgten beim Stadtfest für das leibliche Wohl der Besucher. 20 Sponsoren und Partner machten mit ihrer finanziellen und organisatorischen Unterstützung das Gelingen der Großveranstaltung erst möglich.“ Nun hoffen alle, dass es im nächsten Jahr wieder ein Stadtfest geben wird. Ob Ministerpräsident Söder dieses mit einem Tanz eröffnet, ist noch offen. 

Jörg Spielberg

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