Im Roten Salon wird‘s kriminell

Angela Esser und Till Bastian lesen Kriminalgeschichten

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Angela Esser und Till Bastian lesen im Roten Salon.

Isny – Man kennt sich und mag sich und zusammen gelesen hat man auch schon öfter. Krimi-Autoren sind so. Angela Esser und Till Bastian haben sich 1992 in München auf der „Kriminale“ kennen gelernt, als die Schriftsteller aus dem Süddeutschen Raum zusammenkamen und in die Autorenvereinigung „Syndikat“ eintraten.

Das ist schon ein sehr passender Name für Kriminelle unter den Federfuchsern. Vor ungefähr drei Jahren haben die beiden schon einmal in Isny gelesen und auch da einen bunten Strauß spannender Geschichten aus dem Syndikat präsentiert. 

Ihnen geht es nicht darum, nur eigene Werke zu präsentieren, sondern auch andere Schreiber aus dem Syndikat zu Wort kommen zu lassen. Daran kann man auch abschätzen, in welchen kriminellen Kreisen sie sich bewegen. Das ist ein stetes Geben und Nehmen mit immer überraschenden Schlusseffekten. 

Till Bastian hat gerade eine Veranstaltung zum 50. seines Abiturs besucht, fand in der damaligen Schülerzeitung ein von ihm verfasstes „Weihnachtsgedicht“ und stellte damit klar, dass er schon immer kriminelle, aber auch schriftstellerische Neigungen hatte. 

Angela Esser und Till Bastian lieben das wechselseitige Lesen. Schon die erste Geschichte war ein Dialog zwischen einem Telefonseelsorger und einem Straftäter, der nur langsam an die Stelle kam, an der er „Mist gebaut“ hatte und nun Hilfe erwartete, um aus dem Schlamassel wieder rauszukommen. Wirklich raus, denn er war nun schon drei Tage mit seinen Geiseln in der Bank. Gut kam an, dass der Telefonseelsorger die immer gleichen Redewendungen verwendete, ob nun im Gespräch mit dem Täter oder mit einer der Geiseln. Und am Ende klopfte er sich selber auf die Schulter, weil er wieder einmal toll reagiert hatte. „Schön, wenn man helfen kann.“ 

Auch der Job als Friedhofsgärtner ist dafür angelegt, die Wahrheiten im Untergrund verschwinden zu lassen. Wenn einer dann seine zwei Leichen gerade entsorgt hat und erfährt, dass ein anderer Kollege gerade das Grab tiefer aushebt, ist schon wieder kein perfekter Mord gelungen. Oder wenn der rothaarige Engel Angelina ihr Ehegespons „Der mit den wasserhellen, unehrlichen Augen“ mit einem vergifteten Glas Wein ins Jenseits befördert: „Salute, schau mich dabei an!“ Dann ist Satire und schwarzer Humor angesagt. 

So zog es sich durch den ganzen Abend, zeitweise Gänsehaut inbegriffen. „Ein Unfall“ von Jörg Maurer durfte auch nicht fehlen. Eine junge Dame fährt auf der Heimfahrt im Nebel einen Mann über der Haufen, kann ihn aber nicht finden, mag die Polizei nicht rufen, weil sie etwas getrunken hat und fährt lieber heim. Nachts wird sie wach und vor ihr steht ein Mann in rotem Mantel: „Entschuldige, dass ich so spät komme, aber draußen im Nebel hat mich so eine dumme Pute über den Haufen gefahren.“ Da er gar nicht so übel aussieht, landet er zur Wiedergutmachung bei ihr im Bett. „Ein Quickie mit Blicki“ – Sex und Crime vertragen sich durchaus miteinander. Das war noch nicht alles. Wie aus Gemüse und Obstsorten ein Kriminalgeschichte entstehen kann, „Die Kerze brennt, es ist Advent“ von Loriot, „Mord unterm Sternenhimmel“ und zum Abschluss den guten Rat: „Nie von hinten erstechen, das ist Heimtücke und gibt lebenslänglich.“ Hoffentlich müssen wir nun nicht wieder so lange warten, bis Esser und Bastian nach Isny kommen. Fortbildung ist lebensnotwendig.

Manfred Schubert

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