Energiewende: AÜW prüft den Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes im Allgäu

Dringender Handlungsbedarf

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„Herkulesaufgabe”: AÜW-Chef Michael Lucke (links) und sein Technischer Leiter Dr. Michael Fiedeldey stellen am Rottachsee ihre Speicherkraftwerks-Pläne vor.

Kempten/Allgäu – „Es besteht Handlungsbedarf, regenerativen Strom effizient zu speichern und ihn zeitlich am Markt so anzubieten, sodass eine rentable Preiserzielung auch für Stromerzeuger und Netzwerkbetreiber gewährleistet ist”, so Dr. Michael Fiedeldey, technischer Leiter beim AÜW.

Als bewährtes Instrument dafür gelten Pumpspeicherkraftwerke. Daher untersucht das AÜW derzeit, ob sich der Bau einer solchen Anlage im Allgäu rentiert, wie das Unternehmen am Montag vergangener Woche im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gab. 

„Wir prüfen zur Zeit, ob sich der Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes auch für unsere Region lohnt. Hierzu haben wir in einem Vorprüfverfahren insgesamt zwanzig Standorte untersucht, bei denen sich aufgrund der Topographie der Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes ökonomisch wie ökologisch rentieren könnte”, erklärte Fiedeldey in der Außenstelle des Wasserwirtschaftsamtes Kempten am Rottachspeicher. Die Örtlichkeit war mit Bedacht ausgewählt worden, befinden sich doch zwei der vier geeignetsten Standorte für ein solches Pumpspeicherkraftwerk am Rottachspeicher: Im südöstlichen Bereich bei der Gemeinde Gereute und im nordwestlichen Bereich beim Weiler Wachsenegg, einem Ortsteil der Gemeinde Sulzberg. Die beiden anderen Standorte befinden sich am 1622 Meter hohen Berg Breitenstein und im Bereich der Gemeinde Thalkirchdorf am Alpsee. „Wir können am Ende unseres Prüfungsverfahrens auch zu der Erkenntnis gelangen, dass es nicht rentabel ist, eine solche umfangreiche technische Anlage zu bauen, aber wir möchten den Vorgaben der Politik und dem Wunsch der Bevölkerung nach sauberer Energiegewinnung entsprechen und prüfen, ob ein Pumpspeicherkraftwerk unseren Energiemix sinnvoll ergänzt”, sagte AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke. 

 Groß wie sechs Fußballplätze 

Diese vom technischen Leiter Fiedeldey als „Herkulesaufgabe” bezeichnete Investition von geschätzten 60 Millionen Euro pro möglichem Standort, hat es wahrlich in sich. Allein am Standort Wachsenegg würde oberhalb des nordwestlichen Ufers des Rottachsees ein oberes Speicherbecken entstehen, das mit Beton ausgeschlagen, ein geschätztes Volumen von insgesamt rund 970 000 Kubikmetern aufweisen würde und eine Oberfläche von rund sechs Fußballfeldern besäße. Dieses Oberbecken würde mit einem unteren Becken am Rottachspeicher durch zwei Röhren mit einem Durchmesser von je drei Metern verbunden sein und schließlich ergänzt werden durch ein Auslaufbauwerk mit integriertem Generator und Pumpwerk. Die Röhrentrasse wird im Tiefbau verlegt und die Becken später durch Begrünung dem vorherrschenden Landschaftsbild angepasst. „Diese technische Anlage kann allerdings keinen weiteren Zwecken zugeführt werden, als der reinen Stromerzeugung durch das geplante Umschlagen der Wassermassen in zwei Nutzungsschleifen von je sechs Stunden am Tag”, erklärte Lucke. Auch müsste die Anlage gesichert werden, könnte doch ein Bad darin für Schwimmer böse Folgen haben. 

Deshalb und aus Gründen, die sich aus der schieren Größe des Projektes ergeben, hatte der AÜW-Vorstand gleichsam die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden zum Pressetermin geladen. Diese berichteten von ersten Gesprächen mit ihren Bürgern, von vielen Pro-, aber auch Kontra-Stimmen und von der Notwendigkeit, bei einem solchen Prozess die Bürger mitzunehmen. Im Fall eines Baues würden betroffene Landbesitzer natürlich entschädigt und der Bauherr dazu verpflichtet, Ausgleichsflächen zu schaffen. „Jetzt wird vorab in einem Geoscanning geprüft, ob sich die vier ausgewählten Gelände überhaupt für den Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes eignen oder ob es aus geologischer Sicht oder aus Umweltverträglichkeitsgründen Bedenken gibt”, sagte Fiedeldey zum Abschluss. 

Jörg Spielberg

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